Eine verlorene Saison ist es (noch) nicht, aber am Ende könnten die verschenkten Punkte aus den letzten 6 Partien fehlen und dann ist das Gejammere entsprechend groß.
Doch, eine verschenkte Saison ist es bereits. Fünf Punkte hinter den Europa-League Plätzen nach dem 19. Spieltag, da kann man schon von verschenkt sprechen.
Und meines Erachtens haben wir noch wesentlich mehr verschenkt: nämlich mindestens die Vertragsverlängerung mit Mesut Özilund die Chance, Spieler wie Naldo und Merte langfristig halten zu können. Und einmal tut sich bei mir
die Frage auf, ob Werder einfach über die schwächste wirtschaftliche Infrastruktur der gesamten Liga verfügt, Allofs zu vorsichtig wirtschaftet oder ich es einfach nicht verstehe. An letzterem ist sicher etwas dran, aber ich bin schon der Meinung, dass einige Fragen gestellt werden müssen.
Denn: es steht außer Frage, dass Werder in Sachen Stadion, regionales Umfeld etc. nicht mit Mannschaften wie dem HSV, Schalke und Co mithalten kann. Unsere finanzielle Situation ist um einiges schwieriger, als bei vielen Clubs, mit denen wir auf einer Stufe stehen/standen. Dennoch kann ich beim besten Willen nicht verstehen, warum wir eine sodermaßen defensive Transferstrategie an den Tag legen. Die letzten beiden Jahre haben doch gezeigt, dass das langfristig zu keinem Erfolg führt.
Versteht mich nicht falsch, aber wir gehen völlig unverantwortlich mit nur zwei AVs in die Saison...dann fällt einer von beiden aus (womit man einfach rechnen MUSS) und wir fallen recht schnell auf die Schnauze (zum Beispiel, in dem ein Sebastian Prödl gegen den HSV plötzlich auf den Außen spielen muss). In der Winterpause besteht dann die Möglichkeit, einen Ersatz zu verpflichten und an DIESER Stelle muss man dann halt einfach auch mal ein bisschen Geld in die Hand nehmen, um einen sinnvollen Transfer zu tätigen. Das ist nicht schön und das können wir uns auch nicht oft leisten, aber genausowenig können wir es uns erlauben, einen dringenden Bedarf einfach zu ignorieren.
Für sie Verpflichtugn eines Aymen Abdennour habe ich nur solange Verständnis, wie man ihn langsam an die Mannschaft heranführen kann, ggf. erstmal in der U23. Aber einen unerfahrenen tunesischen Spieler zu verpflichten und ihn dann gegen Frankfurt und Bayern ins kalte Wasser zu werfen, das ist unverantwortlich.
Bei aller Liebe, wir haben 5x nacheinander in der CL gespielt, letztes Jahr sind wir ins Uefa-Cup-Finale eingezogen, wir haben Klose für 12 und Diego für 25 Mio verkauft und haben einen der bestdotiertesten AUsrüsterverträge der
Liga. Und von einem Verein mit dieser jüngeren Historie kann man einfach erwarten, dass bei akutem Bedarf eine Verpflichtugn getätigt wird, die über ein tunesisches U-21 Talent hinausgeht.
Und gleiches gilt für den Sturm - da ist akuter Bedarf und der wird einfach ignoriert, wobei hier gute Spieler tatsächlich einen Haufen Geld kosten, weshalb ich noch halbweg Verständnis habe.
Das Problem ist ja nicht nur, dass bei günstigen Perspektivspielern die Gefahr groß ist, dass sie nicht einschlagen, bzw. ihre Entwicklung stagniert. Sondern auf Dauer kosten die richtig viel Geld: natürlich ist es toll, dass die anfangs für nen Appel und nen Ei zu haben sind, aber in der Summe kosten die Tosics, Huseinovics, Prödls und Co's auch nicht weniger als ein gestandener Spieler. Natürlich muss man auf junge Leute setzen, aber nicht NUR! Ein Verein, wie Werder, der sich zwischenzeitlich zu den 16 besten Mannschaften Europas zählen durfte, muss da auf eine gesunde Mischung setzen und auch mal den Mut haben, in einen gestandenen Spieler zu investieren. Klar, das KANN auch schiefgehen, aber in der Regel kosten diese Spieler ja nicht umso sonst viel Geld, sondern weil sie halt guten Fußball spielen können.
Meines Erachtens haben wir uns mit unserer Transferpolitik in eine Sackgasse bewegt, haben nun einen aufgeblähten Kader, der leider zu einem großen Teil aus Spielern besteht, mit denen man nicht mehr plant. Dass die Personalkosten uns dabei auffressen kann ich irgendwie nicht glauben, bzw. frage mich, was da falsch gelaufen ist. Denn bis auf Wiese, Merte, Naldo, Pizza und Frings sehe ich keine Spieler, die ein übermäßig großes Gehalt verdienen können, und wenn, dann dies auch nur im Verhältnis mit anderen Werder Spielern. Im Ligavergleich verdienen doch selbst die genannten
Spieler keine Unsummen...
Lange Rede, kurzer Sinn, Werder muss sich entscheiden, ob man zu den Spitzen der Liga und dem Blickfeld der europäischen Elite gehören will oder nicht. Wenn man sich für ersteres entscheidet, muss man einfach in Kauf nehmen, dass ein gewisses finanzielles Risiko dazu gehört.
Ich fürchte jedoch, dass der Zug nach dieser Saison ohnehin abgefahren ist...
Ich könnte jetzt als neuen Punkt noch die Frage aufwerfen, warum unabhängig vom Ergebnis stur an der aufgerückten Viererkette mit Abseitsfalle festgehalten wird, selbst wenn ein junger Abdennour in dieser einem Arjen Robben gegenübersteht. Warum man scheinbar nicht in der Lage ist, taktisch flexibel zu agieren und stur an dem Auf-Teufel- komm-raus-nach-vorne Drang festhält, aber dann wird der post zu lang....Auf jeden Fall gibt es derzeit sehr viele Fragen,die mich beschäftigen und für die ich keine plausiblen Antworten finde...