Ich halte die ganze TP von FB für nicht schlüssig, weil der Verein Ziele formuliert, die mit ihrem Verhalten am Markt nicht kongruent sind. Sie suggerieren ihren Fans, dass sie international wieder dabei sein wollen und daher den Kader sukzessive verstärken und ausbauen wollen. Soweit so gut. Als Mittel werden dann kreative Transfers vorgestellt. Gleichzeitig will man Leistungsträger nicht unbedingt abgeben, wie Junuzovic zB. obgleich der gehen wollte!
Man verhandelt wochenlang mit einem Selke, der gerne in Bremen wieder spielen wollte. Also war man doch von ihm sportlich überzeugt?!
Man scheute entgegen der eigenen Überzeugung eine Fremdfinanzierung. Es gibt in Bremen immer ein Totschlagargument bzw. Frage: wer garantiert uns denn, dass besagter Selke seinen Wert hält oder sogar erhöht. Immer gleiche Antwort: Keiner.
In diesem Geschäft gibt es keine Garantien. Man arbeitet mit Wahrscheinlichkeiten. Ein Eberl an gleicher Stelle hätte den Transfer irgendwie bewerkstelligt und wenn der Verein hätte Geld aufnehmen müssen. Jeder Banker könnte hier einen Finanzplan bei zB 5 Mio€ Kredit erstellen und aufzeigen, wie überschaubar die Belastungen durch Zins und Zinseszins sowie Tilgung wären. In diese Bewertung gehört auch die Betrachtung des Transfersystems Bundesliga. Die Preise steigen und die Erlöse somit auch, vgl. Brooks, Cordoba etc. Dazu kommt, dass die EM von 2009 ihren Marktwert zumeist deutlich gesteigert haben. Das reduziert das Risiko bei einem Selke, einem deutschen U21 Europameister.
Finanziell haben sie mehr Geld im EK, welches sie mit 0,1 -0,3 % fest verzinsen können und einen algerischen Wandervogel, der in jeder starken Liga gescheitert ist.
Sie haben keinen neuen IV, keinen im MF und nun im Sturm Jenen. Selbst wenn der nun 10-15 Tore schiessen sollte, ist er am Saisonende weg, weil er mit 10 Mio€ einfach nicht bezahlbar ist.
Werder muss bei seinem Modell jede Saison seine besten Spieler verkaufen, um dann das besagte Superschäppchen machen zu können, was dann wiederum ein Jahr später verkauft wird usw. usf..
Wenn ich ein Unternehmen weiter entwickeln will, muss ich viel Geld in die Hand nehmen. Tue ich das nicht, werden die Marktgesetze greifen und ich werde abgehängt werden.
Jetzt hoffen wir mal, dass wir in die Spur nach 5 Niederlagen in Folge zurückfinden?!
Wenn man genauer hinschaut, ist Werders Kaderplanung kongruenter als obige Argumentation.
Werder und der Geschäftsführer Sport haben sich, wie sehr häufig zuvor auch, "am Machbaren orientiert"!. Dabei hat Baumann aktuell Spieler für die Defensive (Pavlenka, Augustinsson), fürs Mittelfeld (Gondorf), und für den Sturm ( Zhang, Belfodil) verpflichtet. Bei allen Zugängen ist der Verein seinem Grundsatz der vernünftigen Finanzierung treu geblieben. Mit Augustinsson wurde nach vergleichsweise langfristiger Planung ein absoluter Wunschspieler für eine jahrelang problematisch besetzte Position gefunden. Mit Gondorf, Pavlenka und Belfodil jeweils einer von mehreren gleichzeitig beobachten Spielern, die einem zuvor klar definiertem Profil entsprechen. Einzig der Zugang Zhang erscheint sportlich ein wenig fraglich. Bei jenem schienen aber ohnehin marketingpolitische Gründe den Ausschlag gegeben zu haben. Das finanzielle Risiko hält sich auch bei ihm in Grenzen.
Bei genauerem Hinsehen, stellt man fest, dass es Werder, beinahe nebenbei, gelungen ist, auch für das U23 Team ein konkurrenzfähiges Team zusammenzustellen.
Nach dem Abgang der Routiniers Pizarro und Fritz wurde der Generationswechsel fortgesetzt. Dabei wurde auch auf einen leichteren Übergang zwischen den beiden Profiteams geachtet, so dass Talenten wie J. Eggestein und Schmidt nicht der Weg in den Kader der ersten Mannschaft versperrt wird.
Anders als in vielen Jahren zuvor, ist es, wie beabsichtigt, gelungen, Leistungstrager wie Junuzovic, Kruse, Delaney zu halten.
Die Behauptung "Man scheute entgegen der eigenen Überzeugung eine Fremdfinanzierung".
erscheint wenig kongruent. Gegen die eigene Uberzeugung??
Man war von Selkes Potential genauso überzeugt wie später von der Erkenntnis, dass der von Leipzig aufgerufene Preis zu hoch sei.
Dass eine Preiserhöhung eines Spielers das Risiko des Vereins bei dessen Einkauf senkt, erscheint zumindest erklarungsbeduerftig.
Welche Rolle die Vergangenheit des neu verpflichteten Stürmers spielt, wenn er angeblich ins Profil passt, ebenso.
Gerade ein Eberl hat in den letzten Jahren mehrfach sein Vorgehen bei der Auswahl von Spielern sowie seine Motivation bei der Finanzierung derselben geschildert und dabei auch und gerade Werder als warnendes Beispiel genannt. Seine eigenen Erfahrungen mit den Spielern Jonas Hoffmann, Drmic und Luuk de Jong bewirken bei ihm inzwischen ihr uebriges.
Was Eberl besser gelang als Baumann bisher, war der lukrative Verkauf von Spielern. Xhaka. Reus und Kramer lassen grüßen.