Da besteht immer ein Restrisiko, wenn man schreibt und nicht spricht und sich sieht, von daher - danke für's Probierenpuh, da lässt sich so viel zu schreiben. ich fang einfach mal an, versuche meine gedanken dazu zumindest etwas zu strukturieren und einigermaßen verständlich rüberzubringen. kann aber nicht verprechen, dass das funktioniert.![]()

An eine Intention, Werder zu schaden, glaube ich auch nicht. Dass die Zündler den Schaden billigend in Kauf nehmen, trifft es eher. Es macht das Ergebnis für Werder aber nicht besser oder anders - Werder muss zahlen.beziehen wir das ganze mal auf die nutzung von pyro:
zunächst mal finde ich es wichtig, zu erwähnen, dass es wohl kaum die intention des einsatzes von pyro ist, werder zu schaden. ich denke, niemand, auch die zündler nicht, freut sich darüber, dass werder strafen bekommt.
Dass die Höhe der Strafen willkürlich ist, sehe ich ähnlich. Transparent ist das System, welcher Verein warum wie viel für welche Aktion zahlen muss, aus meiner Sicht nicht. Es entsteht auch nicht zwingend ein Schaden. Dennoch werden die Strafen nicht ohne Grund ausgesprochen. Pyro ist im Stadion Stand heute verboten, weil es als gefährlich eingestuft wird. Da wäre es aus meiner Sicht ein Witz, wenn der Verband die Missachtung des Verbotes nicht auch sanktionieren würde. Sonst könnte man ja gleich sämtliche Stadionordnungen, Regelungen etc. in die Tonne kloppen, und ein Stadion wäre ein rechtsfreier Raum.diese strafen entstehen ja auch nicht, weil durch pyro etwas kaputt gemacht wird, was dann wieder repariert werden müsste, sondern die strafen, und damit der schaden, sind halt einfach relativ willkürliche festlegungen vom verband, die eben in keinem verhältnis zu irgendwas stehen. (über das wort "erheblich" könnte man jetzt auch noch streiten.)
Streiche die Klammer und das Fragezeichen, dann passt's für michnatürlich ist pyro zu (einem großen?) teil egogehabe und selbstdarstellung. ich will zumindest nicht ausschließen, dass das auch einfach ein guter adrenalinkick ist (reiz de verbotenen) und da wohl auch immer ein wenig mackergehabe mit einfließt, nach dem motto, "seht her, werder ist da" oder ähnliches.

Ja und Nein. Wenn es systematisch abgebrannt wird, sieht es gerade abends tatsächlich gut aus. Was an Rauch dagegen atmosphärisch toll sein soll, erschließt sich mir nicht. Außer Gestank und Nebel erlebe ich da gar nichts. Vor dem Hintergrund kann ich den Wunsch nach Bengalos sogar nachvollziehen - allerdings, wie z. B. von @Fliegenfänger angesprochen, in einem geregelten Umfeld und nicht unkontrolliert in einem vollen Block. Da überwiegt für mich das Gefahrenpotenzial und das Risiko, dass Idioten unvorsichtig zündeln oder dass in einer unvorhergesehenen Situation etwas schief geht, selbst wenn die Zündler vorsichtig agieren.pyro dient aber eben auch, ganz klassisch, als stilmittel für den support und damit auch repräsentation des vereins. es kann, gut eingesetzt, gerade bei abendspielen schöne bilder und eine besondere atmosphäre erzeugen, ebenso wie es begeisterung bspw. nach toren ausdrücken kann. alles dinge, mit denen die zuneigung zum verein gezeigt werden soll.
Wenn das so ist, sollte man es wenigstens kommunizieren (siehe meine Antwort an @FatTonydann kann der einsatz von pyro wiederum auch, wie von fattony angesprochen, als mittel der "rebellion" gegen irgendwelche zustände eingesetzt werden, als zeichen, des protests, dass man mit etwas nicht einverstanden ist (pyro ist ja auch desöfteren auf demos zu sehen) und vielleicht auch einfach, um sich selbst eine stimme (wofür oder wogegen auch immer) zu geben.
).Wann war Pyro denn anerkannt oder gar im Stadion erlaubt? Aus meiner Sicht geht es nicht um die Beschneidung von Fanrechten, sondern um Sicherheit im Stadion. Und die muss aus meiner Sicht absolute Priorität haben. Pyro in einem vollen Block, gezündet von jedem, der gerade Lust darauf hat, ist nicht sicher. Und dass es nur in die Hände von Leuten gelangt, die damit soweit möglich sachgerecht umgehen (ein Risiko, dass selbst dann etwas passiert, kann niemand ausschließen), ist utopisch.dazu kommt ja eben noch die alte geschichte, dass pyro früher eben weitaus anerkannter war und der verband dann vor einiger zeit darauf gekommen ist, pyro zu verteufeln. da gehts dann eben um das große thema fanrechte und beschneidung dieser in zeiten des sich immer weiter kommerzialisierenden fußballs und eben der protest gegen diese beschneidung der fanrechte. pyro dabei dann vielleicht eben auch als zeichen, dass man sich nicht alles einfach gefallen lässt.
Ich stimme Dir zu - sich mit einem Verein verbunden zu fühlen, bedeutet nicht, kritiklos zu sein. Für mich endet die Bandbreite an Kritik und Protest jedoch da, wo ich dem Verein (oder was oder wem auch immer sonst) erheblichen Schaden zufüge oder erheblichen Risiken aussetze. Sprich - Mitgliedschaft kündigen, weniger Fanartikel konsumieren - geschenkt. Tausende von Euros Strafen verursachen oder ggf. weitere Konsequenzen wie Stehplätze weg, mehr Kontrollen, Geisterspiele, was auch immer, nein.was ich damit sagen will: der einsatz von pyro kann verschiedene hinter- und beweggründe haben. der schaden für werder ist dann eben ein unschöner nebeneffekt. zuneigung zu einem verein zu haben, heißt ja aber nicht, dass man alles nur auf das wohl des vereins ausrichtet und seine eigenen interessen komplett in den hintergrund schiebt. man kann einen verein "lieben" bzw. diesem zugeneigt sein und trotzdem unter gewissen umständen schaden an ihm in kauf nehmen. ein "fan" ist ja auch nicht als jemand definiert, der alles seinem verein unterordnet.
Das ist ein sehr spannender Aspekt für eine Extra-Diskussionund da könnte man dann zum nächsten thema kommen: was soll die liebe zu einem verein, einem konstrukt mit wechselnden personen und wertvorstellungen, überhaupt sein? und da ja gerade den zündlern immer wieder gerne vorgeworfen wird, egoistisch zu handeln, könnte man auch hinterfragen, ob nicht alle fans im fußballkontext größtenteils egoistisch handeln, ob nicht die vermeintliche liebe oder zuneigung zum verein einfach nur als vorgeschobener sinn der eigenen egoistischen handlungen rund um den fußball dient. fahre ich auswärts für den verein oder fahre ich auswärts, weil ich bock darauf habe, mit meinen freunden in ne andere stadt zu fahren, ein paar bier zu trinken und im stadion zu singen/bisschen die sau rauszulassen? finde ich es vielleicht auch einfach cool, mich über den verein ganz leicht mit einer großen masse anderer leute identifizieren zu können? brauche ich das durch den fußball entstehende klare freund/feind-schema, um die welt für mich zu vereinfachen?
aber geht vielleicht auch etwas weit.
Für mich kann ich sagen, dass mir "Liebe" als Begriff zu weit geht, "Liebe" bleibt bei mir Menschen vorbehalten (wodurch ich vermutlich für einige kein Fan bin, aber damit kann ich leben
). Werder ist seit über 30 Jahren ein kontinuierlicher Bestandteil meines Lebens. Mal mehr, mal weniger - je nach verfügbarer Freizeit, Nähe zu Bremen, Menschen im Freundeskreis, mit denen ich die Begeisterung teile, etc. Mir geht es dabei tatsächlich um fast alles, was Du beschrieben hast. Ausgenommen lediglich das Freund-Feind-Schema, das habe ich so klar skizziert maximal bei S04 oder dem HSV, und auch da nur verbal/frotzelnd
). Ebenfalls ausgenommen das Identifizieren mit der Masse - ich habe eher Spaß daran, mit meinem grün-weißen Kram mitten im Ruhrgebiet / Rheinland einen Kontrapunkt zu Schalke, Dortmund, Gladbach, Düsseldorf, Köln & Co. zu setzen
Dennoch sehe ich einen entscheidenden Unterschied zur Zündelei. Wenn ich so, wie von Dir beschrieben, ins Stadion gehe - und das Freund-Feind-Schema maximal verbal auslebe - schade ich niemandem damit - weder Werder noch anderen Fans. Wer im Stadion Pyro abfackelt, schadet Werder und anderen (Asthmatiker, Leute, die aus Angst das Stadion verlassen und nicht mehr reingehen, Verletzungsgefahr etc.). Von daher ja, jeder, der einen Verein unterstützt, verfolgt eigene, egoistische Interessen. Die Grenze, wo das für mich nicht mehr okay ist, liegt da, wo ich andere in ihrem Fansein und ihren Interessen eingrenze und dem Verein schade.Da sind wir verschiedeneer Meinung, weil wir Fansein verschieden verstehen.fazit ist: die denke, pyro verursacht werder einen schaden, von daher kann jemand, der pyro zündet kein werderfan sein, greift hier einfach viel zu kurz und missachtet viele aspekte rund um den einsatz von pyro und das fansein.
Zuletzt bearbeitet:
Ich wurde (hier) auch schon bepöbelt als ich aus Versehen mal in den Bereich direkt hinter dem Tor geraten bin, nichts wegen der dämlichen Fahnen sehen konnte und mich beschwert habe
Das kenne ich... Mir schrieb bei so einer Beschwerde mal jemand, ich solle doch zu Hause auf der Couch vorm TV sitzen bleiben... Wenn die Fahnen in einem kleinen Bereich sind, dem man ausweichen kann, ist mir das egal - jedem seins. Wenn sie aber so verteilt sind, dass man im überwiegenden Teil des Stehblocks eingeschränkte Sicht hat, finde ich das nicht mehr okay. Auswärts ist das gerne der Fall und Hunderte von Kilometern für einen Blick auf ein Bettlaken zu fahren, ist nicht meins.... Das ist hier aber OT 