Es war mal ein Verein, der anders war als all die anderen: Werder. Geile Fans, geile Stimmung im Stadion, tolle Stadt und ein Fußball-Spirit, der von Stolz geprägt war, von Selbstbewusstsein, vom Wir-Gefühl. Ja, wir sind Werder! Ausgeruht haben wir uns darauf, es war eine Selbstverständlichkeit, dass wir uns auf Werder verlassen können, ein Bierchen im Viertel, dann rüber ins Stadion - und ab geht die Post. Selbstverständlich ist unser Fußball sehenswert, spektakulär, nicht immer erfolgreich, aber: so what: Wir sind Werder, nicht irgendWer. Und dann, schleichend, kommt die Mittelmäßigkeit daher. Setzt sich fest. Geht nicht weg. Nistet sich ein. Brummelbrummel. Schlechte Laune. Motzmotz. Die, die bisher vor dem Karren gespannt waren, die wollen sich nicht mehr vor den Karren spannen lassen, sie verblasen erst noch die vorhandene Kohle, hauen dann lieber ab. Hinterlassen keine Zukunft, sondern nur Vergangenes. Und das Vergangene sollen jetzt die Zukünftigen ruckizucki wiederbeleben. Die MundzuMundbeatmung klappt aber leider nicht. Der Patient zuckt nur, kommt leider nicht auf die Beine. Und jetzt? Die Werderfamilie bekommt zum ersten Mal nach vielen Jahren so richtig Schiss, weiß nicht mehr ob das, was gestern noch richtig war, jetzt noch helfen kann - und wird panisch. Angst esse Seele auf? Nee. Bei Werder ist es jetzt so, dass die Angst dazu führt, dass man sich selbst verfüttert: Wer von uns ist denn jetzt schmackhaft genug um ihn zum Fraß vorzuwerfen? Bevor wir selber zum Opfer werden? Ganz, ganz schnell den Marco Bode vorne hin, den Lutscher und den Skripnik - auf dass das Volk bei Stimmung bleibt. Ob das nachhaltig ist? Sinn macht? Das eigentliche Problem löst? Egal. Wichtig ist, dass die Stimmung in Bremen, zu Werder, in dieser kleinen Enklave, dass wir alle im Gefühl leben: Wir sind wir! Wisst ihr, was wir sind? Wir sind ein Klub, der von Angsthasen geführt und jetzt von Auszubildenden geleitet wird, die bei entsprechenden Ergebnissen zur Winterpause schon von einem Feuerwehrmann ersetzt werden. Medial vorbereitet und entsprechend inszeniert wird natürlich erst Thomas Eichin enthauptet, völlig überraschend von Rouven Schröder ersetzt - er weiß ja aus seiner Zeit in Fürth, wie man wieder aufsteigt.
Werder hat den Trainer Dutt verpflichtet, um eine langfristige Strategie umzusetzen. Man hat ihm Vertrauen versprochen, lobt ihn auch jetzt noch über den Klee - und schmeißt ihn dennoch raus. Die Spieler hatten gestern bei der Verabschiedung Pippi in den Augen - na klasse. Er hatte die Mannschaft hinter sich, aber eben keine Ergebnisse vorzuweisen. Nur ein Sieg weniger als Klopp und der BVB. Egal jetzt. Was ich loswerden will: Den Verantwortlichen von Werder fehlt genau das, was ich in jedem Spiel von der Mannschaft erwarte: Dass sie Eier haben, keine Angst vorm Versagen.