Ich glaube das ist weniger eine Frage von Erfahrung als mehr eine von Selbstverständnis. Die letzten beiden Jahre zum Beispiel hat Union Berlin gespielt wie ein Absteiger. Im Sinne: Egal wie das Ergebnis auch aussieht und egal welcher Tabellenplatz aktuell ist, man ist vom Selbstverständnis ein Aufsteiger und verlieren ist erlaubt, Saisonziele nicht wichtig, außer Klassenerhalt. Wenn sich dann aber etwas verschiebt -oder wie im Fall Werders länger Erfolge eingefahren werden- dann hat man etwas zu verlieren. Einerseits. Und zusätzlich verlässt man sich darauf, dass das was bisher gut funktioniert hat auch zukünftig (wieder) funktionieren wird. Dann beginnt der Kopf zu arbeiten und man beginnt Dinge zu ändern. Und plötzlich soll eine Mannschaft einen völlig anderen Fußball spielen als sie es gewohnt ist. Ich bin bis heute überzeugt davon, dass dies der Kardinalsfehler von Thomas Schaaf damals war, die Änderung der Taktik aufgrund ausbleibender Ergebnisse. Der berühmt berüchtigte Trainereffekt kann dann kurzfristig einen Reset-Knopf drücken, ein Lösen dieses "Eigentlich sind wir besser, aber...insofern war Werders Erfolgsgeschichte mit Sicherheit eine Hypothek, aber auch das fehlende Selbstverständnis, ein fehlendes norddeutsches mir san mir.
Um auf Ole Werner zu kommen: Was sich bisher als sein größter Kritikpunkt erwiesen hat, mag sich langfristig für uns als Stärke erweisen. Muss man mal abwarten. Werners zögerliche Art Dinge zu ändern, Systeme aufzugeben die funktionieren, Spieler einzubauen, könnte ihn gleichzeitig davor schützen überstürzt zu handeln wie Kohfeldt mit seinen zwei Schritten auf einmal. Deswegen gehe ich auch davon aus, dass unsere drei neuen erst mal nicht viel Spielzeit sehen werden. So wie Lynen und Deman und Stage vor ihnen. Werner baut sie langsam ein und bringt sie erst dann, wenn er glaubt, dass sie bereit sind. Manchmal nach meinem Dafürhalten zu lange (Festhalten an Groß trotz Stage und später Lynen) aber zur Zeit gibt ihm der Trend recht. Und am Beispiel Agu sieht man, dass es dann plötzlich auch mal sehr schnell gehen kann (hätte ich gerade bei Agu nie für möglich gehalten nach der langen Verletzung).