Was ich nicht verstehe ist, dass du immer wieder die letzten 15 Jahre rauskramst. Ja, die waren weitestgehend Mist und es wurde unheimlich viel falsch gemacht. Das wissen wir alle. Dennoch gab es durch den Abstieg einen Cut in der Geschichte. Es macht keinen Sinn, noch immer alles aus der Zeit davor zu diskutieren. Niemand aus dieser Zeit ist noch im Verein tätig, mit Ausnahme von Fritz und ein paar Spielern, die damit aber eher weniger zu tun hatten.
Die letzten drei Jahre wird anders gehandelt. Da es im Moment kontinuierlich bergauf geht, fehlen ein wenig die großen Argumente daran wirklich zu zweifeln.
August Bebel äußerte den sehr weisen Satz (bzw. wird ihm dieser zumindest zugeschrieben)
„Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten". Dieser Satz impliziert u.a. auch, dass man aus den Fehlern der Vergangenheit - die maßgeblich zum Abstieg führten - die richtigen Lehren zieht.
Ja, mit / seit dem Wiederaufstieg sind richtige Lehren gezogen worden, so dass wir uns erfreulicher Weise in der Liga in einem signifikanten Aufwärtstrend befinden. Hinsichtlich der Stabilität und Nachwuchsförderung waren/sind jedoch auch im dritten Erstligajahr nach dem Wiederaufstieg keine signifikanten Verbesserungen erkennbar; d.h. dort sind wir ähnlich schlecht aufgestellt wie in den Jahren vor dem Abstieg. Dass es in manchen Bereichen auch mal ein paar Jahre in Folge schlecht läuft, ist weder bei anderen Clubs noch bei uns ungewöhnlich. Aber wenn Malaisen anderthalb Jahrzehnte andauern, ohne dass deutliche Verbesserungen erkennbar sind, dann lassen sich solche Dinge in den Diskussionen darüber auch nicht mit einem Federstrich wegwischen - auch wenn es das grün-weiße Fußballherz gerne hätte.
Ich stimme dir zu, dass es mit Risiken behaftet ist, in der jetzigen Situation von Werder mit der wackeligen Stabilität junge Spieler heranzuführen. Aber was wäre die Alternative? Den erforderlichen Umbruch zu verschieben, bringt ebenfalls hohe Risiken, denn: In 24/25 war der Altersschnitt unser S11 mit 27,0 Jahren ohnehin schon überdurchschnittlich hoch. D.h. mit jedem weiteren Jahr, in dem die sukzessive Verjüngung wegen der Stabilitätsmängel weiter verschoben wird, wächst das Risiko eines "personellen Wartungsstaus"; d.h. das im Jahr X die S11 so überaltert sein wird, dass ein großer personeller Umbruch unausweichlich ist. Soll heißen, dass statt einer jährlichen Verjüngung auf z.B. 1-3 Positionen die Verjüngung der S11 auf z.B. 5-7 Positionen zur Ulitma Ratio wird. Mal ganz abgesehen davon, dass sich dabei die Frage stellen würde, wie Werder sowohl in Ermangelung an bundesligatauglichen Spielern aus den Reihen als auch an finanziellen Mitteln für Transfers einen solch größeren Umbruch "mit einem Schlag" umsetzen sollte, wäre diese Vorgehensweise für die Stabilität der Mannschaft gefährlicher als ein sukzessiver Umbruch. Und somit bestünde damit mMn eine höhere latente Gefahr, "mit einem Schlag" sich das alles kaputtzumachen, was man sich von 22/23 - 24/25 mühselig aufbaute - und somit auch eine erhöhte Gefahr eines erneuten Abstiegs lauern würde.
Auch bei uns wurde in den letzten Jahren durchaus gut gescoutet. Wer was anderes behauptet, der lügt. Daran ändern auch die Flops nix. Haben andere Vereine wie Freiburg und Frankfurt ebenso.
Dass Freiburg und Frankfurt auch Flops hatten und haben, wurde doch gar nicht dementiert, oder? Es sollte doch eigentlich glasklar sein, dass nicht aus jedem Talent ein Profi werden kann. Aber die Qualität der Förderung von jungen Spielen, angefangen vom Scouting bis hin zur Heranführung an den Profikader, hat oft einen sehr entscheidenden Einfluss darauf.
Der Sportjournalist und Blogger Tobias Escher hat das in seinem Buch "Was Teams erfolgreich macht“ am Beispiel SC Freiburg sehr gut dargestellt. Dort wurde, ebenso wie bei Eintracht Frankfurt in den letzten Jahren bei der Förderung von jungen Spielern in der Summe bessere Arbeit - sowohl sportlich als auch finanziell - geleistet als bei uns; auch wenn das subjektive, grün-weiße Fußballherz es gerne anders sieht.