Es ist natürlich so, dass man ein gebrochenes Bein vorzeigen kann. Das glaubt einem dann auch jeder.
Dass man psychisch erkrankt ist, kann jeder behaupten.
Insofern ist es auch naheliegend, dass die Behauptung einer solchen Erkrankung gerne benutzt wird, um blau zu machen.
18 Millionen Betroffenen gibt es jährlich in Deutschland.
Zwei weitere Phänomene, die sicherlich auch ihren Beitrag zum erhöhten Vorkommen psychischer "Erkrankungen" leisten, sind die rasant fortschreitende Verweichlichung unserer Gesellschaft und Tatsache, dass jeder Jammerlappen, der über sein Wehwehchen klagt, heute auch irgendwo Gehör findet. Wo man früher noch gehört hätte "stell Dich mal nicht so an!", wird einem heute noch bei lächerlichsten Zimperlein zugestimmt, dass die Situation ja wirklich schlimm sei.
Die Kinder werden heute von der Geburt bis weit übers Abi hinaus gepampert. Da muss sich nicht wundern, wenn so etwas bei heraus kommt.
Unter den vielen Leuten, die behaupten, psychisch erkrankt zu sein, befinden sich natürlich auch welche, die es tatsächlich sind.
Die müssen leider teilweise die Erfahrung machen, dass ihr Leiden nicht ernst genommen wird, und noch schlimmer: sie müssen lange auf einen Therapieplatz warten, weil andere den blockieren.
Manfred Lütz meint, man dürfe nicht jede normale, menschliche, existenzielle Reaktion zur Krankheit hochjazzen. Dem schließe ich mich an.