Allein aufgrund des schmeichelhaften Ergebnisses dieses Spiel als gut geführt zu bezeichnen, geht mir dann doch zu weit.
Das man zunächst an solchen Tagen zusieht, die Def. zu stabilisieren, ist löblich und notwendig. Nur haben wir dies keineswegs souverän getan. Viele von uns blieben weit unter ihren Möglichkeiten und es war auch nicht so, daß wir wirklich sicher hinten standen.
Dass es kein schönes Spiel war, ist vollkommen unstrittig. Ich sehe aber immer noch einen Unterschied zwischen "schön" und "gut". In Bezug auf letzteres habe ich in Mainz ein Werder-Team gesehen, welches über weite Strecken taktisch gut agiert hat, das Einrücken der Sechser im Bedarfsfall oder deren Unterstützung für die AV`s, das Doppeln, das geschickte Verschieben Richtung Spielgeschehen, das Verengen der Räume, das alles hat - mir zumindest - sehr gut gefallen. In allen Mannschaftsteilen haben wir versucht, in erster Linie die Fehler zu minimieren. Dass das nicht durchweg "souverän" gelang, glaube ich lag daran, dass wir es zu selten machen, dass uns gewissermaßen "Routine" darin fehlt. Schalke spielt so etwas natürlich viel konsequenter und noch konzentrierter durch, weil sie wissen, wie`s geht.
Was mir dazu noch klasse gefallen hat - wir haben uns diesmal nicht von der einer Schleimermentalität "Gegen solche Kaliber wie Werder Bremen", "Wir gegen Bremen, das ist wie Stuttgart gegen Barcelona in der Champions League" einlullen lassen. Sondern richtig dagegengehalten, als sie uns anfänglich ganz ohne Respekt "überrollen wollen". Und wir haben erkannt, worum es ging. Hunt wird weggemäht, ein paar Minuten danach holt er aber die Rote Karte heraus. Bargfrede bringt einen Hauch Theatralik ein. Völlig richtig, wie ich finde. Denn kaum anders kannst Du in solchen Spielen antworten - und bestehen. Psychologische Kriegsführung ist das Zauberwort. Das sind die Mittel der van Bommels und Jarolims dieser Fussball-Welt. Genau so wurden wir oft niedergemacht, die Revanche-Roten-Karten von Diego und Pizarro letzte Saison oder die von Diego vorletzte Saison als Beispiele. Diesmal hat sich Werder gewehrt. Bravo - kann ich da nur sagen!
Magath erzählte vor acht Spielen auch, Schalke sei keine Spitzenmannschaft, Werder allein spielerisch und auch sonst fast eine Klasse besser usw. Werder wollte schön spielen, Schalke hatte die Punkte...heute hat Magath zehn Punkte Vorsprung..:18:
Von daher nimmt man bei sehr geringem Aufwand den Ertrag gerne mit, allerdings sollte man dabei bedenken, daß dieser Ertrag aufgrund äußerst glücklicher Umstände (Boros zu lang geratener Freistoß, harte rote Karte gegen Mainz) zustande kam. Eher glücklich als schlau.
Wie man`s nimmt. Die Frage des erzwungenen oder unerzwungenen Glückes ist sowieso immer eine zwiespältige Sache. Ich sehe es nach wie vor so, dass es
nicht nur zufällig sein kann, dass wir bspw. genau ein solches Spiel gegen zehn in HH verlieren trotz dreier Lattentreffer und in Mainz dieses gewinnen. Der hauptsächliche Unterschied aus Werder-Sicht war die Spielführung. Ich sehe das sogar unabhängig von der zweifelsohne viel höheren individuellen Klasse der Hamburger. In Hamburg haben wir unnütz rumgedaddelt, hin-und hergespielt ohne Nutzen, völlig falsch auf schwerem Boden. Damit hätten wir das Spiel in Mainz wahrscheinlich auch verloren. Auch viele Bayern- oder Schalke-Spiele oder die von Hertha letzte Saison werden/wurden oft als rein glücklich benannt, die auf diese Weise liefen. Ist`s wirklich nur Glück? Wie oft haben wir hinterher rumgejammert über fehlendes Glück, unglückliche Gegentore, provozierte rote Karten?
waaas? so unterschiedlich können die auffassungen sein... fand das 5:4 gegen Hoffenheim eins der besten spiele der letzten 3 Jahre... ich will ja als fussballfan auch was geboten kriegen
Genau. Deswegen haben wir postwendend danach auch 1:4 in Stuttgart verloren und 3:3 gegen Dortmund gespielt. Da wollten wir dann auch was anbieten...:18: Meine Auffassung dazu ist, dass hier die Ergebnisse bei einer cleveren Spielweise wohl mehr gezählt hätten, um etwas "mitzunehmen", statt etwas "anzubieten". Denn der Grossteil einer Mannschaft - mit Ausnahme der Stürmer - holt sich nicht Selbstvertrauen bei einem 5:4 oder einem 3:3, sondern über eine stabile Spielweise, über das verinnerlichte Selbstbewusstsein, dass hinten wenig passieren kann. Zumal Werder ausserdem problemlos das Wissen im Hinterkopf haben sollte, in der Lage zu sein, Tore zu erspielen. Die Quintessenz des 5:4 war seinerzeit übrigens - neben genannten Ergebnissen - dass wir vier weitere Spiele nicht gewinnen konnten. Ich hätte lieber einen CL-Platz "mitgenommen", statt zwischendurch "etwas angeboten".
Davon abgesehen finde ich persönlich ein Spiel auf taktisch hohem Niveau viel interessanter als irgendein aberwitziges 5:4, wo sich ein Team nach 4:1 Führung auskontern lässt. Auf der anderen Seite weiss ich natürlich auch, dass der Grossteil der Fans wie auch die Medien gerne viele Tore sehen. So gesehen bleibt Werder ein Sympathie-Verein.
@All
Ist nur meine Meinung, nichts weiter.