Man sollte, ohne unsere Geschichte zu verhamlosen, damit aufhören die deutsche Gesellschaft nur auf die Jahre zwischen 1933 und 1945 zu reduzieren.
Dazwischen ist viel bewegt, viel verändert worden. Eine Situation, wie es sie zu der bekannten Zeit gegeben hat wird sich nicht wiederholen. Es gibt unterschiedliche Strömungen und Gefahren. Doch trotz der steigenden, beängstigenden Verdummung ist die Aufklärung und das Wissen zu stark ausgeprägt. Das is ein Glück und richtig so.
Ich wurde fast 40Jahre nach Kriegsende geboren. Ich fühle mich nicht verantworltich für die Geschehnisse jener Zeit. Und trotzdem muss ich mich bei jedem Satz oder jeder Tätigkeit verantworten.
Das fängt ja schon damit an, wenn man zum Beispiel jemanden als "der Türke" oder "der Russe" oder wie auch immer tituliert. Dann wird sofort unterstellt, dass man "rechts" ist, dass man etwas gegen Ausländer hat. Wir müssen jeden und alles mit Samthandschuhen anfassen.
Ich bestreite nicht, dass der "Sieg"-Ruf so in die Stadien gekommen ist, wie es hier beschrieben wird. Was ich sehr wohl bestreite ist, dass die Leute ihn aus diesem Grund skandieren. Natürlich ist es einschüchternt. Natürlich geht es einem da durch Mark und Bein. Sowohl auf der einen, als auch auf der anderen Seite. Aber es ist genauso ein "Schlachtruf" geworden, wie "Werder, Werder".
Man sollte wirklich davon loskommen alles und jeden zu hinterfragen. Im Übrigen auch was "Scheiß Hannover, HSV" etc. betrifft. Das ales sind Emotionen - wobei ich immer noch nich verstehe, warum man solche Lieder anstimmt, wenn gegen einen anderen Gegner gespielt wird - sind Ventile. Darum geht man doch auch ins Stadion.
Und trotzdem gehe ich danach nicht nach Hause und denk mir:"Das dritte Reich war eigentlich ganz toll" oder "Den Türken sollte man ganz schnell abschieben".
Das sind Gedankengegänge einiger, weniger, verwirrter, die - um zum Kern zurückzukommen - im Stadion nichts zu suchen haben. Zumal in allen Mannschaften Ausländer zum Einsatz kommen. Habe ich nie verstanden, wie man wider seiner Gesinnung jemanden anfeuern kann, den man eigentlich gar nicht mögen darf. Das ist genauso schizophren wie Vereins- und Nati-Fussball.
Aber da müssen sich die Personen - so sie geistig in der Lage sind - selbst hinterfragen.
Aber wo wir ja auf dem Wege hin zu einer geschichtlichen Untersuchung sind. Woher komm denn der "Hitler"-Gruß? Oder das "Heil"? sind das Erfindungen der Nazi-Epoche? Und unabhängig des Ursprungs, sollten -wie im Eingangspost beschrieben- sich die Italiener an die Spitze der Kritiker stellen?
Darf ich die Fussball-Mannschaft der anderen Partei nicht mehr als "Gegner" bezeichnen? Darf ich auf dem Fussballplatz nicht mehr von einer gewonnenen "Schlacht" sprechen?
Oder ist der Sport mit all seinen Facetten eigenständig, unpolitisch? Gut, in Italien jetzt nicht unbedingt, aber...!
Lasst doch den Sport, Sport sein. Solange es sich nur um das Rufen und Singen und Tanzen und Feiern und ja auch Demütigen handelt.
Es geht doch auch niemand hin und sagt:"oh es steht zwei-null... jetzt hören wir mal auf mit Offensiv-Fussball". Darf man eigentlich noch Offensive sagen, nach der Russland-Offensive?
Das Autobahnen und Gleisverbindungen reine Kriegsinvestitionen gewesen sind ist ja anscheinend schon hinlänglich beschrieben worden. Was ist eigentlich mit dem Olympia-Stadion in Berlin? Müsste man das nicht auch abreißen?
2006, bei der WM, haben wir doch gezeigt, dass wir weiter sind. Und auch unsere Nachbarn haben festgestellt, dass wir friedlich feiern und friedlich Fahnen schwenken können.
Nochmal, niemand will Nazis in der Kurve, oder sonstwo. Niemand will rechtsradikale Gesänge und Verhamlosung bzw. Leugnung von Gewalttaten.
Aber wir sollten uns weiterentwickeln. Vor allem in den Köpfen.
Und nur, weil ich sage "Ich könnte meinen Chef umbringen", mache ich es ja nicht....
Nich alle Äußerungen mit politischem Hintergrund, sind politisch!