Das ist eine schöne Wunschvorstellung. Realistischer erscheint mir jedoch ein Flüchtlingssoli, eine Zusatzsteuer beim Benzin (so aberwitzig ich das auch finde) oder die MwSt wird mal wieder angegangen. Damit schön alle blechen. Und da bin ich ehrlich: Dazu wäre ich allein aus Gründen der Flüchtlingsproblematik und angesichts eigentlich erzielter Steuerüberschüsse in Milliardenhöhe nicht bereit.
Die in dem Video von mir gesehenen Dinge fielen auch nicht mehr unter Unsauberkeit. Das war wirklich Schweinestall pur. Umgekippte Stühle, Essensreste auf dem Boden und an den Wänden, zerdeppertes Geschirr in Räumen und Fluren sowie bis ins Treppenhaus verteilt.
Filmen darf ich leider nicht im Camp, denke ich zumindest. Aber ich kann dir versichern, dass es bei uns sehr ordentlich ist. Es gab einen Afghanen, der beim Kacken nicht das Klo benutzte. Wieso er das tat wissen wir nicht. Aber ansonsten ist es sehr sauber. Einige Flüchtlingsgruppen ziehen mit Eimer und Besen durchs Camp und machen sauber. Ich esse bei den Flüchtlingen und dort ist es sauber. Wenn ich fertig bin, muss ich zusehen, dass ich meinen Teller selbst entsorge. Oft aber sind einige Kids oder Männer schneller und räumen alles weg.
Auch die Unterkunft selbst inkl der Flure sind sauber. Ich habe auch noch kein schmutziges Zimmer gesehen. Dabei war ich schon in vielen Zimmern... Wenn irgendwo Bonbonpapier liegt, räumen sie es selbst weg. Das sind meine Erfahrungen und das, was ich live sehe...
Ob das Bewohner in den 3 anderen Camps, wo ich bisher auch war, auch so machen, weiß ich nicht. Ich bin halt fast nur in "meinem" Camp...
Alles in allem erlebe ich dort als Frau unter den Männern oft das Dasein wahrer Kavaliere. Mir wurde neulich gesagt, dass es eine Unart ist, wenn ein Mann nicht die Tasche der Frau trägt. Und Frauen wie Männer sind auch sonst gastfreundlich und hilfsbereit. Sobald ich zB beiläufig erwähne, dass ich Hunger habe und daher schnell nach Hause möchte, werde ich zum Essen eingeladen. Ich weiß, wie gering das Taschengeld dieser Menschen ist, doch trotzdem werde ich mit Gastfreundschaft empfangen. Eine Frau, mit der ich mich über Frisuren und ihren Job unterhielt, sagte mir, dass es ihr eine Freude wäre, wenn sie meine Haare schneiden dürfte.
Wie schon immer beschrieben, ich spreche stets von meinem Alltag und von meiner Erfahrung. Mir ist klar, dass es nicht überall so gut abläuft. Doch meine Erfahrungen sagen mir, dass man viel Gutes erfährt, wenn man offen und ohne Vorurteile anderen Menschen begegnet. Vielleicht kann ich daher auch eher über viel Positives berichten und mache weniger schlechte Erfahrungen. Das ist aber nur ne Vermutung von mir...