@Bootsmann: Häh? Wieso kann ich einen Spieler denn nicht "gerne mögen"? Okay, ich glaube, ich weiß, was du meinst. Du denkst wahrscheinlich, dass ich jemand bin, dem das Ergebnis völlig egal ist und für den die Spieler Popstars à la Sommermärchen/Poldi/Schweini sind? Und dass ich mir einbilde, die Spieler ganz genau zu kennen?
Ne, keine Sorge, das tu ich nicht. Ich fieber mit der Mannschaft mit und will dass sie gewinnt. Weder kenn ich die Spieler persönlich, noch glaube ich dies zu tun. Aber trotzdem ist es doch ganz normal, dass man auch für Personen des öffentlichen Lebens Sympathien und Antisympathien hat. Und das entsteht doch völlig unbewusst.
Zuerst einmal sieht man doch das Fußballspiel, wird auf einen Spieler aufmerksam, weil er gerade ein besonders gutes Spiel macht, weil er ganz ohne Fouls auskommt und trotzdem super verteidigt oder auch auf einen, der sehr aggressiv spielt, Tätlichkeiten begeht, jemanden, der Schwalben macht. Dann gibt es das Bild, das dir durch die Medien vermittelt wird. Interviews, Berichte,...vielleicht willst du nicht alles glauben, willst gar nicht alles wissen, aber manchmal kannst du gar nichts dagegen tun.
Und dann kann es natürlich auch noch sein, dass du mal mit einem der Spieler sprichst, ein Autogramm bekommst,...und natürlich beeinflusst dich das, ob sich jemand die Zeit für seine Fans nimmt oder sagt er kann dir kein Autogramm geben, weil er in der einen Hand was trägt oder so. Dann sagt man: was für ein arroganter Spieler. Mir ist klar, dass es nicht heißt, dass jemand ein netter Mensch ist, weil er ein Autogramm schreibt oder so. Natürlich ist das vielleicht erstmal nur die Entscheidung, wie man sich in der Öffentlichkeit präsentieren will. Aber diese Entscheidung trifft ein Spieler ja immer noch selbst.
Und zu guter Letzt meine ich damit noch etwas ganz anderes und das ist mir eigentlich das Entscheidende. Hinter jedem Spieler steckt ein Mensch mit Gefühlen. Ich sehe in ihm nicht ein Objekt, das Fußball spielt und einen gewissen Marktwert hat. Ich sehe einen Menschen, der Fußball spielt und Ziele hat. Der immer versucht sein Bestes zu geben (ich sage extra versucht, nicht, dass er es immer tut, denn man gar nicht immer sein Bestes geben). Ich sehe einen Spieler, der sich freuen kann und leiden kann. Ich war dabei als ein gewisser Hamburger Spieler nach einem Länderspiel von den eigenen Fans übelst beleidigt wurde (es waren keine Bremer). Und ich habe gesehen, wie sehr ihn das getroffen hat (auch wenn ich ihn nicht persönlich kenne, das merkt man trotzdem). Und das war eigentlich der Grund, warum ich geschrieben habe, dass ich gegen Hamburg lieber nicht in die Ostkurve möchte. Weil ich nicht weiß, was ich mache, falls alle um mich rum anfangen, einen einzelnen Spieler zu beleidigen. Kann sein, dass mich das in dem Moment gar nicht stört, weil ich so von dem Spiel gefangen bin. Kann aber auch sein, dass ich anfange mit irgendeinem Bremer darüber zu diskutieren, dass er das lassen soll. Und ich weiß nicht, was das dann für Konsequenzen für mich hat. Also bleibe ich einfach gleich in Spielen, in denen so etwas vorhersehbar ist, der Ostkurve fern.
Ich bin zwar genauso wie Gemma kein eingefleischter Fan, der schon seit 10-20 Jahren in der Ostkurve steht, aber eigentlich wird ja niemand als Fan einer Mannschaft geboren. So etwas muss sich ja erstmal entwickeln. Und seit ich das erste Mal in der Ostkurve stand, entwickelt sich da was. Nicht, weil da der [Ironie an] *quietsch* supersüße sexy Fritz [Ironie aus] übers Feld läuft, sondern weil ich die Stimmung super fand. Weil es eben nicht darum ging, den Gegner fertig zu machen, sondern weil die eigene Mannschaft 90 min. lang angefeuert wurde und es ein Gänsehaut-Gefühl war, als das ganze Stadion "Lebenslang grün-weiß" gesungen hat. Hier könnten wir natürlich die Diskussion "Was ist ein richtiger Fan?" anschließen, aber ich denke, da hat jeder seine ganz eigene Vorstellung drüber und ich glaube nicht, dass man das so generell sagen kann.
Ja, und ich mag Spieler gerne, auch wenn ich sie nicht persönlich kenne. Die Spieler formen eine Mannschaft. Das heißt aber nicht, dass ich den Verein nicht mehr mag, wenn mein Lieblingsspieler wechselt. Eine Mannschaft besteht ja nicht aus einem Spieler.
Als Robert Enke gestorben ist, habe ich nicht geweint, weil Deutschland einen sehr guten Torwart verloren hat. Ich habe geweint, weil ich ihn sehr gerne hatte. Obwohl ich ihn nicht persönlich kannte. Ich habe geweint, weil da ein Mensch war, dem es so schlecht ging, dass er nicht mehr weiter wusste und der gelitten hat. Ich habe geweint, weil ich an die Menschen gedacht habe, die ihn wirklich kannten und geliebt haben. Ich war selbst überrascht, wie sehr mich sein Tod getroffen hat. Aber das ist einer der Gründe, warum ich mit voller Überzeugung sagen kann: Ja, man kann Spieler mögen, auch wenn man sie nicht persönlich kennt!
Ich hoffe, du kannst ein klein wenig verstehen, was ich damit meine. Vielleicht sieht man sich ja irgendwann mal in der Ostkurve. Ich freu mich jedenfalls schon auf meinen nächsten Stadionbesuch - und zwar nicht, weil ich die Spieler so gerne mag und sehen will (dann kann ich mich auch vorn Fernseher setzen oder zum Training gehen), sondern weil im Stadion einfach eine ganz gewisse Atmosphäre herrscht. Schwer in Worte zu fassen, aber ich denke, du weißt, was ich meine, ich glaube, dass weiß jeder richtige Fußballfan, was einen Stadionbesuch zu so etwas Besonderem macht.
