@dkbs
In deinem Beitrag verhält es sich letztlich genau wie bei Sopho. Du greifst mMn die selben Populär-Ansichten auf. Ohne weitestgehend die gebrachten Argumente zu berücksichtigen.
Das mag sein. Ich bin auf das eingegangen, was mir subjektiv als Hauptargument derjenigen erschien, die eine andere Meinung haben als ich und die ich als Diskussionsparter ernst nehme.
@dkbs
Es ist aber doch so, dass es ein Unterschied ist, ob ich Sieg sage, oder es in der Masse, in stakatohaftem Ton und feindselig gerichtet skandiere. Letzteres ist selbstverständlich kein irgendwie gearteter Beleg, dass díe Rufer Nazis sind.
Ist es feindselig? Irgendwie schon, diesen Eindruck hatte ich bereits früher. Allerdings im Zusammenhang ,,aus der Emotion raus" betrachtet, was sich völlig anders darstellt, als im Zusammenhang der durchdachten, gezielten Anfeindung.
Ich sehe den Unterschied, sehe ihn aber nicht unbedint als schlagend für diese Diskussion an. Denn soweit ich darüber orientiert bin, kamen die Rufe, die an die Nazi-Rufe erinnern oder auch nicht, auch von einer emotionalisierten aufgepeitschten Masse (wenn sie auch zugleich gezielt und durchdacht waren, nämlich von den Naziführern). Linienrichter Jablonski hat das Beispiel mit dem rechten ausgestreckten Arm genannt. Da verhält es sich ähnlich. Man kann auf tausend verschiedene Weisen seinen rechten Arm heben, aber wenn es auf eine bestimmte zackige Art und Weise passiert und in einem bestimmten Winkel, wird der Betreffende sich nicht wundern müssen, wenn Andere einen bestimmten Zusammenhang darstellen, auch wenn das sagen wir mal rein willkürlich die Art und Weise ist, wie die Fans vom FC Stuttgart ihren Verein anfeuern.
Aber das rigorose Abstreiten, dass es da unangenehme Verbindungen gibt, halte ich für Unsinn.
Ich auch. Nur wie viele streiten das denn in der Diskussion wirklich ab?
Weiß ich nicht. Hab zur Zeit dann doch nicht soviel Lust, da nachzuzählen. Ich erinnere mich aber schon, dass gesagt wurde, das sei vielleicht in grauer Vorzeit mal so gewesen, habe aber gar nix mit den heutigen Rufen zu tun.
Vielleicht habe ich mich auch missverständlich ausgedrückt. Nur, wenn man sagt, die Verbindungen gibt es, ist mir aber schnurz, dann find ich es eigentlich noch befremdlicher.
Und wenn gesagt wird, die Verbindungen gibt es, deshalb habe ich Probleme mit dem Ruf, dann sind wir uns einig.
Aber so sehr viele andere Sichtweisen fallen mir eigentlich nicht ein.
Es wird etwas nicht unbelastet, nur weil ich behaupte, es sei unbelastet.
Das ist unstrittig. Es macht aber in meinen Augen auch wenig Sinn, es künstlich als belastender darzustellen, als es ist. Indem ich alle über einen Kamm schere und praktisch ausdrücke, dass sie indirekt vermeintliche Propaganda unterstützen. Nur darum geht es.
Wenn ich mich recht erinnere, ging es eher darum, bestimmte Sachen zu verharmlosen oder geschichtslos zu agieren. Und speziell das zweite sehe ich weiterhin so. Dass sie Propaganda unterstützen, würde ich so nicht sagen.
Das verhält sich relativ ähnlich (wenn auch subtiler) wie mit dem Begriff "Spasti". Ich bin sicher, dass die meisten, die andere damit beschimpfen, gar nicht an Spastiker denken in dem Moment.
Aber trotzdem schwingt in dem Ruf "Spasti" implizit eine Degradierung Behinderter als Beispiel für etwas "Unwertes" mit, ob ich will oder nicht, ob ich das bestreite oder nicht.
Und deshalb würde ich diesen Begriff nicht benutzen, und auch nicht "Sieg!" skandieren.
Noch mal: ,,Spasti" bezeichnet explizit jemanden, ,,Sieg!" bezeichnet nur im erweiterten Sinne einen eventuellen Hintergrund,
Das ist der Unterschied. Das Gemeinsame ist, dass beide was rufen, wo sie den Hintergrund entweder nicht kennen oder ihn bestreiten.
Und wenn sich dieser Gesang dann erstmal augebreitet hat, dann denken die meisten wahrscheinlich wirklich nicht mehr an den historischen Hintergrund. Koppelt sich das dann von der historischen Wahrheit ab?
Ja. Weil bei dem Gesang in dem Maße, wo nicht mehr daran gedacht wird, der übergeordnete Kontext immer mehr seine ehemals beabsichtigte Wirkung verliert. Wir leben in dritter und vierter Generation nach der NS-Zeit! Wer von uns ist dafür noch verantwortlich? Das Problem ist, dass es uns immer wieder eingeredet wird. Dies
vermutlich mit eindeutigen Hintergedanken, die was ganz anderes bezwecken.....
Daran, dass Zusammenhänge mit der Zeit an Bedeutung verlieren, ist viel dran, das sehe ich auch so. Und vielleicht wird man sich, wenn sich die Sieg!-Rufe weiter etablieren, in 10 Jahren nicht mehr darüber unterhalten.
Aber: Niemand von denen, die lange nach 45 geboren wurden, ist natürlich "verantwortlich" für das, was damals geschehen ist. (Das sagen auch nur sehr wenige glaub ich). Aber viele fühlen sich schon dadurch angegriffen und angeklagt, dass das Thema überhaupt noch präsent ist.
Und da kann ich überhaupt nicht mit. a) weil es geschichtlich überhaupt nicht lange her ist (es leben noch Zeitgenossen dieser Zeit, besonders Opfer, und da kann man schlecht davon reden, das sei alles passe). b) weil gerade auch dieses Argument ebenfalls häufig mit eindeutigen Hintergedanken gebracht wird. Und c) weil es zum Glück nicht sehr viele, aber trotzdem viel zu viele Leute gibt, die uns zwingen, schon wegen ihnen da nix zu vergessen oder abzulegen. Ich erinnere nur an die Kampagne gegen Owomoyela oder Ozil. Oder an die Leute, die eben auch noch da sind (auch wenn sie teilweise zum Glück Stadionverbot haben), die eben tatsächlich diese Rufe mit eingeführt haben (auch in eindeutiger Absicht) und am liebsten an die Sieg!-Rufe noch ein Heil! anschließen würden.
MFG dkbs