Bremen
Moderator
Nein, TS ist nicht lernresistent, das hat die Rückrunde letzte Saison und in den letzten Spielen der Rückrunde 08 gezeigt. Deshalb, @5vor12 sollte die Frage nicht lauten ,,ob Schaaf aus dem, was falsch läuft, lernt", sondern ob er ,,aus dem, was falsch läuft, dauerhaft lernen muss?"
Ich halte TS nur teilweise für nicht lernresistent, denn auch wenn er für mich zu den besten Trainern der Liga gehört, so hat er zwei große Mankos: erstens ist er nicht der gewiefte Taktiker, so daß der Gegner selten mit Unerwartetem überrascht wird ungseffekten man die Werder-Mannschaften stets mit gleichen spielerischen Mitteln aushebeln kann und zweitens ist es schleierhaft, daß er die seit Jahren grassierenden Unkonzentriertheiten in seiner Mannschaft nicht in den Griff bekommt.
Denn die Probleme liegen mMn tiefgründiger. Es sind die raschen Rückfälle jeweils zu Beginn einer neuen Saison, die mich immer wieder schlußfolgern lassen, dass es bei Werder einfach zu schnell gemütlich wird. Es fehlen eindeutig Medienlandschaft, Umfeld und der damit verbundene Druck. !
Richtig, die fehlende Drucksituation ist hier in Bremen in der Tat tiefgründiger, als man glaubt und das liegt nicht nur an der kleinen Medienlandschaft, sondern auch daran, daß die besonnen Bremer bei einer Mißerfolgsserie nicht so leicht ungeduldig werden wie es in anderen Bundesliga-Städten der Fall ist. Denn durch den geringen öffentlichen und medialen Druck wird die Mannschaft trotz der schlechten Buli-Leistungen in den letzten Monaten beinahe dazu eingeladen, weiter so rumzueiern.
Ich denke, Werder und die Verantwortlichen bewegen sich immer noch in einer Grauzone und wissen nicht so richtig, wo der Verein eigentlich hingehört. Einerseits werden Ziele ausgegeben, die von Selbstanspruch zeugen sollen, aber andererseits wird sich sehr, sehr schwer damit getan, diesen Selbstanspruch dann auch zu leben und öffentlich zu zeigen. Weil im Hintergrund immer noch die Underdog- und Ausbildungsverein-Rolle mitschwingt. Da wird sich dann doch wieder schnell in die Kuschelecke zurückgezogen und sich Traditionellem gewidmet wie ,,Ruhe bewahren", ,,sinnvoll handeln". Wirkt nach außen hin immer ,,wie gewollt und nicht gekonnt".
Ich denke, daß die Verantwortlichen schon wissen, wo Werder hingehört und wie man den Selbstanspruch lebt, nur hatten sie durch 5 Jahren CL in Folge vermutlich die, wie Du es treffend formuliert hast, trügerische Bestätigung zu haben, doch wieder alles richtig gemacht zu haben und somit dem Irrglauben verfallen sind, es ausreicht, den Verlust von Leistungengsträgern und Routiniers mit Talenten kompensieren zu können bzw. nur dann größeres Geld in die Hand zu nehmen, wenn noch höhere Transfererlöse erzielt wurden.
Doch ist das nur die eine Seite. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass der Level der Erkenntnis beim Trainerstab und allen Verantwortlichen tiefer liegt, als wir hier diskutieren. Obwohl es mittlerweile reichlich Beispiele als Anschauungsmaterial geben dürfte, wie solche Spiele wie gegen Frankfurt nicht laufen sollten, passieren diese Niederlagen nach gleichen Mustern. Es wirkt regelmäßig so, als ob Werder und Thomas Schaaf nur ein Konzept hätten. Aber ich denke, dass das alles, was den wahren Fan mitunter an den Rande des Wahnsinns treibt, auch ein Stück weit einkalkuliert ist um der Kontinuität Willen. Denn allen Unkenrufen zum Trotz konnte sich Werder so als fünfmaliger CL-Teilnehmer etablieren und als die Kritk wegen der scheinbaren Stagnation lauter wurde, dass mal wieder ein Titel nötig wäre usw., hat Werder einen, fast zwei geholt. Freilich unter dem Verlust einer Spitzenposition in der Liga, denn um beides zu erreichen hat Werder nicht die Mittel und ist die Konkurrenz zu stark. Betrachten wir einmal diesen Aspekt, wirkt das Ganze wieder freundlicher.
Jein. In den Rahmen, wie die Konkurrenz aufgerüstet hat, kann Werder aufgrund der geringen Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen bzw. weil kein Weltkonzern oder Milliardär im Hintergrund stehen, nicht mithalten. Dennoch zählt Werder nicht zum armen Kirchenmäusen der Liga und die 5 Jahre CL im Folge haben auch einige Millionen eingebracht, von denen allerdings zu wenig reinvestiert wurde, so daß die Kluft zu der aufrüstenden Konkurrenz größer wurde, als sie hätte sein müssen. So ist es auch nicht verwunderlich, daß sehr viele Spiele nach dem gleichen Muster verloren gingen, weil große Teile des vorhandenen Spielermaterial nicht die nötigen Qualitäten vor allem in punkto Einstellung haben, auch im Ligaalltag die erforderlichen Leistungen zu bringen.
Speziell gewisse Erfolge scheinen eine einzige (trügerische) Bestätigung zu sein, doch wieder alles richtig gemacht zu haben. Was ja erstmal auch nicht falsch ist. Aber mE eben gefährlich sein könnte. In diesem Zusammenhang hat dkbs einmal passenderweise den Alkoholiker-Vergleich gebracht. Wo Schaaf und alle Beteiligten wirken wie Suchtkranke, die nach jedem Erfolg wie einer CL-Platzierung oder einem Pokal glauben, sie seien über den Berg, um sich nicht mit wahren Symptomen einer Krankheit auseinandersetzen zu müssen. Auch weil sie von ihrem Umfeld nicht hinreichend unter Druck gesetzt werden, denn der Süchtige selbst, der durchaus um sein Problem weiss, erkennt meist als Letzter, dass er dem entgegenwirken muss. Und oft erst, wenn es bereits zu spät ist.
1899% Zustimmung! Und durch den Irrglauben über den Berg zu sein, entsteht nicht nur eine verfehlte Transferpolitik, sondern diese Selbstzufriedenheit spiegelt auch auf die Mannschaft wider, so daß die Spieler z.B. trotz 17 verlorener Punkte in den letzten 20 Minuten in der Saison 08/09 auch gar nicht in die Gefahr geraten, daß man von ihnen höheren Leistungsgedanken auch im Ligaalltag einfordert und wenn man dann auch noch den bereits erörterten fehlenden Druck von Öffentlichkeit und Medien hinzufügt, dann setzt sich so langsam das Mosaik der vielen sportlichen Enttäuschungen zusammen, das dazu geführt hat, daß Werder, im Sommer 2008 mit deutlichem Vorsprung vor der Konkurrenz noch die klare sportliche Nr. 2 hinter dem FC Bayern, innerhalb von einem Jahr fast die halbe Liga vorbeiziehen lassen mußte.


Thomas,