Was in Sachen Lizenz dazu kommt ist, dass Hamburg einer dieser Vereine ist, bei denen sehr viele Leute davon profitieren, wenn er dem Profifußball erhalten bleibt. Der Verein ist fußballerisch das traditionelle Aushängeschild der Stadt, zwar völlig verbeult und zerkratzt, aber fest angeschweißt und durchaus verflochten in Politik und Wirtschaft.
St. Pauli wird niemals den gleichen Stellenwert einnehmen können, und will das ja auch gar nicht, die definieren sich ja als hippe Alternative zum großen Kommerz-Club.
Alle großen Hamburger Firmen haben Logen im Volksparkstadion, wo man seine Kunden gerne parkt. Bevor Hamburg wirklich droht von der Bildfläche zu verschwinden, wird zumindest aktuell von dort immer genug Geld fließen, weil die Alternative noch schlechter ist.
So unfair das auch sein mag, Hamburg ist noch to big to fail, so läuft das Geschäft. Den Nachteil daran sieht man seit Jahren. Viel zu viele Stümper werfen mit fremden Geld um sich und müssen keine Konsequenzen fürchten, bekommen sogar noch Geld hinterhergeworfen. Für Spieler gilt das ähnlich, wenn du teure Leute zusammenkaufst und ihnen direkt ein Vermögen zahlst, stellt sich offenbar eine gefährliche Zufriedenheit ein, die auch unabhängig vom sportlichen Erfolg bestehen bleibt. Es kann kein Zufall sein, das ein Dutzend HSV Trainer in den letzten Jahren jeden Spieler jedes Jahr ein bisschen schlechter machen, da steckt der Fehler im System.
Jetzt steigt ein ehemaliger Top-Verein und einziger Dino völlig verdient ab und die Konsequenzen sind weiterhin vergleichsweise gering.
Sie können sich glücklich schätzen, dass der Verein immer noch so viele Fans hat, ich glaube ich wäre als Hamburger längst irgendwo zwischen Gleichgültigkeit und Sarkasmus. Und genau da sind auch tatsächlich viele meiner Hamburger Bekannten: “Ist mir inzwischen ehrlich gesagt egal!“.
Tja, lieber HSV, dann pass mal auf, dass du irgendwann nicht allen egal bist!