Da mein Beitrag mehrfach angesprochen wurde hier: Vielleicht war meine Wortwahl etwas zu impulsiv oder drastisch, dennoch bin in weiterhin sehr enttäuscht von diesem Transfer.
Bei mir geht es um die Konditionen, die Rahmenbedingungen und unsere sportliche Situation bei diesem Geschäft. Das große Ganze stellt diesen Transfer für mich katastrophal dar:
Man holt nach Rückrundenbeginn einen fast 27 Jahre alten Sechser, der bisher weder in Frankreich, noch in Belgien oder in Griechenland wirklich nachhaltig überzeugt hat, ungeachtet unserer offensichtlich miserablen wirtschaftlichen Lage, bei der jeder Transfer in dieser Höhe auch perspektivisch gut abgewogen werden muss, für angeblich etwa 2,5 Millionen Euro und stattet ihn dann auch noch mit einem erwartungsgemäß nicht zu knappem Gehalt und einem großzügigen Vertrag über dreieinhalb Jahre aus, obwohl eine Wertsteigerung sehr unwahrscheinlich erscheint. Und das alles obwohl Piräus ihn wirklich überhaupt nicht mehr braucht und er bisher als Leihe plus Kaufoption nach Belgien verliehen war und man ihn nur noch loswerden wollte. Richtig: Der Spieler ist für 2,2 Millionen im jüngeren Alter zu Piräus gekommen, war ein Vollflop und wird jetzt auch noch mit Wertsteigerung verkauft. Schon hier erahnt man, dass dieser Transfer alles andere als gut für uns ist.
Zumal es natürlich schon bedenklich ist, dass er andauernd den Klub gewechselt hat und kreuz und quer durch Europa verliehen wurde, was offensichtlich alles andere als ein Qualitätsmerkmal ist. Der hat es bisher nie länger als ein Jahr bei einem Klub ausgehalten bzw. kein Klub länger mit ihm und trotzdem holen wir ihn gleich mit einem langfristigen Vertrag und das ohne Netz und doppelten Boden wie es eine Ausliehe mit Kaufoption wäre.
Das Hauptproblem ist aber nicht einmal seine eher gering einzuschätzende individuelle Klasse, sondern in erster Line der Spielertyp, den er verkörpert. Yatabaré ist ein Kämpfer, der sich leidenschaftlich ins Spiel wirft und mit voller Leidenschaft seine beeindruckende Physis einbringt. Seine berüchtigte Härte schreckt Gegenspieler schon schnell ab. Solch einen Spieler kann man unter gewissen Bedingungen gebrauchen, wenn man sich als kleiner Verein mit derart unattraktiven Mitteln einfach mit Kampf und Krampf ums Überleben kämpfen möchte und/oder einem vor allem die Aggressivität im Mittelfeld abgeht.
Aber ist es das, was wir wirklich brauchen? Da sehe ich ein ganz klares Nein. Wir brauchen einen strukturgebenden, lenkenden und besonders passsicheren Spieler statt einem weiteren bemühten Kämpfer, der sich nahtlos ins vogelwild durcheinander laufende Mittelfeld einzureihen droht. Und gerade da haben wir uns einen Bärendienst erwiesen, hat Yatabaré doch bereits in der wesentlich schwächeren belgischen Liga eine beängstigende Passquote. Dazu ist er wohl immer mal wieder für Aussetzer gut und oft mit effektivem Gegenpressing überfordert. Außerdem sieht er wegen seiner häufig unangebrachten Härte sehr viele Karten. Das alles sind klare Indizien dafür, dass er unser eigentliches
Spiel wohl eher lähmen und sich vor allem durch seine physische Härte anbieten wird, uns aber keinen Zentimeter in unserer dringend notwendigen spielerischen und strukturellen Entwicklung weiterhelfen kann. Zu allem Überfluss bindet er damit auch noch einen relevanten Gehaltsposten und langfristig einen Kaderplatz, der einem talentierteren, wichtigeren Spieler in Zukunft zukommen könnte und trägt sogar dazu bei, dass diesbezüglich gut veranlagte Spieler wie von Haacke es perspektivisch schwerer haben werden, Spielpraxis zu bekommen. Das ist nicht nur bedauerlich, sondern auch ein klares Zeichen dafür, dass wir auch zukünftig keinen echten, spielerischen Werderweg finden werden (oder wollen?), sondern uns als reinen Kampfklub verstehen wollen. So holen wir vielleicht auch zukünftig mit Kampf und Glück den ein oder anderen glücklichen Punkt und werden hoffentlich diese Saison und vielleicht auch die nächsten beiden Jahre den Klassenerhalt knapp erreichen, aber verbessern werden wir uns so nicht bei voraussichtlich immer härteren Konkurrenten (Red Bull Leipzig lässt grüßen). So wird es uns dann früher oder später ohnehin mit dem Abstieg erwischen. Das ist dann selbstverständlich weder Yatabarés Schuld noch alleine an einem einzigen Transfer festzumachen, aber ebendieser Neuzugang wirkt doch wie eine rabenschwarze Prophezeiung bezüglich der verhängnisvollen Pläne unserer Leitung. Weiterhin ist ja auch noch zu bedenken, dass er erst so spät und ohne jegliche Vorbereitung zur Mannschaft stößt und Verein wie Club noch überhaupt nicht kennt.
Und bevor ich gleich das Argument wieder höre: Natürlich musste ein Ersatz für Bargfrede her. Das kann aber nicht das Suchprofil derart kurzfristig komplett gedreht haben. Wir brauchten schon vor dem Schalke-Spiel einen Bargfrede-Ersatz, da jedem klar gewesen sein muss, dass der arme Junge sich früher oder später höchstwahrscheinlich ohnehin wieder schwerer verletzt hätte. Das alles kann keine Ausrede für diesen Transfer sein.
Kurzum: Meiner Meinung nach können wir bei diesem Transfer fast nur verlieren. Im Fußball ist natürlich alles möglich und somit könnte auch Yatabaré hier konstant gute Leistungen bringen, aber an seinen entscheidenden Defiziten wird sich mit fast 27 wohl kaum noch etwas ändern und einen anderen Spielertyp wird er auch so schnell darstellen. Daher bin ich rundum unzufrieden mit diesem Neuzugang.
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Davon ab werde ich ihm aber natürlich wie jedem anderen Spieler eine faire Chance geben und seine sportlichen Leistungen auch nicht an seiner Ablösesumme messen. Da kann er ja nichts für. Die Relation Leistung/Finanzieller Aufwand bestimmt daher in erster Linie halt die Arbeit des Managements. Ebenso kann ich ihm ja nicht vorwerfen, dass er der falsche Spielertyp für unsere Position ist. Das muss nicht er wissen, sondern die Sportliche Leitung. Ich würde mich auf jeden Fall tierisch freuen, wenn mich Yatabaré Lügen straft und uns auch strukturell weiterhelfen würde. Nur glauben kann ich es nicht. Ihm und uns wäre es aber natürlich dennoch absolut zu gönnen.
EDIT: Ich stütze mich bei meiner Einschätzung in erster Linie auf Kumpels aus Belgien, die Yatabaré regelmäßig spielen gesehen haben, auf Statistiken und auf seriös erscheinende Einschätzungen der Fans seiner bisherigen Vereine.