also ich fand wir haben keine raute gespielt ^^ das war halt ein 4:3:3 mit falscher 9, die flügel tauschen war meistens nur bei standards. Daher schlechte recherche der kreiszeitung - das hat auch nix mit moderner raute zu tun.
Für mich war es auch keine Raute, sondern 4-3-3.
Ist das nicht dieser Schreiberling, der vor 2 oder 3 Jahren den haarsträubenden Bargfrede-Artikel verfasst hat, den Forsten oder wie der hieß im Worum ständig verlinkt hat?
Philosophiererei um eine "moderne Version der Raute" oder "4-3-3 nur auf dem Papier" ist doch völlig fehl am Platze. Es spielt keine Rolle, ob einer Kruse als "spielmachenden Zehner" definiert, natürlich war Kruse der Schlüsselspieler gestern. Aber unabhängig vom System. Er war es deswegen, weil er mit Verstand Fußball spielt. Und bildete zusammen mit Delaney und Eggestein das spielerische Dreieck. Das aber nicht wegen 4-3-3 oder 4-4-2 oder Raute oder was auch immer, sondern weil es die Einzigen neben Moisander sind, die spielerisch in dieser Truppe überhaupt was zuzusetzen haben.
Bartels und Junuzovic tauschten weder häufig die Seiten, noch bewegten sie sich "auch sonst ständig in freie Räume". Kommt drauf an, welche freien Räume gemeint sind. Positionswechsel Bartels und Junuzovic ergaben sich in erster Linie durch Verschiebungen des gesamten Teams zur Ballseite, was das Team gestern lange Zeit gut gemacht hat. Und machen konnte, weil die Laufbereitschaft 70 Minuten lang so hoch war wie selten in dieser Saison, vor allem höher als bei Frankfurt. Bartels und Junuzovic beackerten aus meiner Sicht anders als es der Journalist behauptet nicht ständig die Halbräume, sondern hielten meist ihre Positionen, sorgten für Breite und belebten die Flügel. Das war wichtig. Natürlich ist das variabler als früher, besonders in der Rückwärtsbewegung, wodurch Junuzovic/ Bartels in Halbräumen auftauchten, aber daraus eine moderne Interpretation der Raute zu stricken?
Vor allem aber war Bargfrede gestern kein Ankerpunkt vor der Abwehr, so ein Schwachsinn.
Dessen Hilflosigkeit mit dem Spiel vor sich fand ich einmal mehr frappierend. Gegen den Ball unfassbar lange Schaltpausen, Träumerei, keine Ahnung von einfachsten Zuordnungen und vom Verschieben zu Ball und Gegner. Man kann mit einem taktischen Analphabeten im Zentrum kein verkapptes 4-3-3 mit erhöhtem Risiko und kürzeren Abständen in der Offensive spielen. Für mich ein Knackpunkt gestern, und kein Ankerpunkt. Wir waren schon in HZ 1 trotz uninspirierter Frankfurter oft genug anfällig, auch und vor allem wegen unserem 44er, der es beständig schaffte, falsch zu stehen, den wichtigen Zweikämpfen aus dem Weg zu gehen, dafür aber an anderer Stelle aufzutauchen, wo er nichts zu suchen hatte. Bezeichnend vorm 1:0, wo Bargfrede zu Veljkovic rennt, um Haller zu doppeln, sich dann auch noch falsch zum Gegenspieler stellt und Veljkovic behindert, so dass Haller in den Rückraum prallen lassen kann. Zu dem Spieler, den Bargfrede stattdessen die gesamte Zeit in seinem Rücken nicht beachtet hatte. Und der so letztlich mit jeder Menge Raum und Zeit (und Glück beim Abfälschen) den Pass zu Rebic raus spielen kann. Vom Spiel in Ballbesitz mit Bargfrede ganz zu schweigen. Hatte Werder gestern den Ball, war Nr. 44 abstinent, nicht anspielbar, hatte er doch mal den Ball, dann Pässe zur falschen Seite oder zum falschen Mitspieler etc.
Delaney und Eggestein rückten im Mittelfeld nicht permanent "nach vorne", sondern auch viel nach hinten und in die Halben, weil Bargfrede heillos überfordert war, sowohl die Räume zu sichern, als auch im Aufbau. Und nicht weil Werder quasi als taktische Vorgabe "moderne Version der Raute" spielte. Das hat dem Team nach hinten heraus meinen Eindrücken nach zu viel Kraft gekostet. Nicht weil "Boateng Bargfrede bewachte" und die Doppelsechs "Delaney/ Eggestein in Deckung" nahm, so ein Käse. Es war für mich keine Raute, die scheiterte und die Flügelzonen nicht verteidigen konnte, sondern weil Werder zuviel die Aussen preisgeben musste, da im Zentrum Präsenz fehlte. Und das wird immer schwerer mit (nachvollziehbar) abnehmender Kraft. Wie Delaney beim 1:2 nicht mehr folgen konnte und beide Innenverteidiger den uralten Fehler begehen, auf den Ball zu warten, statt aktiv zu werden, als Paradebeispiel.
Davon abgesehen sind gerade einmal 37 Ballkontakte und 23 geführte Zweikämpfe, wovon auch noch 52% verloren gingen, für einen zentralen Mittelfeldspieler im 4-3-3 erbärmlich. Kohfeldt ist halt dem alten Trainerirrtum von Dutt oder Skripnik aufgesessen, Bargfrede als Zentrumsspieler zu sehen oder war, was ich fast eher vermute, bei dieser Personalie von irgendwelchen äußeren Einflüssen fehlgeleitet.
Die Auswechslung überfällig, warum dann aber Kainz kam, konnte ich mir nicht erklären.
Ansonsten fand ich gestern Positionsspiel und Raumaufteilung stark verbessert, was das angeht das Beste diese Saison. Junuzovic auf der Position wesentlich erträglicher als sonst, also dort wo er mehr den Gegner verwirrt als die eigene Mannschaft. Und so teilweise sogar Aktivposten. Hätte später allerdings ausgewechselt werden müssen. Belfodil wiederrum hätte ich mir viel früher gewünscht, weil uns seine Art zu spielen in der zweiten Halbzeit zur Entlastung gefehlt hat.
Mit dem Kader ist Balance schaffen schwer. Kohfeldt hat sich von Bargfrede in der Mitte Ballsicherheit und Schnörkellosigkeit versprochen, was ich irgendwo nachvollziehen kann, aber die Rechnung ohne dessen eklatant fehlendem Spielverständnis gemacht. Die Frage bleibt trotzdem, welche Alternativen wir haben, wenn ein Trainer Werder so spielen lassen will, wie Kohfeldt gestern. Sicherlich auch eine, die sich Nouri stellte.