Genau an dem Fettgedruckten entzündet sich doch meine Kritik. DFL und DFB arbeiten diesbezüglich Hand in Hand. Eine Regel, die man permanent unterläuft, ist keine Regel mehr sondern bestenfalls eine Empfehlung. Daher ja auch meine Aussage, dass der DFB sofort weiteren Investoren wie zB Mercedes Tür und Tor öffnet, sofern die ernsthaft in Stuttgart zu 100% einsteigen wollten. Auch der fundamentale Herr Rettig hat in seiner Eigenschaft bei der DFL rumgetönt, dass er RBL verhindern würde. Das Ergebnis sehen wir.
Warum besteht denn die 50+1 weiterhin fort? Weil es ein Gentleman Agreement unter den Vereinen gibt, gegen diese Regel nicht zu klagen. Die wissen genau, was passieren wird, nämlich wie seinerzeit bei Bosman. Das Deutsche Vereinsrecht über den europäischen freien Waren-Verkehrs-Markt zu stellen, ist doch naiv. Ismaik hat doch eine Klage angekündigt. Hat er sie denn eingereicht? Keine Ahnung?
Wenn morgen Milliardär X sich überlegt, zB bei RW Essen einzusteigen und es nach dem Modell Leipzig aufzubauen, wird die DFL und der DFB Spalier stehen und es durchwinken. Essen alter Traditionsverein und mal Mitglied der Bundesliga gewesen, würde passen. Was für einen Mateschitz gilt, würde für Mister X allemal gelten. Gleiches Recht für Alle.
Sie haben die Büchse der Pandora längst geöffnet, aber die Kriterien überhaupt nicht festgelegt. Man hofft auf das freie Spiele der Kräfte, die auch wirken.
Daher meine Forderung nach Abschaffung und Festlegung der Kriterien! Wenn ein Gaul tot ist, steige ich ab und prügele nicht weiter auf ihn ein.
Deine ganzen Posts sind vom Glauben beseelt, dass diese unheilvolle Entwicklung implodiert und sich zurückbildet. Ich bilde den Gegenpol und schreibe " Noch lange nicht, das fängt erst an". Begrüßen tue ich das nicht. Aber wenn man schon dem Kommerz in jedweder Form hinter rennt, dann sollte man zumindest Chancengleichheit für Alle schaffen. Dann bleibt es jedem selber überlassen, ob er dem folgt oder nicht. Aber kontrolliert sollte es sein, vgl. definierte Ein- und Ausstiegsszenarien.
Ich fang mal hinten an: "Vom Glauben beseelt" klingt, als würde ich halluzinieren. Ich kann Dir versichern, dass das nicht der Fall ist. Vielmehr ist die Entwicklung, die Rückbildung schon gestartet. Wenn innerhalb dieser Diskussion mindestens jeder Zweite bekennt, dass ihn die Entwicklung immer stärker anwidert, wenn selbst langjährige Fußballanhänger sich vom Sport abwenden, wenn sie den immer teureren Konsum zunehmend verweigern, wenn selbst die einzige Protagonisten einer immer stärkeren Vermarktung lauthals einen Umschwung fordern, sind wir kurz vor der Implosion. Das ist keine Einbildung meinerseits, es ist ein sich zunehmend verstetigender Trend.
Ich wiederhole mich gern, wenn ich Dir hiermit nochmal bestätige, dass ich Deine Kritik an DFB ubd DFL teile. Das ändert aber nichts an der Grundforderung!
Es wird irgendwann eine juristische Klärung der Situation geben. Dann aber steht nicht nur die 50+1 Regel zur Disposition, sondern die gesamte Stellung des Profisports, seiner Wettbewerbe, seiner Regeln, der Ausnahmen, seiner Traditionen und Gepflogenheiten.
Du sprichst vom "Streben nach dem freien Spiel der Kräfte"! Das stimmt nur zum Teil. Was den freien Kapitalverkehr anbelangt, ist man stets sehr offen, allerdings auch nur in eine Richtung. Den möglichen Abfluss von MItteln möchte man verhindern. Was freien Personenverkehr, Arbeitnehmerfreizügigkeit anbelangt, ist man weit weniger offen. Was Vertragsrecht anbelangt, verbittet man sich jedwede Einmischung. Am Fall der Eisschnell-Läuferin Claudia Pechstein erkennt man, wie fragil dieses Gebilde sein kann. Wenn eine Sportlerin plötzlich vor einem ordentlichen Gericht gegen die Sportgerichtsbarkeit klagt, dann gerät der Profisport ins Wanken.
Einerseits schreibst Du von "Gleichem Recht für Alle" und größtmögliche Freiheit, andererseits von "Ein- und Ausstiegsszenarien"! Vor welchem Gericht sollten die denn standhalten, wenn es die 50+1 Regel nicht tut?
Der Leistungssport an sich beansprucht für sich Sonderrechte, die ihm bisher größtenteils auch gewährt werden. Diese sind keine rein deutschen Erfindungen, auch wenn die 50+1 Regelung hier eine Ausnahme bildet.
Kurzum: Die Verantwortlichen wissen um die Situation des Sports und halten sich mit Klagen zumeist zurück. Scheitern wird das gesamte System irgendwann an Investoren wie Kind, Ismaik oder Mateschitz, denen der Sport eigentlich herzlich egal ist. solange der schnöde Mammon ruft. Solange das nicht der Fall ist, muss man an der 50+1 Regel festhalten.