Werder ist sehr selten (ich finde zu selten) ins Risiko gegangen. Wenn man es getan hat, dann kurioserweise bei Wundertüten wie Carlos Alberto, Elia und Arnautovic. Und warum? Weil die Ablöse zwar recht hoch war, aber die Gehaltsforderungen vergleichsweise moderat. Das Problem, das habe ich schon mehrfach geschrieben, war in diesen Fällen, dass man bei Spielern ins Risiko gegangen ist, die meist noch keinerlei Namen hatten. Als Folge davon stand man vor dem Problem, dass der Wiederverkaufswert immens gering war und man dadurch automatisch Probleme hatte, wenn einer dieser Spieler nicht eingeschlagen hat. Bsp.: wenn Du damals einen Huntelaar gekauft hättest und der hätte bei Werder nicht Fuß gefasst, hätte es genug Interessenten gegeben, die einem mindestens einen Großteil der ursprünglichen Ablöse bezahlt hätten. Bei unseren Wundertüten war dies nicht der Fall. Und weil das bei Diego und Özil so toll geklappt hat, war man irgendwann der naiven Meinung, das würde immer so weitergehen. Letzlich sind es die drei oben genannten Transfers, die uns eine Last beschert haben, die wir seitdem mit uns herumtragen. Aus diesem Grund konnte man sich umso mehr nur noch irgendwelche Wundertüten leisten und der Teufelskreis war im Gange...
Welche Gründe nun noch verantwortlich sind oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle. Fakt ist, dass etwas schiefgelaufen ist. Jedes Unternehmen, das einst zu den Marktführern gehört hat und dann einen so rasanten Abstieg mit Vernichtung des kompletten Eigenkapitals erlebt hätte, müsste eingestehen, dass es massive Fehler begangen hat. Und das muss Werder auch.
Die Frage nach dem einzugehenden Risiko ist immer eine Ermessensfrage. Wer will darüber tatsächlich richten??
Viele können sich sicher noch dran erinnern, welche Diskussion die geplante Verpflichtung eines Miroslav Klose für 5 Mio Euro damals in Bremen ausgelöst hat. Für einige AR-Mitglieder war der Preis viel zu hoch, Allofs wollte Klose unbedingt haben und hat am Ende Recht gehabt. Wie danach auch mit Diego, Oezil, Mertesacker usw. Derselbe Allofs, dem man heute aufgrund der oben angesprochenen Risikotransfers/Fehleinkaeufen eine Menge Dreck hinterherwirft. Ist Allofs also zu viel Risiko eingegangen oder zu wenig??
Was ist also richtig?? Wäre es zu Zeiten eines O. Rehhagel richtig gewesen, einen Effenberg zu verpflichten oder einen Davor Suker, später unter KATS einen Huntelaar?? Was wäre, wenn die sich schwer verletzt hätten und lange ausgefallen waren??
Fakt ist, dass jeder Transfer mit Spekulationsrisiken behaftet ist. Ein Huntelaar war, als er bei Werder im Gespräch war (damals noch bei Ajax Amsterdam?), noch nicht der, der er heute ist. Nachdem er bei Real Madrid gescheitert ist, wäre er möglicherweise interessant gewesen, hatte aber einen Preis, den sich Schalke eigentlich auch nicht hätte leisten können und dürfen. Einen CL-tauglichen, fertigen Spieler zu holen, kann sich Werder nicht dauerhaft leisten. Möglicherweise hätte man immer mal wieder einen holen sollen, die Kritik teile ich. Aber auch da muss man sehen, dass Werder nicht jeden Wunschspieler bekommen kann, aus Kostengrunden oder auch aufgrund fehlenden Renommees. Werder ist nicht Bayern München, nicht Manchester United, nicht Barca. Mit den Größten mitzuhalten, und genau davon reden wir ja bei der Forderung nach dauerhafter CL-Teilnahme, muss mit den vorhandenen Mitteln irgendwann scheitern.
Richtig ist leider, dass man in letzter Zeit zu viele Fehler gemacht hat. Es ist eine alte Binsenweisheit unter Kaufleuten, dass man in Erfolgsphasen schwerere Fehler macht als im Misserfolg. Meistens, weil man dann denkt, es liefe alles immer so weiter.
Werder wird mit den finanzstarken Vereinen nur dann sportliche mithalten können, wenn es sich auf seine Stärken besinnt: Stars dauerhaft selbst zu machen statt Stars dauerhaft zu kaufen. Wenn man sich den einen oder anderen Leistungsträger dazuholen will und muss, muss man sich um die Finanzierung kümmern. Die kann langfristig, und da stimme ich seit Langem mit dem User @syker und anderen überein, nicht dauerhaft nur aus sportlichen Erlösen gestemmt werden. Hier müssen Filbry und Co endlich Ergebnisse liefern.