Ich kann ganz im Ernst nicht verstehen, wie man Eichin so negativ sehen kann, wie (zu) viele es hier tun.
Sicherlich, er hat eine Art, die manchem gerade im beschaulichen Bremen sauer aufstösst. Er hat halt keinen Stallgeruch und einen eigenwilligen Charakter. ABER er hat die Fähigkeit zugleich seine Linie zu fahren und Dinge durchzusetzen, die er für essentiell erachtet (siehe die vielen Personalentscheidungen zu Beginn) - etwas, das damals bei Allen ganz oben in der Jobbeschreibung stand... - und dennoch auf seine Mitarbeiter zu hören, sie teilhaben zu lassen und sich auf sie zu verlassen. Seine Aussendarstellung ist gewöhnungsbedürftig, aber bei Weitem nicht so schlecht, wie es hier manchmal behauptet wird. Das sind die Haare in der Suppe. Er versteht es aus meiner Sicht durchaus gekonnt, mit den Medien zu spielen, gerade auch was das Kerngebiet seines Aufgabenbereichs betrifft, die Transfers. Da sickert so gut wie nichts durch, was er nicht selbst platziert wissen will. Z.B. die Meldungen von der ... kreiszeitung wars glaube ich, dass Sambou der eigentlich Wunschspieler sei und der Transfer kurz bevorsteht. Für mich eindeutig eine platzierte Nachricht, um den Plan B nach Onazi, dessen Transfer zumindest mehr oder weniger geplatzt war, ins Rampenlicht zu rücken und das nicht eine Minute eher, als Eichin das wollte. Und auch wenn der präferierte Onazi-Deal nicht zustande gekommen ist, ich halte ihn auch absolut für einen fähigen Verhandler, der sich nicht so leicht die Brutter vom Brot nehmen lässt.
Wenn man sich dann noch die einzelnen Transferperioden rückblickend und gegenwärtig anschaut, kann eigentlich auch kein so schlechtes Bild entstehen, wie es einige hier haben.
Saison 13/14
Mit di Santo und S. Garcia zwei sehr gute Einkäufe getätigt. Di Santo war ein guter Mehrwertspieler, auch mit der ätzenden Ausstiegsklausel, und Santi ist seit bald 3 Jahren abslouter Stammspieler auf unserer ewigen Problemposition LV. Vieleicht haben das einige ja schon vergessen...
Dagegen steht mit Obraniak nur ein echter Fehlgriff. Denn auch wenn Petersen und Makiadi nicht den Impact auf unser Spiel hatten, den man von den teuersten Transfers erwartet, haben doch beide regelmäßig gespielt und uns damit genauso wie die anderen Spieler vor dem Abstieg gerettet. Petersen hat sogar nach wie vor bei keinem anderen Verein soviele Spielminuten gesammelt, auch nicht in der 2. Liga. Und bei ihm hat man auch noch eine ähnliche Ablöse zurückbekommen.
Und dabei kam noch ein Transferüberschuss von ca. 3 Mio. am Ende raus.
Saison 14/15
Es kamen mit Galvez, Bartels und Vestergard drei direkte Stammspieler, die bis heute noch in der Startelf stehen oder erste Wahl dahinter sind. Vestergard braucht man glaube ich nicht weiter kommentieren, aber auch Bartels und Galvez sind absolut als positive Transfers anzusehen, zumal beide für lau kamen.
Dagegen steht nur Hajrovic, der Stand heute als Fehlgriff gewertet werden muss. Noch ist aber auch da nicht aller Tage Abend und auch der kam für lau, zumindest was die Ablöse anbelangt.
Daneben sind dann noch die starke, weil wichtige, und mutige Leihe von Casteels und die profitable Leihe von Öztunali, der bei uns immerhin auch schon auf über 30 Einsätze kommt. Wie er sich dabei geschlagen hat, darüber kann man geteilter Meinung sein, aber es ist mit Sicherheit sowohl ökonomisch, reputativ (vor allem im Jugendbereich), als auch spielerisch eher ein Gewinn, als ein Verlust, zumindest aus meiner Sicht.
Ein Transferüberschuss wurde hier zwar nicht erreicht, aber mit ca. 1 Mio. Verlust hielt dieser sich im Rahmen.
Saison 15/16 (Bisher)
Ujah, Wiedwald und Pizarro geholt, die alle Drei einen absoluten Gewinn darstellen. Ujah hätte man nicht umsonst gerade für die knapp dreifache Ablösesumme abgeben können, auch wenn er bislang noch nicht wieder richtig im Tritt ist, wie ich finde. Wiedwald schwächelt aktuell auch sehr, aber ich denke wir sind uns alle einig, dass das ein Toptransfer war. Zumal für lau, genau wie bei Claudio, dessen Gehalt wir dank Verhandlungen von u.a. Eichin mit den Sponsoren noch nicht mal voll selbst bezahlen müssen. Da hat das Bild der klammen Kassen, das Eichin durchaus in abgemessener Dosis forciert, gut gefruchtet. Auch den fliegenden Wechsel von Luki und Papy möchte ich hier noch erwähnen, denn es zeichnet sich eindeutig ab, dass das ein massives Upgrade war und das für ein dickes Plus auf dem Konto. man überlege sich nur, wie - bei aller Sympathie - die Spiele mit Luki neben Vestergard gelaufen wären... Sicherlich nicht so (mit Ausnahme des Fehlers vorm dem 1:3 gerade vieleicht


). Wenn diese Leihe dann im Sommer sogar noch um ein Jahr verlängert werden könnte, wäre das aus meiner Sicht ein erstklassiger Transfer von Eichin, zumindest, wenn sich Papy weiter so stark zeigt.
Dagegen steht dann eigentlich nur Johannson, bei dem Eichin zum ersten Mal so richtig ins Risiko gegangen ist, erst Recht, wenn man tatsächlich um dessen Krankengeschichte wusste. Aber das wird dann in der nächsten Saison quasi ein Neuzugang, den man fairerweise zumindest spielerisch erst dann bewerten kann, wenn er endlich spielt. Ähnliches gilt für Yatabare, der aus meiner Sicht auch zu teuer geholt wurde, aber das würde ich eher auf den situationsbedingten Druck schieben, als auf schlechte Verhandlungstaktik.
Positiv sind auf jeden Fall auch noch U. Garcia und Kleinheisler zu nennen, die als junge entwicklungsfähige Spieler aus der zweiten Reihe Druck machen und gute Alternativen darstellen. Auch nicht selbstverständlich.
Und aktuell steht da ein fettes Transferplus von ca. 7 Mio. zu Buche, das ist schon beeindruckend.
Was sicherlich kritisch betrachtet werden kann, sind die Abgänge, die er doch in einigen Fällen relativ kompromisslos ohne finanziellen Gewinn durchzieht, um den Kader auszudünnen. Hat Vorteile, hat aber auch Nachteile. Zumindest weiß so jeder, dass er bei uns nicht auf der Bank/Tribüne versauern wird und es baut auch einen gewissen Leistungsdruck auf.
Alles in allem kann ich daher die krass negative Meinung, die hier immer wieder durchkommt, nicht nachvollziehen. Für mich macht Eichin natürlich Fehler aber unterm Strich einen famosen Job, ich wüsste nicht, wen ich auf dem Posten lieber sehen würde. Und mal nur so nebenbei für alle, die seinen Charakter anzweifeln: Der Mann hat sich mit Rouven Schröder selbst seinen Nachfolger ins Nest gesetzt, obwohl ihm sein latent wackliger Stuhl bewusst gewesen sein muss, weil dieser für Werder Bremen und den Erfolg der beste Mann war. Das nenne ich mutig und zielorientiert, wenn nicht gar selbstlos gegenüber dem Verein, der immer über Allem stehen muss.
Ähnliches gilt übrigens auch für Skripnik, wenngleich da natürlich die Fakten (= Punkte und Tabelle) ein anders Bild zeichnen. Aber ich glaube, einige hier haben sich halt zu sehr einen dardeiischen Schaafnachfolger herbeigesehnt und sind von der Realität enttäuscht. Aber das ist OT, also