Man könnte es auch erschreckend nennen, dass soviele Bremer den Regierungsparteien immer noch die Treue halten, trotz der miserablen Bilanz. Aber die Wahlbeteiligung von gerade mal 50% macht ja einmal mehr deutlich, dass man scheinbar wieder einmal nur die Wahl zwischen Not und Elend hatte.
Sicherlich richtig, aber auch irgendwie nachvollziehbar. Denn man darf auch nicht vergessen, daß (wahrscheinlich in der hanseatischen Tradition bedingt) in Bremen ebenso wie in Hamburg die Persönlichkeit der Spitzenkandidaten eine größere Rolle spielt als in den Flächenbundesländern, und die Symapthiewerte für Jens Böhrnsen waren auch bei den Nicht-SPD-Wählern größer als für die CDU-Kandidatin Elisabeth Motschmann.
Hinzu kommt, was auch bei anderen Landtagswahlen zu beobachten und somit keine bremenspezifischen Phänomen ist, daß allen Mißstanden zum Trotz die Regierung einen gewissen Bonus bei den Wählerinnen genießt. Und dieser Bonus kommt dann besonders zum Tragen, wenn sich die Wahl zwischen der größten Regierungs- sowie der größten Oppositionspartei als besagte Wahl zwischen Not oder Elend herauskristalisiert, weil in solchen Fällen diejenigen, die nicht zu Hause bleiben, tendenziell für die Regierung stimmen, ganz nach dem Motto, "da weiß man wenigstens, woran man ist". Und wenn wie im Falle Bremen die CDU lediglich mit dem Ziel antritt, nur die Nr. 2 zu werden, dann lassen sich die nötigen Stimmen für einen Machtwechsel auch nicht mobilisieren, womit wir auch bei der hohen Zahl der Nichtwähler wären.
Die Zahl der Nichtwähler ist erschreckend, auch wenn die Wahlbeteiligung in z.B. in Sachsen 2014 (49,1%) oder Sachsen-Anhalt 2006 (44,4%) noch schlechter gewesen ist. Bequemlichkeit und auch das schöne Frühlingswetter gestern haben viele im Land Bremen sicherlich von einem Urnengang abgehalten. Aber man muß auch berücksichtigen, daß der allgemeine Trend sinkender Wahlbeteilungen auch vor den Toren Bremens nicht halt macht, auch weil gerade die Unteschiede zwischen Union und SPD immer geringer werden, so daß auch hier wieder die Wahl zwischen Not oder Elend immer weniger BürgerInnen mobilisieren kann. Die Zahl der Menschen, die sich von der Politik nicht mehr vertreten fühlen, wächst immer mehr, besonders bei den Menschen, die an dem Wohlstand unseres Landes nicht partiziperen
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