Zunächst einmal war das Konzept dasselbe wie gegen Mainz und Stuttgart: Aus einer gesicherten Defensive, tiefer stehend, auf Fehler des Gegners und Möglichkeiten zum Gegenstoß zu lauern sowie auf Standardsituationen zu hoffen. Nie war das Konzept bzw. der "Matchplan", auf 0:0 zu spielen. wer das behauptet, der hat schlicht keine Ahnung. Denn erstens kann man nicht auf 0:0 spielen und zweitens hatten wir das nie vor.
Nun muss ein Trainer im Spielverlauf sehen, wie ein Spiel läuft. Und da fand ich, dass der HSV durchaus gut gespielt hat. Der hatte gute, ballsichere Leute auf dem Feld und im Mittelfeld mehr individuelle Qualität als wir, hat zudem früh gestört. Jeder weiß, dass wir aufgrund unserer Weigerung, in den letzten 16 Monaten irgendetwas wie ein spielerisches Konzept zu entwickeln, gegen Pressing nicht sehr resistent sind. Dann gehen bei uns sofort Passquote und Ballbesitz in den Keller.
Dennoch haben wir aus dieser Situation einigermaßen stabil agiert und hatten unsere Chancen. Unser Problem war dabei, dass wir vorne keine Bälle festmachen konnten, weil Hajrovic und Petersen zu schlecht waren, sich dort zu behaupten, so dass auch gefährliche Spieler wie Bartels nicht in die entscheidende Zone vorstoßen konnten. Das gelang nur bei Junuzovics Schusschance.
Die Frage stellt sich also, wie man auf ein solches Spiel nach 60 Minuten dann reagiert. Und da war die Idee, Bartels etwas weiter vorzuziehen und mit Makiadi einen eher kämpferisch starken Mann dazuzubringen, meiner Ansicht nach richtig. Das hat dem Hamburger Spiel den Zahn gezogen und ein Sieg war dann nur noch durch einen Lucky Punch möglich. Ein solcher Lässt sich aber nicht wirklich verhindern, schon gar nicht durch den Trainer.
So wie das Spiel lief hätte ein offensiver Wechsel nicht zwangsläufig mehr geholfen, ich vermute er hätte die Probleme, die wir zu Anfang der zweiten Halbzeit hatten, eher verstärkt. Man macht einen Fehler, wenn man Ausrichtung und Spielerwechsel vom Ende her kritisiert. Sicherlich wollten wir da gerne gewinnen, aber eine risikoreichere Ausrichtung wäre genau das gewesen, was wir unter Dutt in Leverkusen oder Berlin gesehen haben: Harakiri. Klar kann das mal dazu reichen, dass man glücklich etwas mitnimmt, aber insgesamt punkten im Abstiegskampf die stabilen Teams kontinuierlicher und nach kümmerlichen 4 Dutt-Punkten sind wir realistisch bis Saisonende genau dort. Also sollte man auch so spielen und nicht ins Verderben rennen.
Wir haben jetzt nach 4 Pflichtspielen gesehen, dass es unter Skripnik eine klare taktische Grundausrichtung gibt. Der Abstand zwischen Mittelfeld und Abwehr passt, beide Mannschaftsteile wissen, wann sie vorzurücken haben. All das war unter Dutt inexistent, da wurde teilweise vorne gepresst und hinten stand die Kette tief drin und dazwischen verloren sich die Mittelfeldspieler im endlosen Raum. Damit ist Schluss und darauf kommt es zunächst einmal an. Und damit hat skripnik die Voraussetzung geschaffen, dass wir alle 4 Spiele unter seiner Regie zumindest hätten gewinnen können und dafür, dass wir es in 3 von 4 Fällen auch getan haben, indem wir unsere Chancen genutzt haben. Ohne di Santo sind wir allerdings im Moment nur die Hälfte wert, weil der vorne für das Halten der Bälle und die Torgefahr sorgt. Dafür, dass der sich leider verletzt hat, kann man aber auch nicht den Trainer haftbar machen.
Ich weiß, dass hier viele Hobbytrainer unterwegs sind, aber nur weil ihr lieber anders aufgestellt oder gewechselt hättet, hätte uns das keineswegs bessere Chancen auf Punkte ermöglicht.