Schaaf: "Wir haben in dieser Saison Dinge erlebt, die wir nicht vorhersehen und
nicht beeinflussen konnten. Nur ein paar Beispiele: Die Debatte um die Olympia-Teilnahme unserer Spieler; Torsten Frings und das Thema Nationalmannschaft; das Leistungsloch, in das einige gefallen sind; die Verletzungen - das war zu viel an zu vielen Fronten"
(
http://www.kreiszeitung.de/werdersolo/00_20090401003452_Warnung_vor_der_Schludrigkeit.html)
Naja, also ich finde das Interview auch nicht gerade glücklich... Die Debatte um die Olympia-Teilnahme konnte man sehr wohl beeinflussen und auch die Verletzungen konnte man vorhersehen: geht ja schon seit Ewigkeiten so! :zweifeln:
Da gehen eben die Meinungen auseinander.
Sollte Werder Diego die Olympiateilnahme verwehren? Oder ihn danach rausschmeißen? Was oder wem hätte das irgendwas gebracht? Die Sache ist genau so gelaufen, wie sie laufen musste. Und da war nicht viel zu beeinflussen. Punkt.
Ebenso die Verletzungen - das ist nie und zu keiner Zeit vorhersehbar. Oder wollen wir eine excel-Tabelle erstellen mit linearem oder progressivem Diagrammverlauf einer Saison, die aufzeigt, wann und zu welcher Zeit Werder wieviele Verletzte hatte? Das ist doch Unsinn, so einfach ist das Leben nicht, sonst könnten wir uns morgens hinsetzen und sagen,, so wird`s kommen".
Viel mehr waren es andere Dinge, die mMn vielleicht eher abzuschätzen gewesen wären und die hat TS sogar ansatzweise angesprochen wie:
"Seit Januar ist das anders. Wir haben in der Winterpause ganz intensiv an der Abstimmung gearbeitet und haben eine Fülle von Spielen gut bewältigt. "
Zwar mutet das komisch an, weil der Rückrundenstart im Grunde - zumindest ergebnismäßig - wie immer verlief. Doch bei genauerer Betrachtung - und da danke ich z. bsp. @karlotto und @dkbs, die mich ein bisschen von der zu emotional geführten Kritik abgebracht und sachlicher analysiert haben - war mMn tatsächlich etwas anders. Im Frühjahr 2007 und 2008 erlebten wir mehr heilloses Offensivspektakel ohne Rücksicht auf Verluste, als das diesmal der Fall war. Es wurde schon versucht, kompakter zu stehen und so die Spiele über mehr Sicherheit anzugehen. Dass dabei bisher ebenso wenig rauskam, steht noch auf einem anderen Papier, aber grundsätzlich finde ich die Vorgehensweise sehr gut. So gesehen glaube ich Schaaf das mit der intensiven Arbeit im Winter.
Mit Schaaf`s Aussage, dass es insgesamt zu unruhig war, gehe ich nicht ganz konform. Denn vielleicht hat gerade das aufgerüttelt und einige mehr wach gemacht als in den letzten Jahren, so dass nun auch mehr getan wird. Kann sein, muss aber nicht. Aber die Tatsache, wie Dinge gewertet werden, spricht wiederrum für den seriös geführten Verein Werder Bremen.
Darüber hinaus gebe ich TS völlig recht, wenn er meint:
Wenn man sich dann noch die Mühe macht und die einzelnen Spiele zerstückelt, sieht man, dass es einiges gab, das bei der Beurteilung unten durchrutscht....
... Die Statistiken der einzelnen Spiele ließen nicht immer auf das Ergebnis schließen.
Sehe ich ebenso, habe kein Rückrunden-Spiel gesehen, in dem der Gegner wirklich besser war als Werder, darüber hinaus gab es - abgesehen vom Bayern-Spiel - immer ein klares Bremer Chancenplus und genauso lagen die Spielanteile regelmäßig pro Werder. Auch etwas, das bei aller (berechtigter) Kritik nicht vergessen werden sollte.
Ausserdem bin ich der Meinung, dass wir in Spielen wie gegen den AC Mailand oder in den DFB-Pokal-Partien bei gleichem Verlauf letzte Saison noch ausgeschieden wären.
Wenn das der Ansatz sein wird bei der Analyse nach der Bundesliga Saison, dann wird die nächste Spielzeit in der Liga kaum besser werden. :?
Dem kann ich einfach nicht zustimmen. Ich hoffe diesmal, besonders weil die Endplatzierung keinesfalls eine sein wird, die alle zufriedenstellt, dass da etwas passieren muss (und ja teilweise schon passiert). Bleibt die Erinnerung an 91/92, wo Otto und die Spielweise mehr als jemals zuvor in der Kritik standen, viel von überholtem System gesprochen wurde. Dann kam der EC-Sieg, danach Andreas Herzog, dann die Meisterschaft und noch ein Pokalsieg.
Letztlich ist es unter dem Strich das Saisonfazit im Ergebnis, auf das selbst ein zugegeben so konservativ handelnder Verein wie Werder reagieren muss.
Für mich ist dieses ein viel konstruktiver geführtes Interview von Schaaf als vieles, was wir von ihm in den letzten Monaten gehört haben.
Letztendlich ist doch bekannt, dass in Interviews nie die volle Wahrheit gesagt wird und schon gar keine Interna ausgeplaudert werden. Es sind Dinge genannt worden, die in der breiten Öffentlichkeit ohnehin bekannt sind. So minimiert man öffentliche Diskussionen. Solange die schwerwiegenden Gründe erkannt und intern angepackt werden, ist mir das auch durchaus Recht.
Selbst wenn manches in der Öffentlichkeit bekannt ist, ist es mE die Frage, wie das von Vereinsseite dann dargestellt und argumentiert wird. Das hat Werder in den letzten Jahren nicht besonders gut hingekriegt, vor allem weil das, was sich vornehmlich auf dem Platz abspielte, selten darauf schließen ließ, dass Probleme auch wirklich angenommen und angegangen wurden. Wodurch ein konstruktives Wirken intern eben auch wenig nachzuvollziehen war. Die öffentliche Diskussion an der falsche Stelle zu minimieren, kann auch blockieren, spätestens wenn die tiefer gehenden Probleme (die freilich von jedem anders interpretiert) nicht erkennbar abgestellt werden.
Soviel dazu, aber jetzt schauen wir uns erstmal an, was die nächsten zwei Monate bringen und da bin durchaus zuversichtlich.