Was mich auch massiv stört ist, dass hier im Zusammenhang mit einem Siebenjährigen von "betteln" gesprochen wird. Vielleicht hatte der Kleine gerade seine erste Idee, wie er zu Chips kommen könnte und hat irgendwas im TV gesehen. Mir hätte unter Umständen die Initiative des Jungen sogar gefallen und ich hätte ihm die 50 Cent gegeben. Meine Kinder hätten in dem Alter nie das Selbstvertrauen gehabt, andere Leute um Geld anzuhauen. Was mir auch massiv missfällt ist Deine Aussage, dass Du nicht arbeiten gehen würdest, um Kindern fremder Leute 50 Cent zu geben (sinngemäß). Natürlich geht man nicht dafür arbeiten, aber die 50 Cent würden einem auch nicht wirklich weh tun. Wer bei einem Betrag von 50 Cent mit seiner heroischen Arbeitsleistung argumentiert, hat irgendwie den für mich falschen Fokus.
Selbstvertrauen hatte der Kleine, das stimmt. Und höflich und ehrlich - immerhin - war er auch.
Dessen ungeachtet - wie anders nennst Du sein Handeln denn, wenn nicht "betteln"? Nenne es meinetwegen schnorren, wenn Dir das besser gefällt ;-) Es kommt aber auf dasselbe raus. Initiative hin oder her - wenn ein Kind merkt, dass die Masche funktioniert, wird es das Spielchen immer wieder probieren. Und das findest Du fördernswert? Ich nicht. Die einzige Konstellation, in der ein Kind fremde Leute um Geld bitten sollte, ist aus meiner Sicht, wenn es sich in einer Notsituation befindet.
Mir ist nicht klar, warum der Fokus falsch sein soll, wenn ich sage, dass ich nicht dafür arbeite, einem wildfremden Kind Geld zu geben. Ich finde es richtig, wenn ein Kind versteht, dass Geld - und dabei ist es egal, ob 50 Cent oder 500 Euro - erarbeitet werden muss und dass jeder überlegt, wofür er sein erarbeitetes Geld ausgibt und wofür nicht (BTW: wo Du gelesen hast, dass ich meine Arbeitsleistung als heroisch werte, erschließt sich mir nicht). Ich bin immer wieder fassungslos, wie ungehemmt Kinder im Supermarkt oder auch beim Bummeln in der Stadt lautstark dies, das und jenes haben wollen (oder am besten direkt in den Einkaufswagen legen) - und wie wenig viele Eltern dagegen steuern. Wie ein Kind so den Wert von Geld erkennen soll, ist mir ein Rätsel (aber da ich ja kinderlos bin, sind meine Beobachtungen natürlich nicht relevant, richtig?).
Neben diesem "Argument", das ich geäußert habe, gibt es aber noch ein zweites, das für mich entscheidend für das "Nein" war. Der Kleine war leicht übergewichtig. Wenn die Eltern dem nicht entgegen wirken, ist das ihre Entscheidung. Ich als Außenstehende muss es aber nicht fördern, indem ich Geld für Chips locker mache. Noch nicht einmal ein mir bekanntes Kind würde, würde es mich darum bitten, von mir Geld für Chips bekommen. Ich bringe Kindern von Freunden, wenn ich zu Besuch komme, nie Süßigkeiten mit, denn die allermeisten Kinder haben bzw. bekommen davon ohnehin mehr als reichlich. Dafür ernte ich immer wieder Unverständnis bis hin zu (harscher) Kritik (seltsamerweise nie von den Eltern der Kinder, die leer ausgehen ;-)), was mich aber herzlich wenig interessiert....