Zitat von Lothar Matthäus;841263:
Diese Probleme sind ganz offensichtlich, insbesondere, was das Leistungsgefälle zwischen den Wettbewerben angeht, bin ich mir nicht im Klaren, woran das liegt. Eine Mentalitätsfrage? Dann hätte der eine oder andere Spieler wohl seinen Job verfehlt.
Das Problem liegt und lag IMO in der Ineffektivität der gesamten Spielweise. Viel Mühe, wenig Lohn (Tore). Das scheint zu frustrieren und zu verunsichern. Ich sehe das Problem weitestgehend im psychologischen Bereich.
Meines Erachtens ganz wichtiger Aspekt. Was haben/hatten wir denn in der Ära Schaaf/Allofs an Spielermentalitäten?
Aktuell haben wir mit Borowski, Rosenberg, Boenisch, Fritz, Almeida, Moreno eine Reihe von Spielern, die sich zuvor anderswo nicht durchsetzen konnten. Dazu einen Frings, der sich anderswo durchsetzten konnte, dies aber dauerhaft nicht wollte. Dazu einen Özil, der mit 17 bei Schalke zunächst stark begann, dann zwischenzeitlich in ein längeres Tief fiel, später sich auch noch verpokerte. Dazu Pizarro, dem in München stets nachgesagt wurde, er rufe sein Potential nicht ab und wäre nicht ehrgeizig genug, der nachfolgend Chelsea`s Tribüne kennenlernte. Dazu Hunt und Jensen, die ebenfalls viel fussballerisches Potential besitzen, aber nebst Verletzungen auch eine immer mal wiederkehrende, gewisse Lethargie in Ihrem Tun sicher nicht leugnen können. Jensen hatte seine beste Phase bei Werder, als es entweder um eine Vertragsverlängerung hier ging, oder darum, sich für andere Vereine zu empfehlen.
Naja, und selbst Lisztes, Ernst, Micoud, Diego waren zuvor an anderer Stelle gescheitert, Ismael vorher in der Versenkung verschwunden. Ausserdem erreichten fast alle Spieler, die in den letzten 15 Jahren bei Werder weggingen, beim nächsten Verein nicht wieder die Werder-Form.
Letztendlich ist es ein betont ruhiges Umfeld, dass die Riege dieser Mentalitäten dazu bringt, bei Werder Bremen Höchstleistungen anzubieten. Ich wage aber die dreiste These, dass bei Werder bewusst auf genau solche Spieler geschaut wird, auf Spieler, die vor allem nicht unbequem sind. Mir fällt da nur Mario Basler ein, der absolut nicht in dieses Raster passte. Ein Ansgar Brinkmann oder Thomas Berthold wären wohl nie ein Thema bei Werder gewesen. Vielleicht auch ein Grund, warum jetzt gerade Vranjes oder vor zwei Jahren Wome plötzlich komplett aufs Abstellgleis gerieten.
Das Problem ist m.E. nur, dass ebenso, wie eine Ansammlung solcher Spieler aufgrund ihres Potentials phasenweise starke Mannschaftsleistungen abliefert, ebenso phasenweise aufgrund zu schneller Genügsamkeit und Selbstzufriedenheit in lang anhaltende Tiefs fällt. Da liegt die Crux, glaube ich. Und das liesse sich nur ändern, wenn sportliche Leitung und Verein von aussen zielgerichtet beeinflussen. Aber genau das vermisse ich.
Vielleicht vertragen unsere Spieler auch keinen Druck? Das haben sie zumindest andern Ortes bewiesen.... Nur dann muss halt ein Mittelweg gefunden werden, ein Weg der beiden - den Spielern und Werder auch - konstanteren Erfolg bringen kann. Das gilt auch für den Trainerstab. Andere Vereine beschäftigen Mentaltrainer etc. Zusätzlich brauchen wir vom Grunde her mehr erfolgshungrigere und -orientiertere, ehrgeizigere Spieler zumindest ein paar. Die können dann auch fussballerisch limitierter sein a la van Bommel, aber sie sollten wissen, was sie wollen. Da muss Werder hin. Wo liegt Zuckerbrot, wo liegt Peitsche? Zuviel Zuckerbrot, wie es Werder pflegt, bringt mMn angekommen am Höhepunkt wie DM und 5 Jahre CL umgekehrt Stagnation und Rückschritte, wie wir es nun in den gefährlichen Anfängen in Bremen erleben. Wenn kein Umdenken erfolgt. Bei Spielern, Trainern und Vorständen!
Die Herangehensweise im Werder-typischen Umfeld ist gut, so lange es darum geht, einen minder-starken Kader zu Bestleistungen zu pushen. Ich meine aber, in dem Moment, wo die Qualität im Kader derart steigt, wie es KATS inzwischen aufgebaut haben, muss damit auch eine andere Vorgehensweise einhergehen. Wir können nicht mehr handeln wie ein Ausbildungsklub (auch wenn es teilweise noch so ist) oder so tun, wenn wir 7 deutsche Nationalspieler usw. im Kader haben. Denn dann passiert exakt das, was Werder gerade durchmacht, ein überteuerter, weil guter Kader, spielt das nicht mehr ein, was er kostet. Weil der Erfolgs-Druck fehlt. Und dann geht es schleichend aber sicher bergab also exakt auch das, was Werder gerade erlebt. Ich denke, es wurde schon viel zu lange ungenügend gehandelt, dieses provokant vorgehaltene Es-geht-nur-und-immer-weiter-so-weil-es-das-beste-für-Werder-ist wird uns scheitern lassen, vermutlich. Ich denke aber auch, dass es noch nicht zu spät ist. Warten wir mal den Rest der Saison ab.....
zu b) Taktische Defizite, insbesondere das Defensivverhalten nach Standards, wurden laut Aussage der Spieler und lt. Aussage der sportl. Leitung abgearbeitet. Dies funktionierte doch auch über große Strecken der bisherigen Saison
Da liegt eines dieser typischen Probleme. Dass Dein zweiter Satz stets als Argument für den ersten dient. Nein, und nochmals nein. Diese grosse Strecke waren 7 Bundesliga-Spiele vom 3. bis zum 10.Spieltag. Die Strecke, wo es noch nicht oder dann nicht mehr passte, beträgt allerdings stolze 12 Spiele. Nicht, dass es mal gut funktionierte, darf ausschlaggebend sein, so wie es Werder gerne tut, sondern es geht um Fehlerminimierung und nur da hilft sich das vor Augen halten der anderen Spiele. Und nur da lässt sich der wahre Effekt erkennen.
Das ist das Gleiche wie die ständigen Querverweise auf vergangene Erfolge, die dazu dienen, aktuelles zu schönen denn genau das wird uns auf die Füsse fallen.
Das ist jedoch ein Problem, was sich nicht erst seit dieser Saison manifestiert hat. Ein Trainer, der sieht, dass es nicht läuft, der muss in der Spielvorbereitung, in der Aufstellung und Einstellung der Mannschaft, was verändern. Darauf warte auch ich, dass sich diese Änderungen in der Spielweise niederschlagen. Ganz offenbar hat Thomas Schaaf hier noch nicht die Mittel gefunden. Oder ich bin zu blind, eine Verbesserung zu erkennen.
Nein nicht blind, einer Deiner besten Absätze!
Spricht mir durchaus aus der Seele. Hinzuzufügen wäre indes, dass TS dann doch schon ziemlich lange diese Mittel nicht findet. Wird er sie jemals finden? Will er sie überhaupt finden?
Aber ganz abseits davon: Ich bin absolut nicht in der Position, das zu bewerten und Lösungsvorschläge zu bieten, um den Knoten zu zerschlagen. Da haben mir allerdings einige hier was voraus.
Glaube ich nicht. Aber sachliches und analytisches Diskutieren ist doch Kern eines Forums, oder nicht?
Die Angst ist natürlich immens groß, dass es nach TS wieder so losgehen könnte wie unter de Mos, Dörner, Sidka, Magath. Aber ich denke, natürlich würde es auch bei uns nicht nur schwarz/weiß geben, sondern sicherlich auch mal grau. Nur wenn ich mir ansehe, wie das so bei anderen Vereinen läuft, kann ich mir ganz ehrlich die Frage nicht beantworten, was ich denn lieber bei uns sehen würde.
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Und sicherlich ist es dann absolut frustrierend, wenn wir selbst aufgrund scheinbar vermeidbarer Fehler diesen sportlichen Unterschied sogar noch zu unseren Ungunsten vergrößern. Nur fehlt diesen Vereinen das, was uns in den Jahren 04-08 ausgezeichnet hat, nämlich der konstante Erfolg, rein was die Saisonziele angeht. Drei Titel und 5mal CL in Folge hat keiner dieser Vereine bisher vorzuweisen. Klar, sie sind auf dem Weg dahin, .....
Da liegt doch der Hund begraben. Gerade Werder kann sich genau das nicht leisten - was seit 3-4 Jahren abläuft, dass nicht in den Griff zu bekommende Fehler schrittweise abwärts führen. Werder ist Nuance um Nuance dabei, den Vorsprung völlig unnötig herzuschenken. Der dann nur schwerlich wieder herzustellen sein dürfte. Da helfen uns dann auch keine Jahre 04-08 im Rückblick weiter.
Die Angst davor, dass es bergab gehen könnte, die stärker ist als der Glaube, dass es ebenso auch bergauf gehen oder zumindest der Status gehalten werden könnte, kann nämlich gleichzeitg die Basis für Rückschritte sein. Danach siehts zumindest aus.