Auch wenn ich jetzt ein paar Fragen in Richtung einer "heiligen Kuh" stelle, ich stelle sie trotzdem. Wohlgemerkt Fragen einer Person betreffend, KEIN INFRAGE STELLEN dieser Person als Trainer bei Werder Bremen! Mir reichen die Fälle Dutt, Skripnik und Nouri, wo man am Schluß hoffen mußte, das Werder vergeigt, damit man sich von diesen Trainern trennt um die Zukunft zu sichern. Das will ich eigentlich nie mehr erleben!
FK gehört zu der Generation Trainern, die durch eine hochqualifizierte Theorie und hervorragendem Umgang mit den Spielern glänzt. Trainern, die selbst als Profi aber entweder gar nicht oder in unbedeutender Weise aktiv waren.
Die bekanntesten dieser Generation sind außer ihm Julian Nagelsmann und Domenico Tedesco.
Tedesco ist nach überragendem Start (Vizemeister) gnadenlos gescheitert auf Schalke. Das lag sicher auch an den sich negativ verändernden schwierigen Charakteren, aber beileibe nicht nur. Ich hatte immer das Gefühl, das dort die Spieler sich wie in einer Zwangsjacke fühlten. Tedesco wollte das maximal mögliche rausholen, was mangels Qualität eben durch Berge von Taktik und Theorie erfolgen sollte. Irgendwann hat er die Spieler nicht mehr erreicht, schienen diese überfordert damit und verloren auch die Lust am Fußball "spielen". Das Ende ist bekannt, Tedesco gilt als vorerst gescheitert.
Gegenbeispiel Julian Nagelsmann: Seine Erfolgsserie seiner Art von Fußball, die auch höchstes taktisches Knowhow voraussetzt, war nahezu bis heute nahtlos. Leichte Anfangsprobleme jetzt bei Leipzig, die aber seit kurzem wie verflogen scheinen. Nagelsmann hat zweifellos zwar auch die mit Abstand beste Qualität von "Spielermaterial", aber er begann in Hoffenheim auch klein mit einer Truppe, die ohne ihn zu 99 % abgestiegen wäre.
Und nun zu FK:
Er steht meiner Meinung nach jetzt an einem ganz wichtigen Scheitelpunkt! Schafft er es, das Ruder wieder herumzureißen, das ihm vor allem wegen einer extremen Verletzungsserie entrissen war? Schafft er es, den Kopf der Spieler wieder frei zu bekommen? Spieler, deren Selbstbewußtsein am Boden liegt, die regelrecht Angst vor bestimmten Situationen (Führung verteidigen, Standards, hohe Bälle) haben.
Schaft er es, Werder wieder in höhere Tabellenregionen zu führen, die man bei diesem Kader (wenn halbwegs komplett) erwarten kann oder sogar erwarten muß?
Wenn diese Fragen mit ja beantwortet werden können, dann hat FK einen ganz wichtigen Schritt in seiner Trainerkarriere getan. Dann hat er eine ganz schwierige Situation gemeistert und geht gestärkt aus dieser hervor. Ich drücke ihm hierzu beide Daumen!
Und ich bin mir ganz sicher, das etliche größere Clubs jetzt ganz gespannt auf Werder und FK schauen. Für diese Clubs wird FK nur dann interessant werden, wenn er die jetzige Situation meistert.
Ich habe aber auch gewisse Bedenken! D. Tedesco hat mal gesagt, das er sich in dieser schweren Situation einen erfahrenen Mann an seiner Seite wünschte (hat da glaub ich auch einen erfahrenen neuen Co bekommen). Könnte FK jetzt ähnlich ergehen und sucht vielleicht auch gerade jetzt mehr als sonst den Kontakt und die Ratschläge des erfahrenen Thomas Schaaf. Davon wäre ich jetzt nicht so begeistert...
Und meine weiteren Bedenken sind die, das ich ein wenig befürchte, das FK taktisch zu viel von seinen Spielern verlangt. Verstehen die das auch komplett, was er will und beabsichtigt? Wenn ich FK über Taktik philosophieren in Interviews höre, dann klingt das ungemein fachkundig, aber ehrlich, richtig verstehen tue ich ihn dabei nicht.
Geht es vielleicht auch -zumindest einigen- Spielern so? Ist ein Beijmo nicht vielleicht daran gescheitert, das er FK taktische Anforderungen nicht erfüllte?
Kann es nicht vielleicht sein, das die Spieler soviel mit Taktik beschäftigt sind, das sie darüber die grundlegenden Dinge vernachlässigen? Grundlegende Dinge wie Stellungsspiel bei Standards z.B.?
Mir kommt es manchmal vor, das FK Fußball auf dem Schachbrett iniziert. Fußballer sind jedoch keine Schachfiguren, die man beliebig verschieben kann. Und da sind wir bei einem weiteren Punkt, den ich bei FK etwas kritisch sehe:
Zu viele Spieler spielen mMn auf Positionen, die nicht getreu ihrer Stärken sind. Das treffenste Beispiel ist fraglos Joh. Eggestein. Klar, das ist ein spielerisch sehr starker Spieler, der KANN deshalb auch auf der 8 oder auf den Außen spielen. Aber kommen dort seine eigentlichen großen Stärken zum Tragen? Definitiv NEIN! Joh. Eggestein ist ein klassischer Boxspieler, ist am stärksten, wenn er hängende Spitze (z.B. mit einem Füllkrug davor) in einem Zwei-Mann-Sturm spielt.
Ein weiteres Beispiel war Füllkrug. Dieser war ja selbst angefressen in der Vorbereitung, als er monierte, das er über die Außen kommen müßte. Recht hat(te) er, da kommen seine Stärken in der Tat nicht zum Tragen. Auch ein Sargent ist kein Außenstürmer.
Klaasen wird eine seiner größten Stärken genommen, wenn er zuviel defensive Aufgaben bekommt, wie oft geschehen. Ein Friedl ist kein AV, trotzdem wird er da als Back-Up für Augustinsson installiert und muß wegen seines Ausfalls dort jetzt monatelang agieren mit bekannten großen Problemen.
Ich will damit ausdrücken, das FK versuchen sollte, mehr aus den Stärken seiner Spieler herauszuholen, indem sie weitgehend da spielen, wo sie eben am stärksten und somit am wertvollsten für Werder sind.
Das wird jetzt eine ganz spannende Zeit, durch die FK geht. Er steht jetzt vor einer sehr schwierigen Aufgabe und im Sommer wohl nochmal, da dann mit hoher Wahrscheinlichkeit ein größerer Umbruch mit dem Verlust einiger Leistungsträger ansteht.
Ich hoffe und wünsche es ihm, Werder und den Fans, das er diese Zeit meistert. Er ist ein dermaßen sympathischer und authentischer Trainer, dem kann man eigentlich nur alles Gute wünschen. Aber auch er wird letztlich nur am Erfolg gemessen!