Zitat von [SVW]Andi;848087:
Ich weiß wirklich nicht mehr, ob ich beim Lesen dieses Threads weinen oder lachen soll. Jetzt wird schon ein Favre (bei dem Fussball, den er spielen lässt, werden hier viele auf die Barrikaden gehen) oder Veh (der nicht mal mit Wolfsburg, die einen stärkeren Kader haben als wir, um die internationalen Plätze mitspielt) als Nachfolger vorgeschlagen.
Jetzt mal unabhängig von TS finde ich die Abqualifizierung der beiden genannten Trainer doch ungerechtfertigt. Dass Favre bei Hertha einen unfassbar gruseligen Ergebnis-Fussball spielen liess, ist weniger seinen mangelnden Fähigkeiten als Trainer geschuldet, sondern dem Umstand, dass Herthas Kader schlicht und einfach nichts anderes zuließ. Favre hatte schon in der Schweiz ein gutes Gespür, wie und wann er mit entsprechenden Spielern umgehen muss, wie er Spielern eine taktische Marschroute beibringen kann, die sie auch in der Lage sind, umzusetzen. Ich hielt Herthas Kader schon in der letzten Saison für äußerst limitiert, habe beide Spiele gegen Werder und darüber hinaus noch das gegen Leverkusen live im Stadion gesehen. Nun der Kader wurde ja auch mit geringen Mitteln zusammengestellt. Dass Favre damit zwischenzeitlich um die Meisterschaft mitspielte, spricht letztlich für ihn. In der Schweiz wiederrum hat er durchaus offensiven und Kombinationsfussball spielen lassen.
Ein sehr guter Trainer entwickelt um das vorhandene Spielermaterial und die vorhandenen Mittel eine Philosophie, Taktik und Spielausrichtung und ändert es je nach Situation und dem, was er im jeweiligen Verein vorfindet. Ein mittelmäßiger Trainer setzt immer seinen Kopf durch, egal wie es läuft und wie es die Situation erfordert, was das Spielermaterial hergibt, er hält an dem fest, wovon er glaubt, es sei das einzig Richtige.
Ich halte Favre für einen der ersteren aus oben beschriebenen Gründen. Trappatoni oder den Köstner, der jetzt in Wolfsburg angefangen hat, halte ich bspw. für Letzteres. Zu welcher Kategorie Schaaf zuzuordnen wäre, lasse ich an dieser Stelle mal offen.
Dass Wolfsburg den besseren Kader als Werder hat, machst Du woran fest? Weil sie nach dem frühen, stümperhaften Ausscheiden aus dem EC und aus dem Pokal, wo sie gegen Werder chancenlos waren, im Februar 2009, danach aus der Aussenseiterrolle eine Serie starteten, die auf Basis einer Verkettung glücklicher Umstände (die Bayern schwächelten, S04 ebenso, Leverkusen und Hoffenheim stürzten ab, Werder war wiedermal durch den Rückrundenstart und taktisch zu blöd und konzentrierte sich dann auf die Pokale) und der Arbeit eines hervorragenden Trainers zustandekam? Aus meiner Sicht hat Wolfsburg zwar den teureren, aber nie und nimmer den besseren Kader, schon letztes Jahr nicht.
Was Veh angeht, so ist mein Eindruck, dass er ein Trainer ist, der offensiven und schnellen Direktfussball bevorzugt, aber auch nach Möglichkeit variieren kann. Werder zum Beispiel hat er regelmäßig mit simplem Konterfussball geschlagen, hat sich nach dem Gegner ausgerichtet, obwohl er ansonsten selten diese Spielweise mit seinen Mannschaften favorisierte. In Wolfsburg wollte er genau das auch, scheiterte aber an der lange von Magath bevorzugte Spielweise des kraftsparenden Fussballs mit "Lang Hafer", wenigen Ballkontakten und Kontern. Grafite und andere passten dazu nicht, sie passten nur ins "System Magath". Ausserdem war der Erwartungsdruck zu hoch, der Kader überschätzt. In Stuttgart fand er damals bescheidene Möglichkeiten vor nach Traps Abgang, sortierte Tomasson und Grönkjar raus - sehr mutig - förderte wieder Talente, wie den ansonsten fussballerisch limitierten Hilbert, brachte Magnin wieder in die Spur, war Gomez Förderer. Veh fand 2005 die selben Möglichkeiten vor wie Magath 2007 in Wolfsburg und nutzte diese. Ich spreche öfter mit Hansa-Fans und die sind heute noch beeindruckt - im Gegensatz zu seinem Abgang, was Veh dort für eine Arbeit ablieferte .