Strom Paradoxon:
Das deutsche Stromnetz steht...
Der Text nutzt reale aktuelle Probleme, um mit verkürzten oder technisch nicht ganz sauberen Schlussfolgerungen zu dramatisieren (mal wieder).
1) „Mehr Erneuerbare ⇒ mehr konventionelle Regelkapazität“
Das ist nur teilweise richtig.
Korrekt ist: Mit wachsendem Anteil volatiler Einspeiser steigt der Bedarf an Flexibilität im System (Regelenergie, Redispatch, Speicher, Lastmanagement).
Nicht korrekt ist die implizite Gleichsetzung mit „mehr fossile Kraftwerke“:
Flexibilität kann auch kommen von:
Batteriespeichern, Pumpspeichern, Lastverschiebung (Industrie), Netzkuppelstellen (EU-Verbund), perspektivisch Wasserstoffkraftwerken.
Der Bedarf an rotierender Masse (Trägheit) sinkt nicht automatisch, aber kann durch synthetische Trägheit (Wechselrichterregelung, Grid Forming) teilweise ersetzt werden.
Realistisch formuliert: Der Bedarf an steuerbarer Leistung bleibt – aber deren Technologie-Mix verschiebt sich.
2) „Parallelbetrieb macht das System nur scheinbar stabil“
Das ist übertrieben/
dramatisierend.
Ja: Der aktuelle Betrieb ist ein Übergangssystem mit:
Redispatch, Reservekraftwerken, Engpassmanagement.
Aber: Das ist kein „Trick“, sondern normale Netzbetriebsstrategie in Transformationsphasen.
Die Aussage „kein Beweis von Robustheit“ übertreibt/dramatisiert:
Das europäische Verbundnetz ist tatsächlich eines der stabilsten Systeme weltweit.
Die Eingriffe zeigen eher, dass das Regelungssystem funktioniert, nicht dass es kurz vor dem Kollaps steht.
3) Redispatch und PV-Abregelung (die angegebenen Zahlen)
Die Richtung stimmt, aber Kontext fehlt:
Redispatch-Zunahme ist gut dokumentiert. PV-Abregelung im Verteilnetz nimmt zu, besonders in:
Bayern, Baden-Württemberg, Regionen mit viel Zubau und schwachem Netzausbau.
Wichtig:
Ein Anstieg von „+94 %“ klingt dramatisch, der hoher Zuwachs liegt aber eher am niedrigen Ausgangsniveau. (Bsp.: Von 1 auf 4 sind +400 %...)
Anteil am Gesamtstrom ist weiterhin relativ klein (typisch wenige Prozent der EE-Erzeugung).
Richtig ist: Engpässe verlagern sich ins Verteilnetz. PV ist ein Haupttreiber, weil stark dezentral.
4) „Verteilnetze sind nicht für bidirektionalen Fluss ausgelegt“
Das ist im Kern korrekt, aber historisch verkürzt.
Ursprünglich: Top-down-Struktur (Kraftwerk → Verbraucher).
Heute: Prosumer, Einspeisung auf Niederspannungsebene.
Aber: Netzbetreiber rüsten bereits massiv nach:
regelbare Ortsnetztransformatoren, Spannungsbandsteuerung, Einspeisemanagement, Smart Meter / §14a EnWG Steuerbarkeit.
Es ist also kein „Systemfehler“, sondern Teil der Transformation.
5) „PV destabilisiert die Netzfrequenz“
Frequenz (50 Hz) wird primär durch das Gleichgewicht von Erzeugung und Last im gesamten Verbundnetz bestimmt, nicht lokal im Ortsnetz.
Verteilnetzprobleme äußern sich typischerweise als: Spannungsprobleme (z. B. > 253 V), Leitungsüberlastung, nicht als Frequenzabweichung.
PV-Anlagen:
sind heute fast immer netzgeführt (grid-following), schalten sich bei Frequenzproblemen automatisch ab, tragen aktuell wenig zur Frequenzhaltung bei, destabilisieren sie aber auch nicht direkt.
Kurz: Photovoltaik verursacht lokale Spannungs- und Kapazitätsprobleme,
nicht primär Frequenzinstabilität.
6) Frequenzgrenzen (47,5–51,5 Hz)
Formal korrekt, aber: Diese Extremwerte sind Notfallbereiche, nicht operative Realität.
Es wird dramatisiert.
Typischer Betrieb: ±0,02–0,05 Hz im Normalfall.
Bereits bei ~49,8 Hz greifen erste Maßnahmen (Regelenergie, automatische Lastabwürfe in Stufen).
Technisch - für die seltenen Randbereiche - korrekt, aber eben damatisiernd. Der Schreiber sucht 'die karierten Maiglöckchen'.