Ich bin mir ziemlich sicher was Horst gedacht hat. Das war mehr als offensichtlich.
Die Mannschaft war nach dem 3:2 in einem absoluten Höhenflug und man hat an der Körpersprache gemerkt, dass sie sich nicht hinten reinstellen, sondern die Entscheidung herbeiführen wollten.
Davon hat sich der Trainer anstecken lassen und wollte Topp die Gelegenheit geben endlich sein Erfolgserlebnis zu bekommen.
Fataler Fehler und einfach amateurhaft und emotional gedacht von Steffen. Da braucht man gar nicht drüber streiten.
Wenn Horst nach dem 3:2 defensiv wechselt, wir uns dann nur noch hinterreinstellen, um das Ergebnis irgendwie über die Zeit zu bringen, dadurch aber das 3:3 kassieren, ist hier das Geschrei auch wieder riesengroß.
Und wenn es die Aufgabe von Keke war, den Ball im Mittelfeld mit seinem Körper abzuschirmen und für einen entscheidenden Konter zum 4:2 zu verteilen, wäre Horst für diese Entscheidung der Einwechselung gefeiert worden.
Jede Entscheidung kann eben auch falsch sein. Und dann wird natürlich immer die vermeintliche "Ursache" verantwortlich gemacht.
Wäre der Ball nur 1 cm weiter über die Torauslinie gerollt, würde nun keiner hier ein Fass bezüglich der Wechselentscheidung aufmachen.
Ich bin auch kein Fan von Horst. Er hat schon einige Fehlentscheidungen getroffen und dies wird auch immer wieder mal der Fall sein. Es ist zu hoffen, dass er aus seinen Fehlern schnell lernt. Ob ihm vom Verein allerdings die Geduld noch sehr lange entgegengebracht wird, das ist die Frage.
Was nach Horst und seinem Team folgen wird, wird meiner Meinung nach ebenfalls zu keinen Jubelstürmen bei den Fans führen und auch keine gravierenden positiven Entwicklungen mitsichbringen. Eine Soforthilfe sehe ich definitiv nicht. Aber sehr gerne dürft ihr mir meine Worte im Falle eines Eintretens des Gegenteils um die Ohren hauen. Denn dies würde mich sehr freuen.
Unser Saisonziel muss nun sein, mindestens 3 Mannschaften hinter uns zu lassen. Und das traue ich auch Horst und seinem Trainerteam zu.
Bei höheren Zielen muss dann eben das (finanzielle) Risiko eingegangen werden, das Trainerteam zu wechseln. Ob dieses Risiko dann belohnt wird, kann keiner vorhersagen.
Welcher finanziell darstellbare Trainer, der sich realistisch auch einen Wechsel zu einem Verein wie Werder vorstellen könnte, ist denn nach eurer Meinung für uns überhaupt verfügbar / erreichbar und aus welchen Gründen könnte dieser die Mannschaft / Einzelspieler wesentlich verbessern?
Mir fehlen hier tatsächlich die Ideen.
Oder geht es im Falle einer Entlassung dem Verein nur um einen kurzfristigen Trainerwechseleffekt (Feuerwehrmann) und eher nicht um eine dauerhafte Lösung?
Wenn ja, kann man nur hoffen, dass es dann zukünftig bei uns nicht läuft wie auf Schalke oder beim HSV.
Diese Wahrscheinlichkeit könnte sich natürlich erhöhen, wenn Clemens und Peter vielleicht irgendwann Geschichte sind und die typische (oldschool) Werder-Politik nicht mehr gelebt wird.
Erst dann sind wir alle schlauer, ob wir der Vergangenheit überraschenderweise doch nachtrauern und alles noch viel schlimmer wird oder wir ein modernes, erfolgsorientiertes, zwar unfamiliäres, aber gewinn- und leistungsorientiertes Wirtschaftsunternehmen mit hoher Fluktuation auf allen Ebenen, fehlendem (aber leistungsfördernden) Wohlfühlfaktor, dafür aber wiedergewonnener Strahlkraft und Erfolgen aufbauen konnten.