Sag Du es mir: Woran soll ich denn glauben?
Dass es vielleicht nicht an der Sturheit bzw den Fehlern einer Person, sondern an anderen Einflüssen liegen könnte. Mehr dazu weiter unten, denn vorher möchte ich noch das zitieren:
Ich glaube, dass die Probleme der Nach-Rehhagel-Ära auch eine Folge der Rehhagel-Ära waren. Letztlich war es seinerzeit so, dass Werder sehr lange brauchte, um das geschickt eingestreute Münchener Störfeuer mit der Rehhagel-Abwerbung überwinden zu können. Andererseits zeigte sich dann auch, dass vermutlich zu lange verkrustete und eingefahrene Strukturen ein gewaltiges, schier unüberwindbares Hindernis darstellten. Meine grösste Angst ist, dass sich Werder allmählich genau wieder in einer solchen Phase befindet, wo die gelebte Kontinuität und das Nicht-Abrücken-wollen von tradierterweise wie heilige Kühe gepflegten Automatismen gleichzeitig eine schmale Gratwanderung ist.
DAS glaube ich wiederum nicht, zumindest nicht aus rein sportlicher Sicht. Rehhagel hatte damals eine völlig überaltere, satte Mannschaft zurückgelassen, mit der er in seinen letzten drei-vier Jahren trotzdem nochmal Europapokalsieger, Meister und Vizemeister wurde (und zwischendurch komischerweise Achter). Ich bin jetzt zu faul, nachzuschlagen, aber ich meine mal gesehen zu haben, dass ein Großteil der Meistermannschaft von 88 auch 93 noch den Titel mitgeholt hat. Im Kader unter KATS ist hingegen ständig Fluktuation. Nun ist mittlerweile niemand mehr aus der Meistermannschaft von vor 5 1/2 Jahren dabei (ok Boro, der war ein Jahr weg). Da ist ein ganz anderes Team auf dem Platz, da können sich eigentlich gar keine Strukturen verkrustet haben oder ähnliches, weil immer wieder neue Leute gekommen sind. Und am Beispiel anderer Vereine sieht man ganz deutlich, dass ständige Fluktuation auf dem Trainerstuhl auch nur bedingt langfristigen Erfolg bringt.
Zu dem, was ich oben geschrieben habe:
Ich denke, wir haben in dieser Saison das große Problem im Mittelfeld. Wenn man sich mal die Aufstellung gegen FRA und Bayern ansieht: Frings, Özil, Hunt, Borowski. Aufgrund der Formkrise von Boro muss man doch die Frage stellen, wer von denen denn bitte vernünftig taktisch defensiv agieren soll ausser Frings? Das haben Özil und Hunt nämlich auch nicht getan, als wir die tolle Hinrunde gespielt haben und u.a. Freiburg mit 6:0 besiegten. Da scheint ein Barfrede mit Frings zusammen das defensiv ganz toll gemacht zu haben, genau so wie Du es sehen möchtest. Ich will aber nicht den Ausfall eines jungen Spielers wie Bargfrede als Hauptgrund dafür nehmen, dass das jetzt alles plötzlich nicht mehr funktioniert. Nur wie gesagt: Wer soll denn im Moment für die defensive Ordnung im Mittelfeld sorgen? Ein Boro kann es nicht, ein Frings kann es scheinbar nicht alleine. Das ist aber das, was ich oben meinte: Wir haben 03/04 eine perfekte Saison gespielt, ohne große Verletzungssorgen. Es lief einfach alles perfekt. Vielleicht hat das auch ein bißchen die Probleme der Unkonstanz verschleiert, die wir die Jahre zuvor ja auch immer hatten. Und vielleicht hat es die Tatsache bestätigt, dass eine Mannschaft wie Werder Bremen scheinbar nunmal solche Umstände braucht, um konstant erfolgreich zu spielen und Titel zu holen. Unter gleichen Umständen wie 03/04 sind übrigens auch Stuttgart und WOB Meister geworden und führt LEV jetzt die Tabelle an: Keine Dreifachbelastung (WOB im Meisterjahr seit Februar nicht mehr, und da ging die Serie los), kein Verletzungspech (aktuell bei Bayer vielleicht schon, aber der starke aber auch teure Kader kann das ausgleichen), keine oder kaum Formkrisen einzelner Spieler.
Wir haben ständig Veränderungen in unserer Mannschaft, und Spieler, die uns sicherlich noch mehr weiterhelfen könnten wie Jensen sind zu oft verletzt. Wir haben da ein ganz junges, unerfahrenes Mittelfeld (ok Hunt ist nicht unerfahren, aber hat sich auch erst grade aus seiner Krise gespielt). Özil muss mit seiner Rolle noch klarkommen. Spiele entscheiden wie Diego konnte er, als er gut drauf war. Im Moment ist er nur Mitläufer und kann kaum spielentscheidene Aktionen setzen. Unser Sturm besteht schon fast die ganze Saison aus einem Marin, der eigentlich eher immer gerne auf die Flügel ausweicht bzw. sich zur Grundlinie durchdribbelt, was dann aber dazu führt, dass nur ein Stürmer im Strafraum anspielbar ist, weil Marin ja der zweite ist und sich nicht im Strafraum befindet oder sich dort bereits festgedribbelt hat. Ein Mertesacker ist momentan auch nicht wirklich in Form, und es hilft ihm da nicht wirklich weiter, wenn das Mittelfeld wie beschrieben die Defensive vernachlässigt. Wir haben im Moment viele kleine Baustellen, die wir in großen Teilen der Hinrunde scheinbar gut ausblenden konnten bzw. einige Formkrisen noch nicht da waren, die jetzt nicht vom gesamten Team aufgefangen werden. Komischerweise spielt Fritz sich seit mehreren Spielen akkurat aus seiner Krise raus, kann der Mannschaft aber dadurch auch nicht allein die nötigen Impulse geben. Vielleicht sollte man auch mal bedenken, dass ein TS auch hierfür verantwortlich sein könnte, genauso wie Hunt sich zu Saisonbeginn aus seiner Krise befreien konnte. Sicherlich sind das alles viele Kleinigkeiten, für die selbstverständlich auch der Trainer mitverantwortlich ist. Hunt und Fritz scheint er gut erledigt zu haben. Ob der Rest unter einem anderen Cheffe besser aussehen würde, mag nur die Glaskugel sagen.
Und diese Kugel hätte der Bremer an sich sicherlich liebend gerne, denn er ist ja irgendwie ein gebranntmarktes Kind: In Sachen Trainer kennen wir irgendwie nur die Extreme. 14 Jahre Rehhagel folgten vier Trainer in vier Jahren und einmal der Fast-Abstieg. Danach wieder eine neue Ära TS, die dann begonnen hat und jetzt bald zeitlich gesehen die Rehhagel einholt. Die Angst ist natürlich immens groß, dass es nach TS wieder so losgehen könnte wie unter de Mos, Dörner, Sidka, Magath. Aber ich denke, natürlich würde es auch bei uns nicht nur schwarz/weiß geben, sondern sicherlich auch mal grau. Nur wenn ich mir ansehe, wie das so bei anderen Vereinen läuft, kann ich mir ganz ehrlich die Frage nicht beantworten, was ich denn lieber bei uns sehen würde. Eine Trainerära wie TS gibt es seit dem Abgang von Finke in Freiburg wohl nirgendwo mehr. Die Sache ist halt nur: Ist es woanders besser? Da wurde ja auch schonmal drüber diskutiert. Klar, Stellingen, Schalke, Dortmund, LEV tauschen gefühlt alle zwei Jahre den Trainer und stehen mit ihren ständigen Trainerwechseln derzeit sportlich vor uns, das vielleicht sogar seit mehr als einem Jahr. Und sicherlich ist es dann absolut frustrierend, wenn wir selbst aufgrund scheinbar vermeidbarer Fehler diesen sportlichen Unterschied sogar noch zu unseren Ungunsten vergrößern. Nur fehlt diesen Vereinen das, was uns in den Jahren 04-08 ausgezeichnet hat, nämlich der konstante Erfolg, rein was die Saisonziele angeht. Drei Titel und 5mal CL in Folge hat
keiner dieser Vereine bisher vorzuweisen. Klar, sie sind auf dem Weg dahin, aber mal ganz ehrlich: Dass andere Vereine sich den sportlichen Erfolg erkaufen (und das ist bei diesen Mannschaften bis auf Dortmund wohl der Fall), da können wir auch nichts ändern. Wir können nur stetig hoffen, dass unsere Fehler abgestellt werden, dass der sportliche Erfolg wieder einkehrt, und dass TS das bewirken kann, hat er schon mehrfach auch nach 2004 gezeigt. Ich weiß nicht, ob es sinnvoll wäre für Werder, von TS auf eine "graue" Lösung zu wechseln und alle paar Jahre mal den Trainer zu tauschen. Denn wie gesagt: Die angesprochenen Vereine stehen vielleicht derzeit vor uns, wie es in zwei, drei Jahre sein wird, kann kein Mensch sagen. Vereine wie Stuttgart, WOB, LEV werden vielleicht Meister, die ersten beiden genannten sind danach aber ganz schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Und da wurde jetzt bei WOB ganz aktuell der Veh gefeuert, der hier von einigen Usern als potentieller TS Nachfolger gehandelt wurde, wenn mich nicht alles täuscht. Und ob ein Skibbe mit FRA sich weiter oben festsetzen kann, bleibt ebenso abzuwarten. Wenn er es tut, dann sicher nicht, weil Skibbe nur gegen uns und TS irgendwas richtig macht, sondern, weil er allgemein irgendwas richtiger macht als die anderen Konkurrenten.
So ein "Modell Schaaf" gibts wohl nur noch bei Leuten wie Sir Alex, solche Leute werden wir wohl aber nicht kriegen. Und dass der ganz anders einkaufen kann als KATS, sollte auch jedem klar sein, deswegen kann man das mMn auch nicht vergleichen.
Was für Werder am besten ist, weiß kein Mensch. Wenn es jemand wüsste, sollte er ganz schnell Vereinschef werden. Rein vom Gefühl her gefällt mir aber die Lösung einer Ära Schaaf immer noch besser, als in den nächsten 10 Jahren drei bis vier Trainer durchzuwechseln.
Ich hoffe, ich konnte das einigermaßen verständlich rüberbringen. Sorry, wurde beim Schreiben hier mehrfach unterbrochen, ich hoffe ich habe nicht zu doll den Faden zwischendurch verloren.