Über die Behauptung der Overperformance der Hessen kann man in der Tat nur lächeln, wenn nicht sogar noch mehr. Denn das, was dort derzeit passiert, war nicht wie in der Vergangenheit bei Mainz, Augsburg & Co. ein einjähriges Strohfeuer, sondern ist das Resultat von guter, kontinuierlicher Arbeit, die vor 3 Jahren, als wir zusammen mit dem Hessen ans Tor zur 2. Liga kopften, mit der Ernennung mit Nico Kovac seinen Anfang nahm. Dem Klassenerhalt durch die Relegation 2016 folgte Platz 11 mit 42 Punkten in 2017, Platz 8 mit 49 Punkten plus Pokalsieg in 2018 und jetzt in 2019 stehen sie nach 24 Spielen mit 40 Punkten auf Platz 5 und sind ganz nebenbei u.a. mit 7 Siegen und 1 Remis ins Viertelfinale der EL eingezogen. Und das Resultat dieser kontinuierlichen Entwicklung über fast Jahre soll hauptsächlich auf durch übers Limit spielen und Glück entstanden sein? Ich bitte dich.
Daß an diesem derzeitigen Stand auch ein Quentchen Glück dabei war, wird niemand bestreiten, doch letztlich fällt einem dieses nicht in den Schoß, sondern man muß es sich auch erzwingen, so wie wir es z.B. mit unseren Last-Minute-Treffern in Frankfurt, Freiburg oder oder Berlin auch getan haben. Oder war es bis uns (überwiegend) Können und bei der Eintracht (überwiegend) Glück? Wenn es danach geht bzw. generell sollte man sich aber bei den späten erzielten Tore auch einmal die Kehrseite der Medaille der spät eingefangenen Treffer ansehen: bei der Eintracht hat nur in einem Spiel ein spätes Gegentor Punkte gekostet, genauer gesagt nur einen: bei der 1:2 Heimniederlage gegen uns. Wir dagegen haben in den Schlussminuten durch späte Gegentore bereits 5 Punkte liegen gelassen (2x2 gegen Nürnberg, 1 in Leipzig). Deshalb sollte wir man mit dem Glück ebenso wenig mit den Steinen schmeißen wie bei der Offenheit bei Gegentoren, weil wird auch dort selber im Glashaus sitzen. Zumal die Frankfurter das spielen, wovon die Verantwortlichen hier seit Jahren sprechen, was aber wenn überhaupt nur in Fragmenten zu erkennen ist: begeisterden Offensivfussball - übrigens auch gegen tief stehende Mannschaften, gegen die wir meistens nur mit Löw'schen Quergeschiebe unsere Ballbesitz- und Paßquoten statt Tore, Punkte und Tabellenplätze erhöhen. Die Kehrseite dieses Offensivfussballs ist jedoch, wer weiß das nicht besser als wir aus der letzten Dekade, die grundsätzlich höhere Gefahr für das eigene Tor; und trotzdem haben die Frankfurter bei z.Zt. einem Spiel mehr 4 Gegentore weniger auf dem Konto. Wenn das lächerlich sein soll, daß stellt sich die Frage, welches das adäquate Attribut für unsere Defensivarbeit sein soll?
Im Frühjahr 2016 standen die Eintracht und Werder am Abgrund. Gemessen daran haben beide Clubs in den letzten 3 Jahren eine gute Entwicklung hingelegt. Dennoch ist es unübersehbar daß die Entwicklung der Frankfurter in der Gesamtheit deutlich linearer ablief als bei uns, was u.a. auch darin begründet ist, daß hier zu lange an Skripnik festgehalten wurde und sein Nachfolger Nouri auch nicht in der Lage war, den anfänglichen Erfolgen Nachhaltigkeit zu verleihen. Erst jetzt mit Kohfeldt bestehen berechtigte Hoffnungen auf bessere Zeiten, weil viele Dinge so gut wie seit Jahren nicht mehr funktionieren; doch das darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß nicht nur unsere Rivalen, sondern auch wir unsere personellen, spielerischen und taktischen Defizite haben, die in der Summe höher sind als z.B. bei Eintracht Frankfurt. Demzufolge stehen sie zurecht in Tabelle einige Plätze vor uns und zeigen den seit Jahren hier propagierten begeisternden Offensivfußball (auch gegen tief stehende Mannschaften, gegen die wir mit Löw'schen Quergeschiebe unsere Ballbesitz- und Paßquoten statt Tore, Punkte und Tabellenplätze erhöhen). Hier muß man auch in der Lage sein, dies sportlich fair anzuerkennen, statt diese Leistungen mit über dem Limit spielen und Glück relativieren zu wollen.