Tschuldigung, Leute, dass ich im allgemeinen Freudentaumel noch mal dazwischenfunke....
@Kastemato
Das ist erst mal meine Erklärung - ohne das zu unterstellen, was Du mir unterstellst.

Wobei ich zugeben muss, dass ich selbst und andere seit Jahren nach einer möglichen Wahrheit dafür suchen, wir aber immer noch nicht wissen, wie nahe dies nun an der Realität ist.
Davon abgesehen kann ich Dir in (fast) allen Punkten zustimmen. Möglicherweise hast Du auch Recht, dass er den Spielern grundsätzlich eine andere Vorgehensweise vermitteln will, nur bleibt dann die Frage, warum er`s so oft gegen bestimmte Gegner und gegen gewisse Trainerphilosophien ganz einfach nicht schafft. Das muss bei einem (nun sicherlich sogar besser bezahlten) Bundesligatrainer hinterfragt werden dürfen. Ich habe ihm deshalb - ganz bewußt - auch keine Betriebsblindheit oder Dummheit unterstellt, sondern halte es eher für menschliche Züge, irgendwann immer zu den Wurzeln zurückzukehren und dann wieder das zu favorisieren, was ich für richtig halte. Das wissen Du und ich doch ganz genau, dass jeder manchmal Dinge tut, obwohl er weiss, dass das evtl. nicht den vollen Erfolg garantieren
könnte, er es aber aus vollster Überzeugung tut. Das hat auch nichts mit einem "bockigen Kind" zu tun. So hat ja
jeder Coach schliesslich auch seine eigene Philosophie und Handschrift, die er in den meisten Fällen beibehält, mit dem Unterschied zu Schaaf und Werder, dass sich das Abnutzen dessen in Wechseln zu anderen Vereinen zeigt (wo es dann wieder neu ist). Ich glaube deshalb im Umkehrschluß, dass
a) entweder eine sehr hohe Flexibilität des Trainers selbst dazu gehört, so lange in einem Verein zu bleiben, was sehr selten sein dürfte,
oder
b) der Verein schlicht und ergreifend die Kontinuität in der sportlichen Leitung inklusive der Trainerfrage als beste Alternative wähnt und daher offensichtliche Dinge auch mal (bewußt) verdrängt werden im Interesse des Beibehaltens seriöser, perspektivischer Planung.
Ich denke, dass Werder insbesondere b) als einzige Wahrheit erachtet, weil die Erfahrungen der Vergangenheit eine grosse Lehre sind. Was auch in dieser Vertragsverlängerung von gestern abend deutlich und demonstrativ gezeigt wurde.
Denn letztlich ist die Abkehr von diesem Weg zweimal gewaltig schief gegangen - 1.) irgendwann in den Siebzigern, als mit grossem finanziellem Aufwand ein Traumteam aufgebaut werden sollte, was später im Abstieg mündete und 2.) in der Nach-Rehagel-Ära von 95-99, wo am Ende der Abstieg gerade noch vermieden werden konnte.
Vergleichsweise dazu ist die Zeit der sportlichen Kontinuität ein Wahnsinns-Erfolg - 3.) unter Rehagel/Lemke von 1981-95 mit sofortigem Wiederaufstieg, zwei Meisterschaften, zwei Pokalsiegen und ein EC-Sieg und 4.) unter KATS seit 1999 mit drei Pokalsiegen und einer Meisterschaft.
Meinen Eindrücken nach hat 1.) bis 4.) den Verein Werder Bremen derart geprägt, dass das auch künftig sämtliche Entscheidungen noch beeinflussen wird.
Nichtsdestotrotz ärgere ich mich immer noch über die Spiele der letzten Wochen. Es ist mir in dem Zusammenhang auch zu platt, dies schlicht mit "ein Fehler Schaafs, dass er dem nicht Einhalt gebieten kann" zu begründen, denn das kann vielleicht zwei/dreimal als Ursache herhalten, aber nach dem zigten Mal wirkt es schon sehr, sehr seltsam, meinst Du nicht? Zumal, wie Du ja selbst erkannt hast, auch die Spieler zunehmend gefrustet sind, wenn sie den Schlüssel gegen solche Gegner nicht finden. Na klar hast Du recht - und unterstützt damit letztlich meine Erkenntnisse - dass dies einfach nicht von vornherein an mangelnder Lauf- und Kampfbereitschaft usw. liegen kann, sondern dass das lediglich irgendwann im Spielverlauf nur eine logische Folge von Enttäuschung und Ratlosigkeit ist. Und genau an dieser Stelle vermisse ich in solchen Spielen klipp und klar das Einschreiten des Trainerstabes - ohne Wenn und Aber.
Was allerdings durch b) ein Stück weit einkalkuliert scheint und wiederrum für uns Fans bedeutet, sich damit abzufinden. Andererseits ist Werder damit auch immer gut gefahren. Aber der Ärger bleibt selbst im Wissen, dass dies irgendwann wieder Erfolge zeitigen könnte, zumindest bei mir bestehen.
Das darf mMn trotz aller Vertragsverlängerungs-Freuden erwähnt werden.
