Daß FK zum Hauptsündenbock gemacht wird, ist sicherlich verkehrt. Dennoch ist es ebenso verkehrt, seinen sportlichen Anteil daran herunterzuspielen. Zweifelsfrei wurde er in eine Phase zum Chefcoach befördert, wo der Fisch schon lange am Kopf stank. Um so wohltuender waren die ersten Monate seiner Ära, in denen er Worte in den Mund nahm und Dinge umsetzte, die bei den Verantwortlichen von Werder eher selten vorkamen: er sprach über Selbstkritik, äußerte, daß er auf Namen keine Rücksicht nehme und holte 2018 (und erneut Anfang 2019) mit Jan de Witt einen anerkannten und mit FK befreundeten Berater ins Boot, der dafür bekannt ist, auch Unangenehmes auszusprechen. Dieser bemängelte im Frühjahr 2018, daß bei Werder ua.
- Zu enge persönliche Bindungen vehindern erforderliche Aussprachen
- Infrastrukturelle Baumaßnahmen beim NWLZ erforderlich
- Verbesserung der medizinischen und physiotherapeutischen Betreuung
- Personelle Qualitätsoffensive zur individuellen und somit zielführenden Nachwuchsförderung
- Mehr Einsatzzeiten für Talente bei den Profis
- Reduzierung der Anzahl an kostenintensiven Profis in der 2. Reihe zu Gunsten der eigenen Talente
so, daß er Werder einen Kulturwandel nahelegte und
Anfang 2019 die Forderung erneute:
Die aus dem damaligen Blickwinkel nächste Saison in nun zu mehr als 2/3 mit der ernüchternden Erkenntnis absolviert, daß Werder der besagte Mut fehlte, nicht aus dem Quark gekommen ist und die Witt somit mit der Prognose, daß es sonst zu spät ist, an Anbetracht der Tabellensituation leider richtig lag. Und daran hat FK einen elementaren Anteil, denn neben den handwerklichen Fehlern (Taktik, Aufstellungen, Auswechslungen etc), hat es FK im großen Stil mit zu verantworten, daß entgegen des Rats von de Witt 1) eine Reduzierung der Anzahl an kostenintensiven Profis in der 2. Reihe zu Gunsten der eigenen Talente nicht erfolgte und 2) die Talente nicht zu mehr Einsatzzeiten kamen und stattdessen in der Aufstellung trotz wiederholter schlechter Leistungen und entgegen seiner Ankündigung bei Amtsantritt Rücksicht auf Namen nahm. Die vor seiner Zeit gemachten Fehler dürfen FK nicht ankreidet werden, aber es ist ihm auch nicht gelungen, die daraus resultierenden Folgen in seinem Verantwortungsbereich zu verringen; im Gegenteil, denn er hat die gleichen Fehler gemacht wie seine Vorgänger - trotz seiner anders lautenden Ankündigungen.
Auch ich traue FK zu, daß er trotz seines Scheitern hier anderswo ein guter Trainer werden kann. Ein Otto Rehhagel zB wurde, bevor er bei Werder Großes aufbaute, in sogar in 5 seiner 6 vorherigen Stationen - u.a. auch beim BVB nach einem 0:12 bei Borussia Mönchengladbach - vorzeitig gefeuert. Allerdings wird FK das nur unter bestimmten Voraussetzungen schaffen: er muß einen Club finden, der seine Philosophien an den Gegebenheiten des Fußballs und nicht an einem dazu konträr stehenden Markenkern ausrichtet. Vor allem aber muß FK es lernen, aus seinen gemachten Fehlern die nötigen Lehren zu ziehen, statt wie hier mit einem sturen "Weiter so" immer mehr ins Verderben zu rennen. Man braucht kein Prophet für die These zu sein, daß die Geduld, die FK bei Werder von FB und auch MB bekommt, er anderswo nicht vorfinden wird - auch und besonders nicht beim BVB.