Es geht nicht um Sympathie, wenn es nur danach ginge, wäre Otto Rehhagel z.B. mit seiner selbstherrlichen "ich König du Wurst"-Attitüde nie zu einem der größten Werderaner geworden.
Das Schlimme an Eichin ist eine ähnliche Attitüde, nur leider mit deutlich weniger dahinter. Und dafür ist der Fall Wiedwald ein sehr gutes Beispiel, ich hatte das ja schon einmal kritisiert und da hat man hier Hübner den schwarzen Peter zugespielt. Schauen wir uns das Ergebnis an, hat Hübner es aber gewonnen und ich sage Euch auch gern warum.
Unsere Marschroute war, dass wir intern uns einig sind, dass Wolf allein nicht reicht und wir einen weiteren, mindestens gleichwertigen Keeper holen wollen. Nach außen hin wollte man Wolf den Rücken stärken, so war die Kommunikationspolitik. Ich hoffe da sind sich noch alle mit mir einig.
Auf der suche nach einer Verstärkung kam man schnell auf Wiedwald: Vor den Toren Bremens zur Schule gegangen, Werderaner, hat in der 2. und ersten Liga überzeugt, steckt jetzt hinter dem wiedergenesenen Trapp auf der Bank fest. Zudem im Sommer ablösefrei und deswegen auch jetzt bezahlbar, wenn alles stimmt. Die Idee dahinter war absolut nachvollziehbar.
Der einzige aber entscheidende Haken war der, dass das überhaupt nicht zu den Planungen von Eintracht Frankfurt passt, die damit rechnen müssen, Trapp im Sommer zu verlieren und die Wiedwald deswegen halten wollen. Also machte Hübner den Schritt an die Öffentlichkeit, weil ihm Werders Avancen nicht passten. Ein klassischer Fall von Poker, man startet etwas und provoziert die Gegenseite und erhöht den Druck.
Nun hätte Eichin cool bleiben und dementieren oder den Ball mit nichtssagenden Äußerungen ("ein interessanter Spieler") flachhalten können und im Stillen sich mit Wiedwald und Berater auf ein gemeinsames Vorgehen incl. Unterschrift für den Sommer einigen können - oder, wenn das nicht möglich war, vom Transfer Abstand nehmen können, ohne jemals klar zu bestätigen, dass man unbedingt Wiedwald wolle.
Eichin jedoch hat den Macker raushängen lassen, er hat den alten Anfänger-Pokerspieler-Fehler gemacht: Stärke gezeigt mit einem Bluff auf der Hand. Strength means weakness sagt man ja auch so schön, aber er wollte Hübner herumschubsen und hat mit markigen Sprüchen wie "dann halt im Sommer" klarzumachen versucht, wer Boss ist und wer zu parieren hat. Nun ist er aber nicht Bayern München, die mit ihrem Riesenhaufen Geld es sich leisten können, andere beim Transferpoker herumzuschubsen, sondern er ist an einen mindestens gleichwertigen Fisch geraten und der hat sich das nicht gefallen lassen.
Dieses Vorgehen hätte natürlich dadurch geheilt werden können, dass der dritte Beteiligte, Herr Wiedwald und sein Berater, sich klar zu Werder bekannt und Druck gemacht hätte, nach dem Motto: "Im Sommer bin ich spätestens weg und im Übrigen versaut die Eintracht mir meine Karriere!" Dann wäre es ja auch kein Bluff gewesen, wenn Spieler und Berater im Boot gewesen wären. Diese aber zeigten sich nach Hübners öffentlichem Vorstoß loyal zum aktuellen Arbeitgeber, womit der Bluff aufgeflogen war. Ganz offenbar wollte die Wiedwald-Partei auch gern einmal abwarten, was bis zum Sommer noch passiert, was trapp macht, was die Eintracht bietet und was das Torwart-Karussell im Sommer sonst noch so hergibt außer einem Abstiegskandidaten mit wirrer Außendarstellung.