Mannschaftssituation hin oder her, seit Jahren erleben wir immer wieder den gleichen Horror: lange sieglose Zeiten und eine gefühlt immerwährende Angst, dass der Abstieg in die 2. Bundesliga immer näher rückt. Das grundsätzliche Problem liegt dabei offen auf auf der Hand: die völlig unzureichende finanzielle Ausstattung dieses Vereins! Meines Erachtens betreibt die gesamte Vereinsführung und insb. ein großer Teil der Fanbase, der immer wieder die totale Unabhängigkeit des Vereins als wichtigste Zielsetzung beschwört, eine gehörige Augenwischerei und nimmt dabei das sehr reale Risiko eines baldigen Abstiegs bewusst in Kauf.
Ein Verein, der dauerhaft nicht in der Lage ist, Spieler aus vorhandenen Mitteln (und eben nicht aus nur Transfererlösen) zu verpflichten, bis zur Vorbereitung das Mannschaftsgerüst beisammen zu haben und zumindest mit vermeintlichen kleineren Vereinen wie Freiburg, Köln oder Mainz zu konkurrieren, hat in der ersten Liga einfach nichts zu suchen. Und zwar unabhängig davon, dass es sich um einen Traditionsverein mit gehörigen Erfolgen handelt. Und auch ungeachtet dessen, dass es für uns zurückliegend zum Ende der Saison immer noch einmal gut ausgegangen ist und wir dem Abstiegsteufel von der Klinge springen konnten. Es ist nur eine Frage der Zeit (und einer schlichten Wahrscheinlichkeitsrechnung), wann das nicht mehr gelingt.
Die Vereinsführung wird nicht umhin kommen, einen strategischen Investor für Werder zu finden. Ob dies sofort geschieht oder - dann allerdings unter sehr viel schlechteren Vorzeichen und demzufolge auch zu deutlich schlechteren Bedingungen - nach einem Abstieg, mögen die Verantwortlichen allein entscheiden. Aber der Weg ist ganz klar aufgezeigt: die englischen Clubs gehen diesen Weg seit Jahren; Real, AC Mailand und Juve, Bayern, Bayer, Wolfsburg, BVB und Schalke haben allesamt über 10 Jahre hinweg und länger vergleichbare Konzepte verfolgt. Hoffenheim, Leipzig, Hannover und der HSV zeigen ebenfalls, was auf diesem Wege möglich ist und was das für die sportlichen Ambitionen der Ewiggestrigen (wie Werder) in der Konsequenz bedeutet.
Da in Bremen besonders hartnäckige Realitätsverweigerer am Werk sind, erwarte ich persönlich bis auf weiteres nichts mehr. Schlimmer noch, weiss ich inzwischen nicht mehr, was besser für den Club wäre: Ein schneller Abstieg und hieraus folgender heilsamer Schock, endlich die Realitäten der 2010er Jahre zur Kenntnis zu nehmen oder erneut nur ein um Haaresbreite verhinderter Abstieg und hieran anschließende lahme Bekundungen der Vereinsführung, dass man die bisherige strategische Ausrichtung konsequent weiterverfolgen wolle und nur hart genug gearbeitet werden müsse, damit sich der Erfolg einstellt. Denn letzteres würde bedeuten, dass ich bis ans Ende meiner Tage weit überwiegend nur noch trostlosen Fussball-Wochenenden entgegensehe. Vielleicht sollte ich über ein Fussballasyl nachdenken..