Alles rund um Schule & Lehrer

  • Ersteller des Themas Ersteller des Themas matt
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Dienst- E- mail- Adresse? Diensthandy? Wovon träumt ihr nachts? Kenne keinen Lehrer, der das hat und ich kenne viele. Fehlt nur noch, dass Lehrern die Kosten für Klassenfahrten zu 100% erstattet werden. Wo kommen wir denn da hin?

Was solche Dinge wie dienstliche Email-Adresse und auch die Ausstattung mit internettauglichen Geräten angeht, so ist das tatsächlich Standard, sogar ganz in Deiner Nähe, allerdings hinter der dänischen Grenze.
 
Nein, ist es nicht. Sieht man von einem normalen Smalltalk ab. Auf dem Land ist es natürlich schlecht möglich, aber in einer Stadt würde ich jedem angehenden Lehrer bzw. Lehrerin dringend empfehlen sich an Schulen zu bewerben die NICHT im eigenen Stadtteil liegen. Das letzte was du haben willst, ist, auch noch in deiner Freizeit von irgendwelchen Helikoptereltern oder noch schlimmer angesprochen zu werden. Wenn ich damals maulend zu meinen Eltern gesagt hätte, das meine Lehrer mich für irgendwas "bestraft" haben, dann hätten sie von mir wissen wollen was ich angestellt habe. Heute, mal übertrieben gesagt, tauchen Eltern persönlich bei der Schule auf weil ihr engelsgleiches Kind ja nieeeeemals was anstellen würde und alles nur an den Lehrern liegen kann. Aber es gibt auch den Fall übereifriger Lehrer die täglich Mails an Eltern schreiben, ebenfalls mega nervig denn die Brut soll von den LehrerInnen versorgt werden ohne das ständig nach Feierabend auch noch ellenlanger Mailverkehr gelesen werden muss.*

edit: *Das wird nur noch getoppt von Kita-Elternvereinen. Für diese sollte es einen eigenen kleinen Kreis der Hölle geben ;)

Ich meinte nur den normalen Smalltalk. Dachte, das hätte ich deutlich dargestellt.
 
Ich denke nicht, dass der Bildungsauftrag des Staates eine hoheitliche Aufgabe darstellt, die mit denen von Polizisten oder Richtern gleichzusetzen wäre.

Ich sehe das schon so und kann daher deine nachfolgenden Überlegungen nicht teilen. Bildung stellt die größte Ressource dieses Landes dar und darf daher nicht einer Art privatem Markt überlassen werden. Lehrer, die sicherstellen, daß Kinder/Jugendliche mit einer anständigen schulischen Ausbildung ins Leben gehen, sind für mich absolut gleichgestellt mit Polizisten, die die öffentliche Ordnung sicherstellen. Richter sehe ich tatsächlich auch noch mal eine Stufe höher. Aber um gute Richter auf dem Fundament der FDGO zu bekommen, braucht es eben u.A. auch gute Lehrer ;)
 
Das Problem mit Helikoptereltern ist mir übrigens völlig unbekannt.

Nur als Beispiel: ich habe dieses Jahr eine 8. Klasse übernommen. Bei der Übergabe mit der alten Klassenleiterin: über 50% der Eltern hat sie weder jemals gesehen noch telefonisch erreicht. In 3 Jahren.

Irgendwas zwischen "in 3 Jahren weder gesehen noch telefonisch erreicht" und regelmäßigen Telefonaten an Wochenden und dringenden Gesprächen an der Wursttheke wäre vielleicht ganz gut.
 
Ist es so wichtig, Herr und Frau ..., dass Sie damit gewartet haben, bis Sie mich zufällig an der Fleischtheke treffen?

Samstag Morgen halb acht in der Schlange beim Bäcker:

Ach Herr Neuman, guten Morgen, na, Frühstück für die Familie? Wo ich Sie gerade treffe, ich wollte sie länger schon mal gefragt haben was sie davon halten, wenn wir die Stühle in den Klassen gegen Sitzbälle austauschen, wissen sie, es gibt da ja Studien die sagen das da gewisse Vorteile seien und unser Kilian hat ja SO einen Spass wenn er.... blablubb *betendasdieschlangeschnellkürzerwird*
;)
 
Samstag Morgen halb acht in der Schlange beim Bäcker:

Ach Herr Neuman, guten Morgen, na, Frühstück für die Familie? Wo ich Sie gerade treffe, ich wollte sie länger schon mal gefragt haben was sie davon halten, wenn wir die Stühle in den Klassen gegen Sitzbälle austauschen, wissen sie, es gibt da ja Studien die sagen das da gewisse Vorteile seien und unser Kilian hat ja SO einen Spass wenn er.... blablubb *betendasdieschlangeschnellkürzerwird*
;)

Das klingt toll.
Klären Sie doch bitte mit der Schulleitung, ob das möglich ist, und dann stellen Sie diese Idee gerne auf dem nächsten Elternabend vor.
 
Ich sehe das schon so und kann daher deine nachfolgenden Überlegungen nicht teilen. Bildung stellt die größte Ressource dieses Landes dar und darf daher nicht einer Art privatem Markt überlassen werden. Lehrer, die sicherstellen, daß Kinder/Jugendliche mit einer anständigen schulischen Ausbildung ins Leben gehen, sind für mich absolut gleichgestellt mit Polizisten, die die öffentliche Ordnung sicherstellen. Richter sehe ich tatsächlich auch noch mal eine Stufe höher. Aber um gute Richter auf dem Fundament der FDGO zu bekommen, braucht es eben u.A. auch gute Lehrer ;)
Also, ich habe nirgends behauptet, dass Bildung nicht die größte Ressource eines rohstoffarmen Landes wie Deutschland sei. Zumindest lag das nicht in meiner Absicht...
Allerdings sind die unmittelbaren exekutiven Aufgaben eines Polizisten oder judikativen eines Richters den meisten Menschen offensichtlicher- wie ich selbst geschrieben hatte, könnte man den Bildungsauftrag durch Schule als staatlichen und somit hoheitlichen Auftrag sehen. Ich bin allerdings kein Jurist und kann daher nur Beobachtungen wiedergeben. Zumindest in einigen Teilen nimmt das der "Staat" /die Länder" dann selbst nicht ganz so ernst: die Länder, die LehrerInnen nur als angestellte Lehrkräfte beschäftigen, scheinen das so zu sehen und es gibt wohl auch keine gravierenden rechtlichen Probleme zu geben. Selbst in Ländern, in denen verbeamtet wird, gibt es auch immer einen Anteil an angestellten Lehrkräften. Zudem gibt es ja auch ein Privatschulwesen mit angestellten Lehrkräften (welches natürlich trotzdem unter staatlicher Oberaufsicht steht).
Ich gebe Dir allerdings völlig Recht, wenn es um die Privatisierung des Schulwesens geht, wobei Nicht-Verbeamtung nicht unbedingt Privatisierung bedeuten muss. Ich kenne dieses private Schulwesen aus dem angelsächsischen Bereich und bin mir der Schattenseiten durchaus bewusst.
Und schließlich: natürlich braucht es gute LehrerInnen für gute Bildung. In Finnland werden gerade die besten StudentInnen häufig LehrerInnen... und sooo schlecht läuft es dort im Bereich der Bildung nicht.
 
natürlich braucht es gute LehrerInnen für gute Bildung. In Finnland werden gerade die besten StudentInnen häufig LehrerInnen... und sooo schlecht läuft es dort im Bereich der Bildung nicht.
:tnx:
Finnlands Bildungssystem gehört sogar zu den internationalen Spitzenreitern. Einen sehr großen Anteil daran hat - allen Unkenrufen der Bewahrer der mehrgliedrigen Sekundarstufe 1 in Deutschland zum Trotze - das eingliedrige Sek 1 in Finnland. Hinzu kommen u.a., daß Deutschland bei den Bildungsausgaben in Prozent vom Bruttoinlandsprodukt im europäischen Vergleich gerade einmal einen Platz im unterem Mittelfeld belegt und gemäß einer OECD-Studie die soziale Herkunft und Bildungsgrad der Eltern im höchstem Maße auch den Bildungserfolg ihrer Kinder somit grundsätzlich den gesamten weiteren Verlauf deren Lebens maßgeblich beeinflusst; diese soziale Disparität ist schon lange bekannt, geändert hat sich daran jedoch zu wenig. All das summiert ist für das Bildungssystem in der vergleichsweisen wohlhabenden BRD ein Armutszeugnis.
 
:tnx:
Finnlands Bildungssystem gehört sogar zu den internationalen Spitzenreitern. Einen sehr großen Anteil daran hat - allen Unkenrufen der Bewahrer der mehrgliedrigen Sekundarstufe 1 in Deutschland zum Trotze - das eingliedrige Sek 1 in Finnland.

Es gibt keinerlei Beleg dafür, dass der Erfolg des finnischen Schulsystems in der eingliedrigen Sek 1 begründet liegt.
 
Was solche Dinge wie dienstliche Email-Adresse und auch die Ausstattung mit internettauglichen Geräten angeht, so ist das tatsächlich Standard, sogar ganz in Deiner Nähe, allerdings hinter der dänischen Grenze.
Ach, Dänemark...wenn du da mal in einer Schule warst, dann weißt du, was hierzulande alles schräg läuft. Vielerorts ein Träumchen. Leider wollte unsere Partnerschule nicht mehr...könnte daran liegen, dass es kein Geld für gemeinsame Events hierzulande gab und Lehrer und Schüler dann alles privat bezahlen mussten, sogar die Grillwurst, die Fahrt mit den Öffis zu Ausflugszielen und die Grillwurst. Zudem waren die hiesigen Schüler in DK immer deutlich besser untergebracht als umgekehrt die Dänen in den hiesigen Familien. Da gab es dann nachvollziehbaren Frust seitens der Dänen...
 
Es gibt keinerlei Beleg dafür, dass der Erfolg des finnischen Schulsystems in der eingliedrigen Sek 1 begründet liegt.

Eindeutig belegbar ist es in der Tat nicht, aber nach dem finnischen Sieg bei PISA 2000 kamen unterschiedliche Studien zu dem Ergebnis, dass das eingliedrige Schulsystem einen großen Anteil daran hat. Dies ist auch plausibel, denn durch gemeinsames Lernen von lernstarken und lernschwachen SchülerInnen entsteht eine Gruppendynamik, von der a) die lernschwachen Profitieren, indem sie von den lernstarken MitschülerInnen "mitgenommen" werden mit der Folge b) daß die LehrerInnen mehr Zeit für den regulären Unterrichstoff zur Verfügung steht, statt sich um die lernschwachen kümmern zu müssen, womit d) die lernstarken SchülerInnen weniger bis nicht eingebremst werden. Verstärkt wird diese Effekt dadurch, daß in Finnland vergleichsweise wenig Privatschulen existieren, so auch verhältnismäßig viele hochintelligente SchülerInnen in den Klassen vorhanden sind. Gemeinsame Kooperation statt Spaltung und Konkurrenzgedanken sind ein elementare Teil der Säulen des des finnischen Bildungssystems.
 
Das funktioniert aber auch nur mit einer echten Drittelung/Viertelung der Schüler (Förder-, Haupt-, Realschüler und Gymnasiasten). In SH gibt es neben einigen verbleibende Förderzentren (zumindest die Förder L(ernen)- Schüler werden inklusiv beschult, dort sind dann in der Mehrzahl Schüler mit dem Schwerpunkt G(eistige Entwicklung), die aufgrund ihres Förderschwerpunktes absolut nicht inklusiv beschult werden können) nur Gemeinschaftsschulen und Gymnasien. Viele Eltern, die irgendetwas auf Bildung geben, bringen ihre Kinder an den Gymnasien unter. Egal, ob Empfehlung oder nicht. Geht, da nur der Elternwille zählt. Also auch die Schüler, die früher lupenreine Realschüler waren, schicken die Eltern dann ans Gymnasium, Wurst, ob Überforderung oder nicht. Das wiederum führt dazu, dass einige Gemeinschaftsschulen zu reinen "Resterampen" werden, wo sich Förder-, Haupt- und DAZ- Schüler tummeln. Nicht alle wohlgemerkt, es gibt auch sehr gute Gemeinschaftsschulen, gerade im ländlichen Raum, wo es tatsächlich Heterogenität gibt. Hierzulande hat man aber mE das "dreigliedrige" Schulsystem in ein zweigliedriges umgewandelt und vieles verschlimmbessert. Tja...
 
Das klingt toll.
Klären Sie doch bitte mit der Schulleitung, ob das möglich ist, und dann stellen Sie diese Idee gerne auf dem nächsten Elternabend vor.
So müsste es laufen, könnte man ja auch noch ausbauen (Kostenvornachläge, Raumplanung , Stuhleinlagerung etc,), dann wären sie beschäftigt, dem Schulleiter wird ein Thema aufgedrückt ( so er es verdient hätte) und selber wäre man fein raus. :D
Die Vorgehensweise kommt mir bekannt vor ;)
 
Viele Eltern, die irgendetwas auf Bildung geben, bringen ihre Kinder an den Gymnasien unter. Egal, ob Empfehlung oder nicht. Geht, da nur der Elternwille zählt. Also auch die Schüler, die früher lupenreine Realschüler waren, schicken die Eltern dann ans Gymnasium, Wurst, ob Überforderung oder nicht. Das wiederum führt dazu, dass einige Gemeinschaftsschulen zu reinen "Resterampen" werden, wo sich Förder-, Haupt- und DAZ- Schüler tummeln. Nicht alle wohlgemerkt, es gibt auch sehr gute Gemeinschaftsschulen, gerade im ländlichen Raum, wo es tatsächlich Heterogenität gibt. Hierzulande hat man aber mE das "dreigliedrige" Schulsystem in ein zweigliedriges umgewandelt und vieles verschlimmbessert. Tja...
Gegen Eltern mit einer hohen bzw. überzogenen Erwartungshaltung ist kein Kraut bzw. Schulsystem gewachsen. Aber genau diese überzogenen Ansprüche von Eltern sind mMn ein Argument mehr für die Abschaffung der Drei- bzw. auch Zweigliederung. Denn es ist kontraproduktiv, wenn Eltern mit Gedeih und Verderb ihr Kind in eine Schulform zwingen, mit der der Grad zwischen Forderung und Überforderung überschritten ist und sich somit eine Negativspirale aus schlechten Noten, enttäuschten bis erbosten Eltern und demotivierten Kindern in Gang setzt. Ein eingliedriges Schulsystem wird überzogene Erwartungshaltungen zwar auch nicht gänzlich eindämmen können, nimmt jedoch zumindest den Druck von den SchülerInnen, die von ihren Eltern in eine Schulform gepresst werden, der sie in bzw. nach der 4. Klasse nicht bzw. noch nicht gewachsen sind.
 
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