Ich will gar nicht auf alles eingehen, weil du eigentlich weisst, dass wir zu 90% ähnliche Meinungen haben.
Was ich nicht verstehe ist, dass du immer wieder die letzten 15 Jahre rauskramst. Ja, die waren weitestgehend Mist und es wurde unheimlich viel falsch gemacht. Das wissen wir alle. Dennoch gab es durch den Abstieg einen Cut in der Geschichte. Es macht keinen Sinn, noch immer alles aus der Zeit davor zu diskutieren. Niemand aus dieser Zeit ist noch im Verein tätig, mit Ausnahme von Fritz und ein paar Spielern, die damit aber eher weniger zu tun hatten.
Die letzten drei Jahre wird anders gehandelt. Da es im Moment kontinuierlich bergauf geht, fehlen ein wenig die großen Argumente daran wirklich zu zweifeln.
Auch bei uns wurde in den letzten Jahren durchaus gut gescoutet. Wer was anderes behauptet, der lügt. Daran ändern auch die Flops nix. Haben andere Vereine wie Freiburg und Frankfurt ebenso.
Natürlich gibt es noch viele Punkte, die besser werden müssen, aber man steht immer noch am Anfang der Entwicklung und muss zeitgleich das finanzielle Problem seit dem Abstieg irgendwie in den Griff kriegen, was nun einmal noch immer da ist.
Was ich übrigens mit Stabilität meine ist, dass wir zwar einen starken Kader haben, aber dieser größtenteils durch Friedl, Stage, Schmid und Ducksch getragen wird.
Noch viel mehr wiegt das Problem, dass nahezu 99% unserer Spiele knappe Höschen sind. Ein falscher Griff bei einer Einwechslung und das kann kippen wie gegen Union. Keine gute Situation für Experimente. Sieht man daran, dass bei klaren Führungen dann plötzlich ganz anders gewechselt wird. Das muss gelöst werden für eine wirklich gute Talentförderung. Wenn wir weiter so stabil stehen hinten und vorne mehr Durchschlagskraft entwickeln, dann sind wir da wo Frankfurt steht.
Auch das kann ich gut lesen. Ich bin zwar in vielen Punkten auch bei
@Bremen, aber wenn der Trend im Großen und Ganzen so weitergeht, na dann ist das kontinuierliche Arbeit. Trotzdem glaube ich das gewisse Geißeln der jüngsten Vergangenheit noch abzulegen sind und eine gewisse grundlegende Kurskorrektur im Verein von Nöten sind.
Jüngste Vergangenheit. Ich spüre noch an vielen Stellen, trotz neuer Player, die Abstiegs Ängste und auch die Ängste der Corona Depression. Im übrigen sind Filbry und HHG auch noch aus der Zeit und bringen sicherlich die traditionellen Werte oder Bedenken noch mit. Eigentlich sind doch nur Bode/Baumann weg. Dazu kommt noch so ein vereinsimmanenter Werder-Charakter-Zug des "Niederstappelns" um mal die Verzwergung weg zu lassen. Dieses Niederstappeln wird häufig fälschlicherweise mit irgendeinem Understatement verwechselt. Bei Understatement zeigt m. E. ein Starker seine wirkliche Stärke nicht und macht auf Understatement. Hier werden aber offen Ängste zum Ausdruck gebracht bzw. gezielt Niedergestappelt um sich zu entlasten. Das ist etwas ganz anderes.
Wichtig ist glaube ich, das der Verein nicht nur darauf schaut, sich in alle Richtungen abzusichern und als Bedenkenträger aufzutreten, sondern das alles auch eine Kehrseite hat. Absichern heißt auch häufig Kleinreden, Erwartungen dämpfen und demzufolge nicht zu wachsen. Auch bei Erfolg und Ablösesummen. Teilweise zieht sich sowas bis auf den Platz durch. Man erinnere sich bitte daran, das in der Abstiegssaison hier völlig unverhältnismäßig fast jeder Gegner für unschlagbar erklärt wurde, was komischerweise dazu führte das wir wirklichen keinen mehr geschlagen haben.
Kurskorrektur. Na ja lange Reden, kurzer Sinn, es gibt viele Vereine in der Bundesliga "die wollen nur etwas verhindern" und es gibt eben auch Vereine "die wollen etwas erreichen". Verhindern heißt Risikominimierung, Niederstappeln, Genügsamkeit und ggf. Relativieren. Eben Hauptsache Durchkommen. Erreichen wollen heißt hingegen auch mal überschaubare Risiken eingehen, Durchgängiges Erfolgskonzept im Verein, dem sich jeder unterordnet, Ständige Motivation und Antrieb und ggf. nicht Relativieren, sondern auch Maßnahmen wie frühzeitige Trainerentlassungen oder auch ehrliche öffentliche Bewertung der Situation. Eben triebhafter Erfolgshunger.
Von daher sage ich ja immer, man kann sicherlich in einer guten Saison mal Erfolg mitnehmen, auch mit einem zurückhaltenden Werkzeugkasten (diese Saison jetzt wäre prädestiniert gewesen dazu), aber um sich nachhaltig oben zu halten bedarf es auch ohnehin einer bestimmten Kultur im Verein. Die Frage, die sich automatisch daraus ergibt ist: "Kriegt Werder den kulturellen Schwenk hin, vom einem ängstlichen Abstiegsverein (verhindern), zu einem hungrigen Erfolgsverein (Erreichen)?" Ich hoffe Werder ist klar, das wenn wir von nächsten Schritten Reden sich das nicht nur auf Tabellenplätze beschränkt, sondern auch auf die interne Kultur im Verein!