Winterpause, Zeit für eine Zwischenbilanz. Werder steht nach einem leichftertig verspielten Sieg im letzten Hinrundenspiel gegen Mainz auf dem Relegationsplatz. 15 Punkte nach 17 Spielen sind viel zu wenige, bis zum 10. Spieltag aber konnte man nicht einmal mit dieser niedrigen Punktzahl rechnen.
Abgesehen von der aktuellen Enttäuschung über den spät abgegebenen Sieg gegen einen direkten Konkurrenten, muss man mit diesen 15 Punkten fast schon zufrieden sein, wenn man der Konkurrenz über 10 Spieltage quasi freiwillig einen Vorsprung gibt.
Seit dem Trainerwechsel zeigt die Mannschaft, was in ihr steckt, u.a. an guten Tagen ein Sieg in Dortmund. Was wäre möglich gewesen, wenn man von Beginn der Saison an hätte gewinnen wollen?
Der langfristige Ausfall von Fin Bartels im ohnehin dünn aufgestellten Sturm wiegt schwer. Hier muss Werder in der Winterpause unbedingt reagieren. Die Hoffnung auf eine schnelle Entwicklung des jungen Johannes Eggestein zu einer wettbewerbsfähigen, echten Alternative hat sich bisher leider nicht erfüllt. Der Neuzugang Belfodil wirkte wie ein Fremdkörper, auch wenn er heute getroffen hat. Der teure Plan C nach dem di-Santo-Abgang, Aron JOhansson bekommt weiterhin kein Bein auf den Boden, Justin Eilers ist dauerverletzt. Der Abgang des letztjährigen Shooting-Stars Serge Gnabry wiegt für Werder schwer. Viel zu viel hängt hier von einem fitten und willigen Kruse ab. Im Sturm muss etwas passieren.
Das Mittelfeld ist insgesamt gut aufgestellt, allerdings ein wenig zu lauflastig. Es fehtlt ein Ballverteiler a la Grillitsch. Eine der positivsten Erscheinungen Werders in dieser Saison ist dabei aber Maximilian Eggestein, der mit hervorragender Laufleistung, Torschüssen und auch versuchten Spielverlagerungen die Entdeckung der Saison ist. Klasse Leistung bitte weiter so. An zweiter Stelle ist hier Delaney zu nennen, der nach 17 Spieltagen der laufstärkste Spieler der ganzen Liga ist. Spielerisch ließ allerdings auch er einige Wünsche offen.
Die Abwehr zeigt sich gegenüber der Vorsaison verbessert auch wenn die wenigen Gegentore der ultradefensiven´Taktik unter Niuri zu verdanken ist. Eine Spielweise die sich allerdings als absolut kontraproduktiv hinsichtlich Offensive, Spielwitz, Inspiration, Tor- und Punkterfolg, Selbstbewusstein, Perspektive, Saisonplanung und Laufbahn des ehemaligen Trainers erwies. Baumann hat sich diesen Wahnsinn viel zu lange mit angeschut, ehe er nach Ausgsburg endlich reagiert hat. Die Abwehr zeigt sich in einer 4er Kette mit Augustinsson, Moisander, Veljkovic und Gebre Selassie am stabilsten. Ähnlich wie Eggestein im MIttelfeld ist Veljkovic hier als eine der großen Entdeckungen der Saison zu nennen und aus dieser Mannschaft nicht mehr wegzudenken.
Im Tor hat Werder den wohl größten Leistungsspung nach oben gemacht. Der neue Torhüter Pavlenka strahlt meistens Ruhe und Abgeklärtheit aus, ist der Torhüter mit den meisten gehaltenene Torschüssen und wirkt, als stünde er schon Jahre lang im Bremer Tor. Die dritte Entdeckung der Vorrunde. Klasse.
Nun überwintert Werder auf Platz 16, dem Relegationsrang. Das ist nach einer heutigen schnellen 2:0 Führung gegen einen direkten Konkurrneten zunächst mal enttäuschend. Nach dem 10. Spieltag hätte aber wohl jeder Werder-Fan diese Platzierung unterschrieben, zumal die unmittelbaren vorgelagerten Plätze nicht weit entfernt sind.
Die Entwicklung unter dem neuen Trainer Kohfeldt stimmt. Die Mannschaft tritt meistens wieder wie Werder Bremen auf. Spielerisch, körperlich, mental zeigt sich das Team stark verbessert. Eine Vertragsverlängerung mit Kohfeldt dürfte nur noch eine Formalie sein. Danach hätte Kohfeld die Chance auf seine erste Vorbereitung mit dem Team. Auch wenn die Winterpause kurz ist, auch wenn zum Rückrundenstart gleich wieder Hochkaräter warten, ist diese Mannschaft konkurrenzfähig.
Die Tendenz stimmt, daran gilt es im Januar 2018 wieder anzuknüpfen. Gelint am MIttwoch noch der Einzug in die nächste Pokalrunde oder reißt eine fast 30 Jahre währende Heimserie?
Es bleibt spannend. Ein Umstand, an den wir vor 7 Wochen noch nicht zu glauben wagten.