Imo blieb bisher unerwähnt, daß sich durch die (jahrzehnte)lange spielerische Misere und Erfolglosigkeit der Hertha eine massenhafte Hinwendung an den Basketball (Alba), das Eishockey (Eisbären) und neuerdings auch den Handball ergeben hat. Speziell die beiden Erstgenannten stehen für nationale Spitzenteams, die eben auch öfter mal (wenn nicht sogar regelmäßig) um die Meisterschaft mitspielen. Zählt man an einem Wochenende deren Zuschauerzahlen zusammen, übertreffen sie zumeist die der Hertha. Daraus könnte man folgern, daß es in Berlin eben nicht mehr unbedigt der Fall ist, daß der Vater seinen Steppke irgendwann mal mit zur Hertha nimmt und dieser dann seine Liebe zu den Blau Weißen entdeckt; in bester Uwemoyela Manier kann es theoretisch auch der Basketball sein, obwohl wir ja seit Otto R. wissen, daß man Körpergröße nicht trainieren kann.
Vielleicht ist das auch einer der Gründe, weshalb die Hertha eben nicht vom Zuschauerboom der letzten Jahre profitieren konnte, obwohl sie mittlerweile ein wohlsaniertes und auch sehr schönes Stadion haben.
Ansonsten kann ich als Berliner nicht unbedingt den einen Grund erkennen bzw. nennen, weshalb es mit derr Hertha nicht klappt. Strukturschwache Gebiete gibt es auch anderswo, dort sind die Stadien trotzdem öfter ausverkauft. Mangelnde Fanbindung im Umland ist imo auch nicht das große Problem, da Hertha speziell nach dem Fall der Mauer dort sehr engagiert war und sich div. Fanclubs gründeten. Am ehesten könnte man vielleicht die vorlaute Berliner Lokalpresse anführen, die in diversen Mesalliancen mit charakterschwachen Vorständen bei gleichzeitig völlig überzogenen Erwartungshaltungen einen kontinuierlichen Aufbau und das Festhalten an einem Trainer verunmöglicht(e). Aus letzterem Grund wäre auch gar nicht die Frage ob sondern eher wann Hans Meyer engagiert wird, um den Kahn wieder flott zu machen.

Kann ich mich nur anschließen.
Ansatzweise wurde es schon erwähnt. Berlin ist keine Stadt, wo alle hinter Hertha stehen. Die Konkurrenz wurde schon erwähnt. Im Osten wird man nach meinem Eindruck eher hinter Union oder sogar Rostock stehen. Und wer füe einen der Konkurrenten ist, wird nicht für oder sogar gegen Hertha sein.
Dazu die Konkurrenz anderer Sportarten, in fast jeder gibt es einen Verein, der nationale Spitze ist oder zumindest erste Liga spielt. Basketball, Eishockey, Handball wurden schon erwähnt, aber auch Randsportarten wie Volleyball, Tischtennis, Volleyball.
Ein weiteres Phänomen ist die Tatsache, dass es in Berlin sehr viele Zugezogene gibt. Auch das führt dazu, dass Herthafans eine Minderheit darstellen (ein Beispiel meine Stammlneipe, wo es neben drei, vier Herthafans noch Werderfans, Mainzfans, Stuttgartfans in ähnlicher Zahl gibt. Und viele der Nicht-Herthafans sind ausgesprichene Hertha-Hasser. Wenn ich in Bremen unterwegs bin ist das was ganz anderes, überall Werderaufkleber auf den Autos, kleine Fähnchen usw. Und wahrscheinlich kaum eine Fernsehkneipe, die nicht Werder zeigt.
Sportlich glaube ich, dass Hertha seit dem Aufstieg 97 seinen Platz nicht gefunden, sich nirgends wiklich etabliert hat.
Meiner Meinung nach war man nach dem Aufstieg auf einem guten Weg, als sich eine junge und m.E. auch sympathische Mannschaft aus Hertha-Bubis, No-Names und einigen Ergänzungen nach einem Abstiegskampf, der viele Berliner mit Hertha verknpüfte, in der Bundesliga etablierte. Um 2ooo rum dann eine Qualifikation für die CL.
Allerdings war da bereits zu erkennen, dass eine gewisse Großmannssucht EInzug hielt. Die guten Spieler einer Saison wurden oft durch (manchmal nur scheinbar) besser neue Spieler ersetzt, die einen größeren Namen hatten.
Wenn ich mich recht erinnere, war das auch eine Zeit, in der Hertha durch alte Verträge (durch die sie sich ein paar Jahre vorher wirtschaftlich gerettet hatten) gezwungen war, einen großen Teil der Einnahmen abzutreten an den Vermarkter.
Trotzdem hat man irgendwann angefangen, immer mehr Geld auszugeben ohne dass die Mannschaft wirklich besser wurde.
Teilweise wurden einfach Namen eingekauft:
- Die 15 Millionen DM für Alex Alves fehlten später an allen Ecken und Enden. In Berlin interessierte man sich aber eher für die Farbe seiner Schuhe oder dass er wieder malmit 100+X durch die Innenatadt gebraust war.
Falko Götz gelang es während seiner Amstzeit, ihn zu fürdern, aber er war nach der Saison wieder weg, weil glaub ich Stevens schon verpflichtet worden war, der wiederum nix mit ihm anfangen konnte.
- 2002 holte man einen richtigen "Weltmeister" aber Luizao hatte kaum bei der WM gespielt und entpuppte sich als Halbinvalide, der wenns hoch kommt, 10 Spiele gemacht hat.
- Wie in diesem Fall hatte Hertha ein gutes Auge für teure Spieler, die ihren 'Zenit bereits überschritten hatten und/oder bei Hertha nicht mehr an die Leistungen anknpüfen konnten, die sie vorher gezeigt hatten: Bespiele Beinlich, Wosz, Helmer, Bastürk, Ilhan Mansiz, Niko Kovac zum zweiten. Wichniarek zum ersten, aber so wies aussieht auch zum zweiten.
- In einigen Fällen wurde das Potential nicht erkannt und Spieler wieder abgegeben, ohne dass sie eine Chance bekommen hatten oder obwohl sie eigentlich nicht schlecht gespielt hatten: Eklatant bei Tremmel, der immer gut spielte, dem aber, m.E. wider besseres Wissen, ein alternder und nachlassender Fiedler vor die Nase gesetzt wurde.
Auch Madlung oder Chahed, der glaube ich bei Hannover wieder ganz gut spielt.
Nicht dass das Weltklassespieler wären, aber was ihnen vorgezogen wurde halt erst recht nicht.
- Talentierte Spieler aus dem eigenen Nachwuchs fanden sehr selten den Weg in die Lzenzspielermannschaft. Da scheint es im Verein
a) an Verknüpfung der Nachwuchsabteilung mit der Profiabteilung zu fehlen
b) wurde beim Hertja Nachwuchs wohl weniger auf den Charakter und die persönliche Entwicklung geachtet, sondern auf das fußballerische Potential, sodass es in vielen Fällen zu Problemen kam, sodass die Spieler den Verein verließen.
Auch die Integartion von Spielern mit Migrationshintergrund gelang immer wieder sehr schlecht, sodass Spieler wie die Boatengs. Chahed oder Dejagah, die eine Identifikation mit dem zeitgenössischen Berlin hätten bilden können und ja auch gut sind, erst demontiert wurden und jetzt woanders sind.
- Überhaupt war und ist ein großes Problem, dass es Hertha nie gelang und wohl auch ein zu geringes Interesse bestand, Spieler über den Fußball hinaus zu integrieren. Das betrifft sowohl die Leute aus dem Nachwuchs, als auch Neueinkäufe, bei denen man sich nur dafür interessierte, wie sie Samstag spielten.
Von Marcelinho ist bekannt, dass er ziemlich abgekapselt war und ähnlich wie Alves keine Integration durch den Verein stattfand. Man wunderte sich dann nur immer Montags, wenn in der BZ über ausschweifende Parties oder zu schnelles Fahren zu lesen war.
- Aufgrund der finanziellen Engpässe und sportlicher Stagnation mussten in der jüngeren Vergangenheit Spieler abgegeben werden, die gut waren, aber nicht gehalten werden konnten: Gilberto Silva, Simunic, Woronin, Pantelic.
- 2001 hat sich, wie ich mal gelesen habe, Hertha immerhin um Werder Bremen verdient gemacht, denn man nahm Abstand von einer Verprlichtung von Johan Micoud, um die Position von Marcelinho nicht anzutasten.
Dabei wäre genau das wahrscheinlich richtig gewesen, denn in der Folge war zu sehen, dass Marcelinho zwar der überragende Herthaner war, aber immer mehr auch das einzige Konzept von Hertha auf dem Platz. Das Spiel war völlig abhämgig von der Form und wahrscheinlich auch der Laune Marcelinhos.
In der Trainerfrage hatte Hertha auch keine glückliche Hand, manchmal aber auch Pech.
- Röber musste aus keinem bestimmten Grund gehen, außer dass er sich vielleicht etwas verbraucht zu haben schien. Wahrscheinlich war es aber auch so, dass die Granden des und im Umfeld des Vereins was Glamouröseres sehen wollten.
Götz bei seiner ersten Amtszeit musste gehen, obwohl die Hertha in der Halbserie guten und erfolgreichen Fußball spielte und es Götz sogar gelang, Alves zu einem wertvollen Spieler zu machen, weil Hertha bereits Stevens verpflichtet hatte.
Unter diesem lief es schlecht und er musste bald gehen. Wobei sich die Frage stellt, warum Stevens hier keinen Erfolg hatte, aber bei Schalke und beim HSV schon. Das ist sicher zum Teil eine Frage von Glück und Pech.
Meiner Vermutung nach aber auch von Geduld, denn wie Favre ist Stevens ein System-Trainer, zu dem man vielleicht auch mal stehen muss, wenns ne Zeitlang superschlecht läuft.
Nach Meyer kam wieder Falko Götz, bei dem der alte Glanz aber etwas ab war. Dennoch war es eine relativ erfolgreiche Zeit mit guten Platzierungen.
Die Entlassung war eine branchenübliche.
Dennoch könnte dabei eine Rolle gespielt haben, dass alle Trainer, die bei Hertha seit dem Aufstieg amtiert haben, wenn sie Erfolg hatten, eine übermäßige Erwartungshaltung herbeigeführt haben, die ihnen am Ende den Kopf gekostet hat.
Denn das Umfeld in Berlin ist offensichtlich sehr schwierig. Geringe Erwartungen sind kaum zu vermitteln. Wenn man hohe Erwartungen hat, steht man unter genauso hohem Erfolgsdruck, der wiederum dazu führt, dass keine Kontinuität einkehrt. Wäre Schaaf seit 99 Trainer in Berlin gewesen mit der gleichen Bilanz, die er in Bremen hatte, wäre er nach meiner Ünerzeugung mindestens zwei bis dreimal entlassen worden oder sein Vertrag nicht verlängert worden.
Auch Funkel wird das, ändert sich das nicht grundsätzlich, zu spüren bekommen. Rettet er Hertha noch oder schafft den direkten Wiederaufstieg, kann man die Uhr stellen, wenn die Stimmen aufkommen, die wieder nach höherem streben und, stellt sich das nicht schnell ein, den Trainer infrage stellen. Aber das ist Funkel aus Frankfurt ja gewöhnt.
Ein Teufelskreis.
Die verschiedenen Trainer haben meiner Meinung nach die missliche Situation am wenigsten zu verantworten. Entweder scheiterten sie, weil ihnen keine Zeit gelassen wurde, ihre Konzepte, ihre Philosophe und ihr System umzusetzen, oder weil sie Erfolg hatten, dieses ihnen aber in Zeiten nachlassenden Erfolgs zum Verhängnis wurde. Oder beides (Favre)
Meiner Meinung nach hat es der Verein nie richtig hinbekommen
a) eine langfristige Ausrichtung zu planen
b) sie vor allem vereinsintern und in der Öffentlichkeit durchzusetzen.
d) die dazu notwendigen Schritte zu unternehmen
- wie die Integration und Förderung des Nachwuchses in die Bundesligamannschaft.
- die Integration von ausländischen Neuverpflichtungen
- das Festhalten an hoffnunsvollen und talentierten Spielern
- das Festhalten an langfristig arbeitenden oder erfolgreichen Trainern auch in Zeiten des Misserfolgs.
Damit hat es auch zu tun, dass Hertha keine wirklich funktionierende Fan- bzw. Sympathisantenbasis hat. Es zeigt sich immer wieder, dass das Potantial da wäre, etwas, als Hertha zuletzt um die Meisterschaft zu spielen schien oder letztes Wochende, als nach dem ersten Sieg nach langer Zeit ca. 50.000 zum wichtigen Spiel gegen Köln kamen. Die Komunikation geht verhängnisvollerweise über die Boulevardpresse. Dadurch ist das Stadion zwar immer mal wieder voll, wenn Hertha erfolgreich ist. Aber wenn das nicht der Fall ist und die Ansprüche nicht erfüllt werden, ist die Begeisterung genauso schnell wieder vorbei, wie sie gekommen ist
In erster Linie müssen an dieser Stelle die Personen in der Verantwortung stehen, die in Präsidum und Aufsichstrat Verantwortung hatten und haben. Aber zu oft haben diese sich in Grabenkämpfen aufgerieben, sodass auch hier keine Kontinuität einkehren konnte. Die Folge war, dass es Dieter Hoeness war, der dieses Vakuum fast zwangsläufg und innerhalb dieser Vorgänge sicher auch zum Wohl des Vereins nutzte.
Die Folge war aber auch, dass Dieter Hoeness dadurch immer mehr zum einzigen Bestimmer bei Hertha wurde und es niemanden gab, der die Dinge kontinuierlich kontrollierte, etwa Hoeness´ Hang zum Geldausgeben im Vorgriff auf eine erfolgreiche Zukunft.
Die Folge war, dass Hertha trotz einer erfolgreichen Saison und immerhin der Qualifikation für die Europaliga statt Spieler zu kaufen drei seiner besten Spieler abgeben musste (unabhängig davon, dass sich Pantelic nicht mit Favre verstand) und nur das verpflichtete, was der Grabbeltisch mit den Restposten hergab.
Im Moment erntet Hertha daher die Früchte seiner Versämnisse und Fehler der letzten gut zehn Jahre und Trainer und Manager stehen dem mehr oder weniger machtlos gegenüber und können nix weiter machen als auf ein Wunder hoffen.
MFG dkbs