Heute aus MEIN Werder von Jörg Wontorra:
Nichts ist unmöglich in der wildbewegten Werder-Welt dieser Tage, und alles ist offen. Oder besser gesagt: Sie lassen sich alles offen in der Kommando-Zentrale am Osterdeich, auch in Sachen Florian Kohfeldt. Welches Etikett steckt denn nun an seinem Revers? Interimslösung? Platzhalter für den unbekannten Retter? Oder doch Erneuerer mit Langzeitperspektive? Die Bosse halten sich noch bedeckt, weil sie dieses Mal besonders sorgfältig umgehen wollen mit der Trainerpersonalie, und das scheint auch gut so nach den beiden letzten Erfahrungen. Aber dennoch muss zügig eine Entscheidung her, damit die Führungsriege die Köpfe frei hat für das große Ganze. Denn da hakt es am meisten: Bremens Vorzeigeklub fehlt es an Visionen und Unternehmergeist, um in einer radikal veränderten Fußball-Landschaft bestehen zu können.
Werder wie ein Bauchladen
Innerhalb des hochgezüchteten Bundesliga-Betriebes kommt Werder inzwischen wie ein (zugegebenermaßen sympathischer) Bauchladen daher. Bloß keine Schulden machen, bloß nicht mehr ausgeben als einnehmen, und am liebsten alles intern lösen, weil es sonst zu teuer werden könnte. Um es auf einen Satz zu verknappen: Das ist zu kurz gesprungen. Denn auf Dauer kann so eine Politik sogar eher Geld kosten als Geld bringen.
Beispiel Trainer: Zweimal wurde auf dieser Position mit Bordmitteln hantiert, zweimal wurden die Verträge sogar noch kurz vor der jeweiligen Trennung verlängert. Und so belasten die Herren Skripnik und Nouri noch länger den Etat. Kein guter Deal! Wohlgemerkt: Die Entlassung von Alexander Nouri war dabei noch absolut folgerichtig. Nicht nur wegen der fehlenden Ergebnisse, sondern weil auch ein Teil des Teams dem Coach nicht mehr bedingungslos folgen mochte.
Bei einem der letzten Punktspiele sind Profis auf den Gegner zugegangen, und es fiel der Satz: „Könnt Ihr uns heute nicht mal wegschießen, dann sind wir endlich den Trainer los.“ Was sich übrigens nicht gegen den Menschen Nouri richtete, sondern gegen seinen Auftrag. Die Schießbude sollte er schließen, aber einigen kam bei diesem Versuch schlicht der Fußball zu kurz.
Beispiel Kader: Um die neun Millionen hat Werder in dieser Saison bei Transfers bewegt und sich dabei unter allen Wettbewerbern gerade mal auf Platz 17 eingeordnet. Hauptsache, die finanzielle Bilanz war ausgeglichen. Das Ergebnis: Die Mannschaft hat einen erheblichen Qualitätsverlust erlitten. Gondorf und Belfodil gehen trotz niedriger Ablöse oder geringer Leihgebühr nicht wirklich als Schnäppchen durch, dazu fehlt einfach der sportliche Ertrag. Spieler wie Gondorf oder Belfodil sind aber Sinnbild für die unternehmerische Ausrichtung. Lieber Durchschnitt, bevor sie bei Werder ein Risiko nehmen müssen. Der Verein scheut Investitionen, obwohl sie in der Branche notwendig geworden sind, und ihm ist die Fähigkeit abhandengekommen, groß zu denken. Komischerweise sitzen im Aufsichtsrat erfolgreiche Firmenlenker, die den Vorständen erklären könnten, wie das Prinzip funktioniert. Kurt Zech, einer aus dem Kontrollgremium, hätte immer noch einen kleinen Baubetrieb und wäre nicht global aufgestellt, wenn er nicht mit Wagemut ausgestattet wäre.
Werders Philosophie verträgt sich nicht mehr mit dem Anspruch, ein anerkanntes Mitglied in der Beletage des deutschen Fußballs zu sein. Und darum sollte Werder umdenken. Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder Ausbildungsverein sein und dann auch mal den Weg des SC Freiburg gehen oder auch mal richtiges Geld in die Hand nehmen und zwei Transfers tätigen, die dem Kader Qualität zuführen.
Denn eins ist klar: Auch wenn die Spieler jetzt eine Reaktion zeigen, werden sie bis zum Ende gegen den Abstieg spielen. Durch die Sparfuchs-Käufe von Frank Baumann fehlt einfach die Klasse, weil Lidl halt doch nicht Grashoff ist. Und daran wird auch der neue Trainer nicht viel ändern können – egal, ob er Kohfeldt heißt oder Labbadia.
Ende

JW ist nun wahrlich nicht mein Freund, aber hier schreibt er zum Thema Zukunft/Investitionen doch ein paar richtige Worte. Im Übrigen
schreibt er es nicht erst heute.
Es wird augenscheinlich wo das eigentliche Problem von Werder liegt.