Wenn man mal neutral betrachtet, was war die Aufgabe von Fritz:
1. 10 Mio. an Transfererlösen für das letzte Geschäftsjahr noch reinholen.
-Check
2. 20 Mio. Transferplus
-Check
3. Kader verbessern durch noch mehr Transferplus
- offen
Man muss einfach festhalten, dass Fritz hier ne arme Sau ist. Er hat in diesem Sommer Spieler für 40 Mio. verkauft und durfte nur so 7 ausgeben. Wie soll er so den Kader verbessern und vor allem noch frühzeitig? Man munkelt zudem, dass ihm nach dem Coulibaly-Verkauf versprochene Mittel doch verboten wurden. Joar. Für mich ist das ein Bauernopfer das Vereins.
CF ist sicherlich nicht der Alleinschuldige an der aktuellen Misere. Ihn aber zum bloßen Bauernopfer des Vereins zu erklären, wirkt wie eine Verklärung der Realitäten.
CF hat vier Jahre lang unter FB gearbeitet und anschließend dessen Posten übernommen. Wenn Werder gleichzeitig gebetsmühlenartig betont, dass Transfers und Personalentscheidungen im Konsens einer Gruppe getroffen werden, dann gilt das eben in beide Richtungen: D.h., man kann sich nicht einerseits auf das Kollektiv berufen und andererseits im Misserfolgsfall so tun, als hätte CF mit den Entscheidungen der vergangenen Jahre nichts zu tun gehabt. Ob er Transfers in der Ära des Hauptverantwortlichen FB aktiv forciert oder diese „nur“ mitgetragen hat, ist für die Frage der Mitverantwortung letztlich zweitrangig.
Und die Bauernopfer-Metapher passt auch schon deshalb nicht wirklich, weil CF selbst öffentlich eingeräumte, dass die Transferpolitik der vergangenen Saison – inklusive der Leihspieler-Posse – unzureichend war und er dafür als Hauptverantwortlicher seinen Kopf dafür hinhielt. Das war keine Zuschreibung von außen, sondern seine eigene Einordnung.
Natürlich kann und muss man die strukturellen Rahmenbedingungen
(diese sind jedoch nicht "über Nacht vom Himmel gefallen, sondern summierten sich durch - auch wenn du das vermutlich nicht gerne liest - durch zu viele Transferfehlentscheidungen in den letzten ca. 10 Jahren) kritisieren. Wenn 40 Mio. an Transfererlösen erzielt werden, davon aber nur rund 7 Mio. reinvestiert werden dürfen, wird es schwierig, einen Kader substanziell zu verbessern, besondere frühzeitig. Sollte CF nach dem Coulibaly-Verkauf tatsächlich zugesagte Mittel nicht bekommen haben, wäre das erst recht ein Vorgang, den man kritisch hinterfragen muss.
Aber daraus folgt eben nicht automatisch, dass CF ein unschuldiges Bauernopfer ist. Er ist gleichzeitig Teil dieses Systems, Mitverantwortlicher für dessen Entscheidungen und möglicherweise auch Betroffener seiner Defizite. Beides kann problemlos gleichzeitig zutreffen. Wer ihn ausschließlich als Opfer darstellt, macht es sich meines Erachtens zu einfach.