Verfassungsrechtlich verbriefte Staaatsbürgerpflichten kann man durchaus als Normalität auffassen. Die Vorteile, die das Grundgesetz jedem einzelnen sichert, werden ja schließlich auch nicht als fragwürdig deklariert. Komische Einstellung.
Ich habe absolut gar nichts gegen das Grundgesetz gesagt. Wenn ich das GG grundsätzlich gut finde, darf ich deiner Meinung nach also nichts gegen einzelne Artikel sagen, die mir wiederum nicht passen?
Aber Staatsbürgerpflichten sind in diesem Fall so eine Sache. Für eine Staatsbürgerpflicht ist der Wehrdienst überhaupt nicht konsequent genug. Es werden längst nicht alle eingezogen, manche haben Glück und kommen durch.
Hinzu kommt, dass die Wehrpflicht als solche heute nicht mehr gebraucht wird. Kann denn eine Bürgerpflicht überflüssig sein?
Anstelle sich darauf zu verlassen, als was es formal festgeschrieben ist, sollte man viel lieber schauen, ob man diese Pflicht überhaupt benötigt. Tut man nicht.
Das war etwas abschweißend, zugegeben.
Ist Zivildienst für dich denn keine Bürgerpflicht? Die Tatsache ist doch: Wehrpflicht wird vorrausgesetzt. Von der aus kann ich verweigern, muss dabei aber noch ein Mindestmaß an Textlänge einhalten. Und das für eine Gewissensentscheidung? Politische Entscheidungen werden nichtmal akzeptiert. Gibt sogar Fälle, in denen Leute permanent umworben werden, auch wenn sie verweigern wollen. (Hatten sowas bei uns in der Gegend. Die wollten einen gebürtigen Afghanen unbedingt, den dann auch direkt verpflichten, damit der in Afghanistan dolmetschen kann. Ein "nein" wurde gar nicht akzeptiert, der musste sich da raus klagen.)
Das heißt, dass juristisch die Bundeswehr als Normalität angesehen wird, und der Zivildienst die Alternative ist. Entsprechend steht rein juristisch der Wehrdienst höher.
Frage ist: Wieso? Die Bundeswehr kann auf die Wehrdienstleistenden verzichten - was sie braucht sind ebssere Ausrüstung und mehr Geld. Der Zivildienst hingegen hat Engpässe, der Pflegeapperat ist zu schwach.
Der Zivildienst ist in dem Sinne also keine Bürgerpflicht, trotz oben angeführter Paradoxen. Normalerweise müsste ein Brief reinflattern, in dem ich ankreuze, was von beidem ich machen möchte. So können wir nicht von Bürgerpflichten sprechen, sondern einfach nur von einem Staat, der im Gestern lebt. Schau mal nach, wieviele Länder der EU die Wehrpflicht in diese Zusammenhang noch haben. Sind kaum welche.
@Stürmerbraut: Erziehung ist keine Sache des Staates. Das ist gesetzlich festgeschrieben. Schulen, Kindergärten, Jugendämter sind zwar staatliche Einrichtungen, aber zumindest auf pädagogischer Ebene unabhängig.