Einerseits hat "Dash" ja mit vielen Punkten absolut recht, aber er verkennt in meinen Augen das grundlegende Problem.
Es geht weniger darum, ob TS seit 1999 mehr richtig als falsch gemacht hat, sondern vielmehr darum, ob man aus dem, was falsch läuft lernt.
Wenn ich mir den ersten Spieltag anschaue, muß ich mich doch ernsthaft fragen, ob es in gewissen punkten nicht eine art Lernresistenz bei TS gibt.
Warst Du mal im Gang an die Spitze-Thread im alten Forum aktiv? Da liefen genau diese Diskussionen bis Mai 08 ob der Lernresistenz permanent. Nein, TS ist nicht lernresistent, das hat die Rückrunde letzte Saison und in den letzten Spielen der Rückrunde 08 gezeigt. Deshalb, @5vor12 sollte die Frage nicht lauten ,,ob Schaaf aus dem, was falsch läuft, lernt", sondern ob er ,,aus dem, was falsch läuft, dauerhaft lernen muss?"
Denn die Probleme liegen mMn tiefgründiger. Es sind die raschen Rückfälle jeweils zu Beginn einer neuen Saison, die mich immer wieder schlußfolgern lassen, dass es bei Werder einfach zu schnell gemütlich wird. Es fehlen eindeutig Medienlandschaft, Umfeld und der damit verbundene Druck. Die einzigartige Harmoniesucht und das demonstrative Tun hinter verschlossenen Türen sorgen dafür, dass sich bei Werder noch immer schwierige Spieler entwickeln konnten, viele Spieler genau hier im reizfreien Klima ihre besten Leistungen brachten, abgesehen von Pflegefällen wie Nery, CA oder Unbelehrbaren wie Marco Reich. Gingen unsere Leistungsträger aber weg, erlebten sie in einem weitaus hektischerem Umfeld und unter ständiger Spannung, was es heisst, sich ,,wirklich" jeden Tag beweisen und mit teils ungerechter Kritik umgehen zu müssen - Herzog, Frings, Ailton, Lisztes, Ismael, Valdez, Borowski sind nur die prominentesten Beispiele. Diese Spieler haben allesamt Werder deutlich vorangebracht, dennoch darf die Frage erlaubt sein, ob diese Akteure auch den Ansprüchen eines deutschen Top-Vereins, der wir immer glauben zu sein, in ihrer Art und Weise genügen. Dabei geht es mir nicht um deren fussballerische Klasse, sondern um den Umgang mit eben diesen gestiegenen Ansprüchen. Waren/sind sie dem gewachsen? Bei Werder sind Protagonisten wie Frings oder Borowski gut aufgehoben, hier rufen sie ihre optimalen Leistungen ab, aber sind sie auch permanent in der Lage, diese zu bringen, wenn es hart auf hart kommt?
Ich denke, Werder und die Verantwortlichen bewegen sich immer noch in einer Grauzone und wissen nicht so richtig, wo der Verein eigentlich hingehört. Einerseits werden Ziele ausgegeben, die von Selbstanspruch zeugen sollen, aber andererseits wird sich sehr, sehr schwer damit getan, diesen Selbstanspruch dann auch zu leben und öffentlich zu zeigen. Weil im Hintergrund immer noch die Underdog- und Ausbildungsverein-Rolle mitschwingt. Da wird sich dann doch wieder schnell in die Kuschelecke zurückgezogen und sich Traditionellem gewidmet wie ,,Ruhe bewahren", ,,sinnvoll handeln". Wirkt nach außen hin immer ,,wie gewollt und nicht gekonnt".
Doch ist das nur die eine Seite. Ich kann mir schwerlich vorstellen, dass der Level der Erkenntnis beim Trainerstab und allen Verantwortlichen tiefer liegt, als wir hier diskutieren. Obwohl es mittlerweile reichlich Beispiele als Anschauungsmaterial geben dürfte, wie solche Spiele wie gegen Frankfurt nicht laufen sollten, passieren diese Niederlagen nach gleichen Mustern. Es wirkt regelmäßig so, als ob Werder und Thomas Schaaf nur ein Konzept hätten.
Aber ich denke, dass das alles, was den wahren Fan mitunter an den Rande des Wahnsinns treibt, auch ein Stück weit einkalkuliert ist um der Kontinuität Willen. Denn allen Unkenrufen zum Trotz konnte sich Werder so als fünfmaliger CL-Teilnehmer etablieren und als die Kritk wegen der scheinbaren Stagnation lauter wurde, dass mal wieder ein Titel nötig wäre usw., hat Werder einen, fast zwei geholt. Freilich unter dem Verlust einer Spitzenposition in der Liga, denn um beides zu erreichen hat Werder nicht die Mittel und ist die Konkurrenz zu stark. Betrachten wir einmal diesen Aspekt, wirkt das Ganze wieder freundlicher.
Nur kommt es langsam darauf an, sich nicht gänzlich zu verkalkulieren in dem Vorhaben, Werder auf diese Weise weiter den Rahmenbedingungen entsprechend und innovativ etablieren zu können. Werder hat schon einmal über mehrere Jahre den Anschluß verloren. Vielleicht ist es auch so, dass die Erinnerungen an die de Mos/Dörner/Sidka/Magath - Zeiten immer noch so viel Angst einflößen, dass Werders Verantwortliche glauben, um keinen Preis der Welt das aufgeben zu können, was den Verein wieder nach oben gebracht hat - die Ruhe, Kontinuität, das Festhalten an Vergangenem trotz mancher Fehlerhaftigkeit. Dass Risikobereitschaft - und damit meine ich weniger die Transferpolitik, als das Gesamtkonzept in Vorgehensweisen auf vielen Ebenen, aber auch spielsystematischem Denken - und der Wille zu Veränderungen bei Werder Bremen tendenziell sehr niedrig sind, ist wahrscheinlich auch eine Folge dessen.
Speziell gewisse Erfolge scheinen eine einzige (trügerische) Bestätigung zu sein, doch wieder alles richtig gemacht zu haben. Was ja erstmal auch nicht falsch ist. Aber mE eben gefährlich sein könnte. In diesem Zusammenhang hat dkbs einmal passenderweise den Alkoholiker-Vergleich gebracht. Wo Schaaf und alle Beteiligten wirken wie Suchtkranke, die nach jedem Erfolg wie einer CL-Platzierung oder einem Pokal glauben, sie seien über den Berg, um sich nicht mit wahren Symptomen einer Krankheit auseinandersetzen zu müssen. Auch weil sie von ihrem Umfeld nicht hinreichend unter Druck gesetzt werden, denn der Süchtige selbst, der durchaus um sein Problem weiss, erkennt meist als Letzter, dass er dem entgegenwirken muss. Und oft erst, wenn es bereits zu spät ist.
Wenn bereits Gegenspieler offen davon sprechen, daß man gegen uns immer seine Chancen bekommt und diese sich gleichzeitig wundern, daß unsere Viererkette per se rund 30 Meter vor unserem Kasten positioniert ist, stellt sich bei mir wieder eine art Dejavue-Effekt ein. Täglich grüßt das......
Da fällt mir dann immer wieder Gomez ein, der schon im März 08 nach dem 6:3 des VFB gegen Werder mit 5 Kontertoren auf eigenem Platz erkannte: ,,Es macht immer Spaß, gegen Bremen zu spielen, die spielen richtig Fussball. Das wollen die Leute sehen."
Ich gebe zu, ich hatte die vielleicht naive Hoffnung, daß wir in der neuen Saison besser in der Def. stehen werden. Zumal man mit 2 Akteuren diese versucht zu stärken.
Hätte allerdings nicht gedacht, daß man derart abrupt aus den Träumen gerissen wird. Das war gegen Frankfurt ein defensiv-taktischer Offenbarungseid. Sorry, aber ich frage mich, wofür man sich in Trainingslager begibt, wenn man bereits am 1. Spieltag die exakt gleichen Schwächen offenbart und Fehler begeht, wie in der abgelaufenen Saison!? Das kann nicht sein.
Derart naiven Hoffnungen gebe ich mich schon länger nicht mehr hin. Schau Dir mal die Saisonstarts in der kompletten Ära Schaaf an, insbesondere die Statistik der ersten drei, vier Spiele! TS wird es ändern, irgendwann.......
Das sind Leistungsschwankungen, die so normal einfach nicht zu erklären sind.
Doch! Wie schnell siegt der innere Schweinehund, wenn von außen nicht genug eingewirkt wird? Der Leistungsgedanke ist/wird bei Werder oft (scheinbar) nur sekundär gefördert.
Wir haben als Außenstehende nun mal so gut wie keine Ahnung, warum TS was macht. Aber der ist doch nicht dämlich, der wird sich all diese Sachen hier doch selbst mal zusammengereimt haben. Dass er mal Fehler macht liegt in der Natur der Sache, die werden auch von Rehhagel, Hitzfeld und Magath gemacht.
Zu den ersten beiden zitierten Sätzen: Vollste Zustimmung!
Zum letzten: Eben genau darum geht es, um das ,,mal Fehler machen" !