Was Du hier aber vermischst, ist die erfolgreiche Zeit 2004-2009, das Ende 2010 und den Paradigmenwechsel mit dem Ausscheiden von KA. Die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten 15 Jahren dramatisch kontinuierlich verändert. Werders Golden Age war immer gekoppelt an eine hohe sportliche Kompetenz. Zunächst der Diktator OR später das Duo KATS. Als deren Performance immer schlechter wurde, brach das Gesamtgebilde Werder in sich finanziell nahezu zusammen. Während andere Clubs versucht haben, alternative Geldquellen aufzutun, hat Werder zu sehr auf den Fernsehgeldtopf und somit auf den sportlichen Erfolg geschaut. Einfache Formel= kaum Erfolg ist gleich kaum Geld.
Nach dem Allofsschock und den zerrütteten Bilanzen kam unser TE als reiner Krisenmanager. Die Konsolidierungsphase hat Jahre gedauert, in denen man die Investitionen deutlich zurückschrauben musste. Wobei man leider feststellen muss, dass wir gar nicht so wenig in der Summe investiert haben. Durch das fehlende Knowhow ist es eben versickert. Dazu unsere seit Jahren persistierenden Probleme auf der Trainerposition und alles ergibt in der Synopse dieses Bild.
Natürlich ist hier am Ende mehr möglich. Nur was bedeutet das Mehr? Ist es der ausgerufene einstellige Tabellenplatz, die EL oder die CL gar?
Du sprichtst es richtig an. Werder muss einen anderen Weg gehen.
Ich persönlich präferiere im Moment die Idee eines Teammanagers. Ein Menschen, der die komplette sportliche Kontrolle und damit Verantwortung trägt. Ähnlich eben den Modellen, die auf der Insel gepflegt werden.
Für mich sähe das so aus, dass man im Grunde die Cheftrainerposition und die Position des GF Sport fusioniert. Hier liegt die alleinige sportliche Kompetenz von der Jugend bis zur Bundesligamannschaft. Es muss eine Idee etabliert werden. Darunter arbeiten auch weiter Trainer. Allerdings bleibt sportlich der Teammangaer auch offiziell Chefcoach der Bundesligamannschaft.
Die Gefahr in einem solchen System ist natürlich die Abhängigkeit von einer Person und die sich bei der Auswahl zu vertun. Aber ich stelle eigentlich in den letzten Jahren auch fest, dass wir Trainer verschlissen haben, die eigentlich über ein herausragendes und auch modernes Fachwissen verfügen. Ich denke auch, dass hier Trainer an anderen Faktoren im Endeffekt sportlich gescheitert sind die aber eigentlich gar nicht im sportlichen lagen. Das hört sich zunächst paradox an, aber wenn man sich mal RD, VS, AN und jetzt auch FloKo anschaut, dann haben alle in anderen Klubs bzw. bei uns ihre sportliche Kompetenz eigentlich schon nachgewiesen. RD ist im Endeffekt an seiner eigenen Unsicherheit gescheitert seine Idee nicht konsequent fortzuführen. Es endete in einem Chaos auf dem Platz. VS hat sich am Ende auch irgendwie sehr stark von Außen unter Druck gefühlt, nicht die notwendige Sicherheit ausgestrahlt und wohl am Ende Spieler im Kader gehabt, die sich gegen ihn gestellt haben. AN ist an der Personalie Bruns gescheitert.
Einem Teammanger, der die Zügel fest in der Hand hält und entsprechend unangefochten agieren kann, würde so etwas wahrscheinlich - sicher kann man sich da nicht sein - eher nicht passieren. Zudem würde ein Konzept von Oben bis Unten durch geben. Er kann sich tatsächliche seine Mannschaft aus Zukäufen und passendem Nachwuchs zusammenbasteln.
Alle anderen sind für die finanziellen Rahmenbedingungen zuständig. Ich weiss nicht inwiefern Werder in der Lage wäre einen Neuanfang auch aus Liga Zwei heraus zu stemmen, aber zur Not muss auch einfach der Weg gegangen werden.
Ob das funktionieren würde, kann ich beim besten Willen nicht sagen. Im Moment ist das alles langsames Siechtum. Wirtschaftlich haben wir uns nach KA konsolidieren können. Da mache ich mir im Moment, zumindest so lange man die Klasse hält, wenig Sorgen. Ich Frage mich eher wohin man auf Dauer will. Das kann ja kein Dauerzustand sein. Mir gefallen die vielen personellen Wechsel in entscheidenden Positionen der letzten Jahre nicht. Mir gefällt nicht, dass man Verantwortung jetzt auf noch mehr Schultern verteilen will. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es dann immer viele Väter des Erfolges gibt, aber bei Mißerfolg sich fast alle in die Büsche schlagen und einer, es ist eben meist der Trainer, den Mist ausbaden muss.
Hier setzt auch meine Kritik an Baumann an. Er hat jetzt seinen Dritten Cheftrainer installiert und rund 50 Millionen in Ablösen geballert, wenn alle Zahlen so ungefähr stimmen. Der Ertrag ist derzeitig sehr mau. Klar sind das alles keine Summen mehr im Fussball, wenn man zu den ganz Großen schaut, aber in dem Konzert spielen wir schon lange nicht mehr mit. Das System, welches sich im modernen Profifussball etabliert hat, sorgt einfach dafür, dass der Teufel auch garantiert immer auf den größten Haufen sch***. Das ist ja in den US-Sportarten ein wenig anders. Durch Gehaltsobergrenzen und das Draft-System bei Nachwuchskräften wird da versucht zumindest etwas gegenzusteuern.
Wir müssen uns irgendwie behaupten. Laut Umfragen ist die Marke "Werder Bremen" im Fussball immernoch einiges Wert. So lange das noch so ist, müssen wir schauen, dass wir wieder irgendwie uns sicher in der Bundesliga etablieren mit der Möglichkeit vielleicht im Pokal mal einen Titel zu holen oder an die internationalen Plätze heranzuschnuppern. Oben aufgezeigtes System könnte eine Möglichkeit sein,