Manager stellen mMn immer nur einen Teil des Ganzen bei Transfers dar.
Das ist zweifellos richtig. Als Geschäftsführer Sport (sofern die Funktion besetzt wird) tragen sie am Ende dann aber natürlich doch die Hauptverantwortung für Erfolg oder Misserfolg einer solchen Verpflichtung.
Da ist noch die Scouting-Abteilung und das Trainerteam, die gewaltig etwas zu sagen haben.
Das "gewaltigste" Mitspracherecht wird bei Vereinen wie Werder, anders als bei Bayern München, ManU, Chelsea usw. am Ende aber der "Manager" tragen!
Ich habe es schon bei KA für Blödsinn gehalten, ihn für Transfers zu feiern oder zu verteufeln, ich halte das auch bei Eichin bzw. Schröder für Blödsinn.
Es ist nicht grundsätzlich "Blödsinn". Nur: Wenn ich einen Manager für seine erfolgreichen Verpflichtungen feiere, wie das hier bei einem Eichin ständig passiert, kann ich ihn auch für nicht erfolgreiche Transfers nicht aus der Verantwortung nehmen, wie das hier gern erfolgt.
Natürlich sind auch Kontakte notwendig, das darf man nicht außer acht lassen, wie z.B. damals KA mit Micoud. Letztendlich entscheidet doch aber auch immer noch der Cheftrainer, ob er einen Spieler haben will oder nicht. Zumindest sehe ich das so.
Über Abläufe bei Verpflichtungen haben wir hier schon des öfteren gemutmaßt und philosophiert. Bei den "Großkopferten", wie oben aufgeführt, wird es wohl annähernd so laufen, wie Du es hier beschreibst.
Ein van Gaal sagt derzeit, wen er bei ManU gern im Team haben würde, und wird anschließend mit dem Wunschspieler bedacht. Ähnlich läuft es sicher auch bei Chelsea unter Mourinho. In England haben Trainer als Team-Manager allerdings umfangreichere Befugnisse als Cheftrainer in Deutschland.
Bei Bayern Münschen dreht sich derzeit auch Vieles um die Wünsche eines Guardiola, dennoch glaube ich, dass dort die Verantwortlichen um Sammer, Rummenigge und insbesondere Hoeneß weit mehr Mitsprache-Recht einfordern als bei den Klubs in England.
Nicht jeder Verein kann sich seine(n) Wunschspieler immer leisten, dazu zählt, logischerweise, auch Werder. Hier wird es eher so ablaufen, dass der Trainer Bedarf für einen bestimmten Spielertypus anmeldet, z.B. für einen spielstarken, aber weiter entwicklungsfähgen 6er. Dieser "Auftrag" muss vom Manager und seinen "verlängerten Armen" umgesetzt werden. Es ist deren Aufgabe, einen bzw. mehrere solcher zu finden, aus denen Trainerteam, Scouts und Manager den passenden auswählen. "Passend" heißt im Fall von Werder dann eben nicht immer, dass man den Wunschspieler auswählt, sondern, dass man ihn auch von Werder selbst überzeugen konnte und ihn letztendlich bezahlen kann.
Bei den letzten "Flops" von KA muss sich halt eben auch TS die Frage gefallen lassen, was er mit solchen Spielern überhaupt wollte. Und das Scouting muss sich die Frage gefallen lassen, was sie in den Spielern denn gesehen haben wollen. Genauso lässt sich das auch auf die aktuellen Personalien Obraniak, Makiadi und Pavlovic übertragen.
Natürlich. Diese Fragen stellen sich allerdings auch, und weil sie in ihrer Funktion offiziell die Verantwortung tragen, in besonderem Maße den jeweiligen Managern. Deshalb wird ja auch speziell in deutschen Vereinen (den Unterschied zu britischen Klubs hatte ich schon aufgeführt), drauf geachtet, solche Posten mit "Experten", bestenfalls also ehemaligen Profi-Fußballern zu besetzen. Andernfalls (wenn es ausschließlich auf den Trainer ankäme) würde eine rein kaufmännische Fachkenntnis des "Managers" völlig ausreichend.
TE kann man gerne dafür kritisieren, welche Verträge diese Spieler bekommen haben, das ist ja auch mein Hauptkritikpunkt an Allofs in seinen letzten Amtsjahren hier. Das ist noch alles eine Spur härter als bei TE, gerade wenn man sieht, mit was für einem Vertrag Elia hier noch ausgestattet wurde, obwohl bei dessen Verpflichtung der erste "Umbruch" schon längst ausgerufen war.
Die Verpflichtung eines Spielers und die Vertragsgestaltung zwischen ihm und Verein hängen bei Vereinen wie Werder doch unmittelbar zusammen. Passen die Vertragsinhalte nicht, wird solch ein Spieler kaum zu Werder wechseln. Darauf ist, auch und insbesondere durch den Manager, schon bei der Spielerauswahl zu achten.
Ein Arnautovic wird wohl keinen schlechteren Vertrag gehabt haben, aber für den haben wir wenigstens noch ein bisschen was an Ablöse bekommen.
Das Beispiel Arnautovic diente dazu, den vorherige Aussage, man habe bei Obraniak die Entwicklung nicht absehen können, zu relativieren. Man kann nicht einereits einen Eichin von der Verantwortung für eine Obraniak-Verpflichtung freisprechen, einen Allofs für einen Arnautovic-Kauf dagegen beschuldigen. Gründe gab es für beide Transfers, Phantasien für eine entsprechende Weiterentwicklung des Spielers bei Werder auch!
Der Erfolg / Nichterfolg einer Spielerverpflichtung hängt also immer von mehreren Faktoren ab. Weder halte ich es für sinnvoll, einen Manager für Transfers abzufeiern (maximal dann, wenn er wirklich tolle Konditionen herausgehandelt hat), noch ihn für Transfers zu verteufeln (maximal dann, wenn die Konditionen absolut überzogen waren).
Ich hatte hier zuletzt mehrfach geschrieben, dass Spielerverpflichtungen immer mit Risiken verbunden sind, dass sie spekulativ sind. Es wird immer so sein, dass Fußballmanager, auch ein Eichin, bei einigen Transfers erfolgreich sind, bei anderen weniger. Es gilt, dieses Pendel für den Verein in die richtige Richtung zu bewegen. Das kann man durch besonders gutes Scouting, durch nachhaltige Beobachtung, durch Beobachtung mehrerer Alternativen, durch Flexibilität, durch Verhandlungsgeschick usw., durch Erstellen und Verfolgen einer klaren Vereinsphilosophie erreichen. Diese Philosophie wurde unter KATS durch den immer stärker steigenden Erfolgs- und -Finanzdruck sukzessive über Bord geworfen.
Kurzum: Jemanden für Misserfolg zu verteufeln, ist ohnehin nicht zielführend. Jemanden zu feiern, ist legitim. Bei Werder Bremen können wir ohnehin getrost davon ausgehen, dass es den Verantwortlichen in allererste Linie um das Wohl des Vereins geht, sei es der Trainer, sei es Geschäftsführung, sei es der Aufsichtsrat. Und das galt unter WLOR genauso wie unter KATS und jetzt unter TEVS. Wenn man über Verantwortlichkeiten diskutiert, muss man die besetzten Funktionen berücksichtigen und darf sich nicht von persönlichen Sym- oder Antipathien zu den Stelleninhabern leiten lassen.