Gesamtsituation der Mannschaft

Ich habe ja nicht gesagt, dass etwas unmöglich sei, nur das die Tendenz zu Mauern und Lauern weit verbreitet ist. Und noch mal, die Niederlage gegen Frankfurt ist mit Sicherheit nicht an irgendeinem Heimkomplex festzumachen. Da traf ein völlig übermütiges Werder auf einen Verein der sehr genau wusste, wie er gegen Werder zu spielen hat.
In der Alleinbetrachtung des Frankfurt-Spiels sicherlich nicht. Dennoch ist im Gesamtkontext unsere Erstliga-Heimbilanz nicht erst seit dieser Saison ernüchternd. Und selbst in der 2. Liga waren wir "nur" 6. in der Heimtabelle.
 
Es ist nur ein profanes Zahlenspiel und es spielen auch andere Faktoren eine Rolle, aber diese These lässt sich mit der Saison 19/20 widerlegen:

In 25 Spieltagen (exkl. dem Nachholspiel Werder-Frankfurt vom 24. ST im Juni) vor dem Lockdown gab es 78 Heimniederlagen = 34,82% der Heimspiele gingen verloren. In den 9 Spieltagen nach dem Lockdown (inkl. dem Nachholspiel Werder-Frankfurt vom 24. ST im Juni) kam es zu 37 Heimniederlagen = 45,12% verlorener Heimspiele. ;)

Ich wollte nicht sagen, dass es gar keinen Heimeffekt gibt. Der Punkt war ja die Frage, ob es (bei uns) einen HeimKOMPLEX gibt.
 
Ich habe mich auch mit dem Phänomen "Heimschwäche" beschäftigt und bin bisher davon ausgegangen, dass es an der Fähigkeit mangelt, eine defensive ortientierte Gästemannschaft auseinander zu spielen.
Dabei bin ich auf eine interessante Statistik gestossen (die ich nicht überprüft habe), die eine eindeutige Tendenz nachweist: lag die Zahl der gewonnenen Heimspiele in der Bundesliga zwischen 2000 und 2010 noch bei ca 48,5%, sank dieser Anteil zwischen 2011 und 2020 ca 45,2% um dann in den Saisons 2020/21 und 21/22 auf den Durchschnittswert von 44,5% zu sinken. In der aktuellen Saison liegt der Anteil der Heimsiege nur noch bei 29,6% nach dem 6 Spieltag (letzte Saison 50% nach dem 6 ST) - was sich über die Saison natürlich noch verändern kann. Der Durchschnittswert aller Bundesliga-Saisons liegt bei knapp über 50% Heimsiege. Dafür liegen wir in der aktuellen Saison momentan bei über 40% Anteil Auswärtsiege - da liegt der Durchschnittswert bei ca 25%.

Es hat sich also etwas massiv verändert - sowohl im langfristigen Trend, also auch in der aktuellen Momentaufnahme. Fragt sich nur, was? Welchen Einfluss hat der VAR?
Interessante Statistik. Vielleicht egalisiert der VAR ganz einfach den sog. Heimschiedsrichter ein wenig ?!? Da hilft kein noch so lautes Schreien, wenn die Videobilder etwas anderes zeigen ....
 
Ich habe mich auch mit dem Phänomen "Heimschwäche" beschäftigt und bin bisher davon ausgegangen, dass es an der Fähigkeit mangelt, eine defensive ortientierte Gästemannschaft auseinander zu spielen.
Dabei bin ich auf eine interessante Statistik gestossen (die ich nicht überprüft habe), die eine eindeutige Tendenz nachweist: lag die Zahl der gewonnenen Heimspiele in der Bundesliga zwischen 2000 und 2010 noch bei ca 48,5%, sank dieser Anteil zwischen 2011 und 2020 ca 45,2% um dann in den Saisons 2020/21 und 21/22 auf den Durchschnittswert von 44,5% zu sinken. In der aktuellen Saison liegt der Anteil der Heimsiege nur noch bei 29,6% nach dem 6 Spieltag (letzte Saison 50% nach dem 6 ST) - was sich über die Saison natürlich noch verändern kann. Der Durchschnittswert aller Bundesliga-Saisons liegt bei knapp über 50% Heimsiege. Dafür liegen wir in der aktuellen Saison momentan bei über 40% Anteil Auswärtsiege - da liegt der Durchschnittswert bei ca 25%.

Es hat sich also etwas massiv verändert - sowohl im langfristigen Trend, also auch in der aktuellen Momentaufnahme. Fragt sich nur, was? Welchen Einfluss hat der VAR?

Als Hauptgrund dafür vermute ich die steten Weiterentwicklungen des Fußballs. Zum Beispiel in Punkto Schnelligkeit. Louis van Gaal, damals Jugendkoordinator bei Ajax, holte im im Jahr 1990, also schon 2 Jahre vor Änderung der Rückpass-Regeländerung seitens der FIFA, einen gewissen Edwin van der Sar zur Ajax-Talentschmiede De Toekomst. Nicht weil dieser ihn als Keeper überzeugte, sondern weil van Gaal am fußballerisch talentierten van der Sar das Potential erkannte, wie ein Keeper den Spielaufbau beschleunigen kann. Diese Spielweise setzte sich auch wegen der 1992 eingeführten Rückpass-Regelung sukzessive durch und zwang somit die Trainer Lösungen zu finden, die Gegner auszubremsen. D.h. sie nicht erst dann zu stören, wenn sie ihren Spielaufbau schon aufgezogen hatten, sondern schon zu Beginn des Spielaufbaus. Dadurch entwickelte sich das von anderen Trainern bereits angewendete Forechecking (z.B. Ernst Happel beim HSV) weiter zu dem heute zum Standardrepertoire gehöhrenden hohen Pressing, wo die Gegner bereits in ihrer Hälfte angegriffen werden. Und weil dadurch die Wege von Balleroberung bis zum Torschuss deutlich kürzer wurden, kommen Auswärtsmannschaften eher und häufiger zum Torschuss, so dass sie öfters gewinnen, als es noch 20 und mehr Jahren der Fall war.
 
Zuletzt bearbeitet:
Sehe dir unsere Heimbilanzen der beiden letzten beiden Erstligajahre an und vergleiche diese mit der aktuellen ;)
Es ist oft einfacher auswärts zu spielen. Wenn du nicht gerade Pep Guardiola heißt, der gnadenlos Ballbesitz propagiert und deren Spiele oft Zahlen von 70 bis 80% Ballbesitz von Manchester City aufweisen.
Je weniger kreative und vor allem schnelle Leute du hast, umso schwerer wird es, eine tiefstehende und giftige Mannschaft zu knacken.
Ich erinnere mich an Werder Heimspiele gegen Mainz oder Union(in den letzten Jahren) , in denen der Gegner extrem giftig in den Zweikämpfen agierte, für extrem viele Unterbrechungen sorgte, kein Spielfluss aufkommen ließ.
Ende vom Lied war, man kam nicht ins letzte Drittel, es wurde der Ball hin und hergeschoben, weil sich keine Lücken fanden.
Diese Gegner verließen sich aufs Kontern, und im Lauf des Spiels ergeben sich diese Möglichkeiten. Auch weil du als Heimteam irgendwann ins Risiko gehen wirst.
Wenn du nicht zu Beginn das Glück hast und in Führung gehst, wird das zäh....
Und mit wenigen Ausnahmen treten die meisten teams so auf, egal in welcher Liga
 
Komischerweise gewinnen wir Pokalspiele fast immer zuhause. Scheissegal....

Ob Spannungsbogen, Stadion, Erwartungshaltung oder es schlicht einfacher ist auswärts zu spielen, ist eigentlich ebenso scheissegal. Heimspiele reihenweise zu Ups, ich muss meine Wortwahl ändern ;) bedeutet viel Unruhe und wird sich ganz sicherlich auch auf die Auswärtsspiele auswirken, denn die Gegner wollen ja schließlich ebenso Ihre Heimspiele gewinnen. Verlierst Du nämlich dauernd zuhause und mußt aufgrund der fehlenden Punkte auswärts das Risiko erhöhen, wirst Du in der Regel eben dann auch an die Wand genagelt. Abstiegssaison läßt grüßen :wink2:

Wir MÜSSEN die Heimspiele erfolgreicher gestalten. Ansonsten Fahrstuhl nach unten ....
 
Ich wollte nicht sagen, dass es gar keinen Heimeffekt gibt. Der Punkt war ja die Frage, ob es (bei uns) einen HeimKOMPLEX gibt.

ich glaube, den gibt es mittlerweile. Anders kann ich mir nicht erklären, dass wir im damals eminent wichtigen Spiel gegen Kiel 2 Eigentore schießen und das Ding nach 2:0 Führung sogar noch verlieren. In der Psychologie nennt man sowas Selbstsabotage.

natürlich kann man die Spiele immer auch einzeln betrachten, aber in der Summe ergibt sich da schon ein ziemlich eindeutiges Bild, denke ich.

im Pokal hingegen haben wir in den letzten Jahren zuhause immer gut performt.

Hoffen wir, dass es im nächsten Heimspiel unter Flutlicht gegen Gladbach endlich mal wieder klappt, es wäre ein sehr guter Zeitpunkt!
 
Aber erst mal nach Leverkusen und dort was holen. Die werden sich entweder mit 6 Toren aus der Krise schießen, oder im Anschluss an das Spiel den Trainer entlassen.

deshalb gilt es da höchst konzentriert zu sein und deren Verunsicherung auszunutzen, in dem wir vorne eiskalt sind und hinten alles reinhauen, was wir haben.

Gruev für Groß ist ja wahrscheinlich Common Sense. Dazu ist Stark für Vejlkovic zumindest eine Überlegung wert.

Ducksch würde ich auf jeden Fall drin lassen.

und ich würde Agu gerne mal wieder auf dem Platz sehen.
 
Als Hauptgrund dafür vermute ich die steten Weiterentwicklungen des Fußballs. Zum Beispiel in Punkto Schnelligkeit. Louis van Gaal, damals Jugendkoordinator bei Ajax, holte im im Jahr 1990, also schon 2 Jahre vor Änderung der Rückpass-Regeländerung seitens der FIFA, einen gewissen Edwin van der Sar zur Ajax-Talentschmiede De Toekomst. Nicht weil dieser ihn als Keeper überzeugte, sondern weil van Gaal am fußballerisch talentierten van der Sar das Potential erkannte, wie ein Keeper den Spielaufbau beschleunigen kann. Diese Spielweise setzte sich auch wegen der 1992 eingeführten Rückpass-Regelung sukzessive durch und zwang somit die Trainer Lösungen zu finden, die Gegner auszubremsen. D.h. sie nicht erst dann zu stören, wenn sie ihren Spielaufbau schon aufgezogen hatten, sondern schon zu Beginn des Spielaufbaus. Dadurch entwickelte sich das von anderen Trainern bereits angewendete Forechecking (z.B. Ernst Happel beim HSV) weiter zu dem heute zum Standardrepertoire gehöhrenden hohen Pressing, wo die Gegner bereits in ihrer Hälfte angegriffen werden. Und weil dadurch die Wege von Balleroberung bis zum Torschuss deutlich kürzer wurden, kommen Auswärtsmannschaften eher und häufiger zum Torschuss, so dass sie öfters gewinnen, als es noch 20 und mehr Jahren der Fall war.


Sehr gute Argumente, verständlich formuliert, macht Sinn.
Klar, die Weiterentwicklung spielt eine Rolle und Teams finden Wege, es dem Gegner schwerer zu machen. Ich würde deiner Argumentation einen Punkt entgegen setzen:

Der von dir beschriebene Effekt gilt sowohl für Heim- als auch für Auswärtsteams. Kann es daher sein, dass eine veränderte Spielweise bei beiden Teams für eine deutliche Veränderung der Auswärtsbilanzen führt?
Ich würde mochmal die Statistik zu Rate ziehen: es gab in der Vergangenheit in der Saison 95/96 einen signifikanten Rückgang der Siegquote von Heimmannschaften von 48 auf 40% - nur für eine Saison, danach ging die Heimquote wieder deutlich hoch. Ich habe mal nachgeschlagen: in dieser Sasion wurde die 3-Punkte-Regel eingeführt. Das hat offensichtlich sehr deutlich dazu geführt, dass Auswärtsmannschaften in dieser Saison etwas verändert haben. Was dazu geführt hat, dass die Heimmannschaften ein Jahr gebraucht haben, darauf angemessen zu reagieren.
In der Saison 90/91 hatten wir ebenfalls einen Einbruch der Quote von 50 auf 40%. Damals wurde die Abseitsregel neu ausgelegt - gleiche Höhe kein Abseits mehr.
Das waren die Saisons mit den signifikantesten Einbrüchen der Heimspielquote.
Sehr niedrige Quoten gab es noch 2009/2010 und dann wieder 2019/2020 - für 09/10 habe ich noch keine mögliche Erklärung gefunden, für 19/20 ist für mich der Ausschluss der Fans durch Corona der entscheidende Faktor (zu dieser Zeit ist mir die Heimschwäche auch erstmals aufgefallen, dort gab es Spieltage komplett ohne Heimsieg). Das waren die Jahre mit Sondereffekten - sind aber keine Erklärung für den langfristigen Trend. Man muss wohl davon ausgehen, dass alle Massnahmen zusammen dazu führen, dass der Heimvorteil nach und nach verschwindet (da könnten auch Effekte abseits des Spiels eine Rolle spielen - bsw früher 6 Stunden Bus- oder Zugfahrt, heute 1 Stunde Flug, alles nur Kleinigkeiten, die am Ende aber zur Angleichung der Ausgangslage führen).
Am Ende bleibt die Momentaufnahme aus dieser Saison mit nur 29% Heimsiegen bis zum 6 Spieltag - sollte sich das fortsetzen, laufen wir auf die mit deutlichem Abstand niedrigste Heimspiel-Siegquote der Geschichte hinaus (bisher 40,2%) - diesen Einbruch erklärt deine Argumentationskette nicht, denke ich. Wenn sich die Quote über die Saison dann wieder auf ca 40% erholt, dann könnte deine Argumentation wieder passen.
 
Ich bin mir nicht sicher, worauf du hiermit
Der von dir beschriebene Effekt gilt sowohl für Heim- als auch für Auswärtsteams. Kann es daher sein, dass eine veränderte Spielweise bei beiden Teams für eine deutliche Veränderung der Auswärtsbilanzen führt?
hinaus möchtest, daher stochere ich jetzt ein bisschen im Nebel: Ja, der beschriebene Effekt gilt selbstverständlich für beide Mannschaften. Einen Vorteil davon haben i.d.R. jedoch nur die Auswärtsteams - sofern die Gastgeber versuchen das Spiel zu machen und die Gäste auf Konter lauern. Aber weil es auch ab und zu vorkommt, dass die Heimelf "mauert" während das Auswärtsteam das an sich zieht, muss er korrekter heißen, dass von diesem Effekt grundsätzlich jeweils die defensiv orientierten Mannschaft profitieren.


Sehr niedrige Quoten gab es noch 2009/2010 und dann wieder 2019/2020 - für 09/10 habe ich noch keine mögliche Erklärung gefunden, für 19/20 ist für mich der Ausschluss der Fans durch Corona der entscheidende Faktor (zu dieser Zeit ist mir die Heimschwäche auch erstmals aufgefallen, dort gab es Spieltage komplett ohne Heimsieg). Das waren die Jahre mit Sondereffekten - sind aber keine Erklärung für den langfristigen Trend. Man muss wohl davon ausgehen, dass alle Massnahmen zusammen dazu führen, dass der Heimvorteil nach und nach verschwindet (da könnten auch Effekte abseits des Spiels eine Rolle spielen - bsw früher 6 Stunden Bus- oder Zugfahrt, heute 1 Stunde Flug, alles nur Kleinigkeiten, die am Ende aber zur Angleichung der Ausgangslage führen).
Über Ausreißer, die von langfristigen Trend abweichen, würde ich mir keinen all zu großen Gedanken machen - auch wenn 19/20 Corona wohlmöglich die Ursache war - denn solche Ausschläge nach oben bzw. nach unten sind auch in anderen langfristigen Statistiken zu beobachten.


Am Ende bleibt die Momentaufnahme aus dieser Saison mit nur 29% Heimsiegen bis zum 6 Spieltag - sollte sich das fortsetzen, laufen wir auf die mit deutlichem Abstand niedrigste Heimspiel-Siegquote der Geschichte hinaus (bisher 40,2%) - diesen Einbruch erklärt deine Argumentationskette nicht, denke ich. Wenn sich die Quote über die Saison dann wieder auf ca 40% erholt, dann könnte deine Argumentation wieder passen.
Nach gerade einmal 6 Spieltagen ist es mMn noch viel zu früh, von einem Einbruch zu reden / schreiben. Ein Trend lässt sich frühestens nach dem 10. Spieltag erkennen.



Abgesehen davon: wir driften etwas vom Thema dieses Threads ab. ;)
 
Same procedure as every match: langweilig kann Werder nicht.

Das Positive zuerst: die Mannschaft hat heute wieder eine hervorragende Moral bewiesen und somit einen späten, verdienten Punkt mitgenommen. Diese Moral braucht sie auch, den spielerisch wie taktisch ist noch eine Menge Luft nach oben. Was heute besonders auffiel: in Ermangelung an Kreativität im MF mussten wir es oft "hintenrum" probieren; und wenn ein Spieler von uns mit Ballbesitz nach vorne lief, lief wiederholt kein Mitspieler mit, um sich als Anspielstation anzubieten. Wenn unser Zusammenspiel klappte, dann wurde es jedoch gefährlich für den Gegner. Aber auch vor unserem Tor brannte es einige Male vor dem Tor (u.a. 2 Lattentreffer der Pillen). Unterm Strich ein Remis, mit dem wir gut leben können.
 
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