Das nenn ich mal ne Wertung. Das klingt ja fast so, als wenn Du Dich ein wenig detaillierter unterhalten möchtest

Also jeden geschriebenen Satz kann man viel weiter ausführen und ihn sogar von strategischen Worthülsen runterbrechen auf operationalisierte Maßnahmen der Organisationsentwicklung. Allerdings ist das sehr aufwendig und ohne nähere Kenntnisse von Vereinsgegebenheiten wirklich sehr mutmaßend. Manchmal reicht es zu wissen in welche Richtung man gehen muß. Der Rest findet sich. Wenn Dir der gestiegene Optimismus in den letzten 3 Monaten aufgefallen ist, dann ist das wohl unweigerlich mit dem Namen Kohlfeld verbunden. Tja und warum? Weil zum einen die Ergebnisse stimmen, aber vor allem weil er Mut und Anspruch versprüht und die selbst antrainierten Werder-Geißeln der Zero-Base Erwartungshaltung sehr auffällig und möglicherweise nachhaltig durchbricht. Und was passiert? Er nimmt die Leute mit. Und was war passiert als wir in der Konsolidierungsphase alles und jeden in grün weiss klein geredet haben? Genau das gleiche, die Spieler, Fans Medien, Funktionäre und Trainer wurden mit genommen. Nur in die falsche Richtung. Ich bin bis jetzt davon überzeugt, das wir bspw. dadurch unsere einstige Heimstärke eingebüßt haben.
Tja und das mit der Inaktivität, Phlegmatismus und zwanghaften Relativieren habe ich ja nun ausführlich erklärt. Da ging es insb. darum, daß wir jede Niederlage am Anfang dieser Saison relativiert haben und zwar mit dem Spielplan und dem Gegner und anderen Phänomenen. Aber nicht mit dem eigenen Handeln. Das ging soweit, das große Teile der Öffentlichkeit sehr belustigt darüber waren, wie Niederlagen schön geredet wurden. Man bekam die Enden nicht mehr aufeinander, da Realität und Erklärungen immer weiter auseinander drifteten. Mal ehrlich, wir starten gewohnheitsgemäß seit Jahren immer scheisse. Das ist die Wahrheit und das muß man dann auch einfach mal sagen. Daran muß man arbeiten, früher ein höheres Leistungsniveau erzielen in der Vorbereitung und nicht
zahlreiche Spieler testen, damit man bloß nicht wieder verpflichten muß. Seit Jahren verhauen wir unsere Vorbereitung mit diesen Tests, anstatt uns richtig einzuspielen. Ergebnis bekannt, die Talente gehen zurück in die U23 und wir stecken im Abstiegskampf. Das nicht zu erkennen bzw. was neues auszuprobieren und immer wieder die gleichen Muster runterzuspulen finde ich inaktiv (ich will nix änder), phlegmatisch (ich kann nix ändern) auch und am Ende zwanghaft. Es wirkt jedenfalls nicht dynamisch oder flexibel. Man darf sich ruhig ein größeres Portfolio an Handlungsmöglichkeiten zulegen. (Diese Vorbereitung war allerdings ein Sonderfall, da ich denke daß man ein neues Defensivkonzept probiert hat. Was ja tendenziell Veränderungsbereitschaft signalisiert)
Auf dem Weg hin zu neuem mutigen Anspruch und einem durchgängigem Leistungsgedanken im Verein (mit einer ausgewogenen Kritikkultur) kann man Floko nur wünschen, daß er die notwendige Unterstützung von seinen Chefs erhält. Damit meine ich nicht Rückendeckung, die sollte selbstverständlich sein. Damit meine ich Verpflichtungen, Kommunikation und aktive Unterstützung. Und nicht wie früher unter Otto oder Thomas, so nach dem Motto "der Trainer hat das Sagen und wir vertrauen ihm". Das Modell des Patriarchen Trainers geht heutzutage nicht mehr. Früher war es angebracht, aber Zeiten ändern sich. Die Vereinsphilosophie muß durchgängig von jedem aktiv gelebt werden; d. h. das auch ein Baumi Spieler kritisieren darf und auch die anderen GF mal sagen, das Ihnen etwas nicht gefällt.
Es wird Rückschläge geben bei diesem Weg, vielleicht schon gegen Bayern. Aber das ist egal, denn der neue Mut und das Anspruchsdenken dient einem höherem Ziel. Wer gegen Bayern unbedingt gewinnen will, wird das selbstverständlich nicht unbedingt schaffen. Aber es wird vielleicht dadurch ne Selbstverständlichkeit wieder gegen andere Vereine zu gewinnen ......