Die Frage ist, was diese Veränderungen bewirken. Bei all diesen Entscheidungen bleibt für mich ein schaler Beigeschmack, es bleibt der Eindruck des Handelns um des Handelns Willen.
Wie gesagt: die Veränderungen müssen mittelfristig beurteilt werden.
Der Umbau des Nachwuchszentrums wurde hier im Übrigen nicht von Eichin vorangetrieben, sondern bereits vorher in die Wege geleitet.
Soweit ich weiß, wurde Skripnik erst zur Saison 2013/2014 Trainer der U23 und Wolter auf den Kordinatorposten verschoben. Das war lange, nachdem KA verschwand und mir wäre nicht bekannt, dass dieser Wechsel schon lange vorher geplant war oder zumindest kommuniziert wurde.
Stichwort Scouting: Es kann gut sein, dass Werder dort nicht mehr optimal aufgestellt war. Beurteilen können wir es nicht. Jedoch kann jeder wissen, ich jedenfalls habe es oft genug erwähnt, dass diese Umbaumaßnahmen mit sehr vielen Störgeräuschen abgelaufen sind und langjährigen Mitgliedern der Werderfamilie gegenüber unwürdig abgelaufen sind. Es hätte nichts gekostet, sich anständig zu verabschieden und den Mitarbeitern für ihre zweifellos langjährigen Verdienste um den Verein zu danken, es wurden ja jahrelang durchaus nicht nur Flinsen geholt. Im Zuge dieser Entlassungen hieß es dann ja auch, dass die Stimmung im Verein unter eichin derart schlecht sei, dass weitere Abgänge nur eine Frage der Zeit seien und dass Baumann keinen Bock mehr habe. Wenig später gab Baumann dann tatsächlich bekannt, dass er aufhöre. Einer der betroffenen Scouts war ein enger Vertrauter von Aaron Hunt. Nach diesem Vorgang pfiffen die Spatzen von den Dächern, dass auch Hunt nichts mehr bei Werder halte.
Sorry, das ist mir zu viel Gerüchteküche und Vermutung, um da groß drauf eingehen zu können oder wollen.
All das soll nicht heißen, dass Veränderungen bei Werder nötig seien. Ich muss mich aber sehr wundern, wenn ein solches werderunwürdiges Verhalten unseres Sportdirektors damit verteidigt wird, er "kehre halt mit dem eisernen Besen".
Hast du irgendwelche handfesten Belege für dieses "werderunwürdige Verhalten" oder ist diese Beurteilung auch wieder nur auf Hörensagen aufgebaut?
Nichts gegen Veränderung. Veränderung ist wichtig und Werder war bei Eichins Amtsantritt ein Sanierungsfall. Natürlich sorgen Sparmaßnahmen bei einem über die Jahre angefetteten Verein für miese Stimmung. Aber Eichin hat Werder nicht verstanden. Hier stehen die Fans nach Niederlagen im Block und feiern Werder. Hier hätten auch langjährigen Mitarbeiter, wenn der Umgang korrekt läuft, ein Einsehen, dass man zusammenrücken und den Gürtel enger schnallen muss. Der Vorteil der angeblich nicht zeitgemäßen Werderfamilie besteht ja gerade darin, dass in schweren Zeiten alle zusammenhalten. Da ist es fatal, wenn dieser Vorteil im Wandel kaputtgemacht wird und die Stimmung unter den Gefrierpunkt sinkt, weil einer sich als Macher des Wandels profilieren will.
Ja, das wäre fatal, wenn dem auch so wäre. Aber bisher ist mir das immer noch zu viel Hörensagen. Und dass niemand begeistert ist, wenn er entlassen wird, kann ich auch verstehen. Da ist es auch egal, auf welche Art das geschieht. Auch diese Gerüchte würde ich mit ganz großer Vorsicht genießen und schon gar nicht unbesehen als Grundlage für eine Beurteilung der Arbeit Eichins nehmen.
Diese Lösung hätte ich nicht befürwortet. Aber: Die Entscheidung, Schaaf zu feuern und dafür Dutt einzustellen, hat bereits den Verein eine ordentliche Stange Geld gekostet und sie hat unter dem Strich nichts gebracht. Wir stehen jetzt noch schlechter dar als zum Zeitpunkt der Entlassung von Thomas Schaaf.
Da man nicht weiß, wie man jetzt mit TS dastehen würde, ist so ein Vergleich eher müßig. Aber es ist wohl eindeutig festzustellen, dass die Verpflichtung von RD insgesamt keinen Fortschritt gebracht hat und damit im Nachhinein als falsch zu betrachten ist.
Insofern kann ich diesen eklatanten Trainerfehlgriff Robin Dutt, über den man sich in Freiburg und Leverkusen nur etwas eingehender hätte informieren müssen, um ihn zu vermeiden, keineswegs so lapidar abtun. Dutt war genau der Mann, dem man ernsthaft zugetraut hat, er könne neuen Schwung und Aufbruchsstimmung reinbringen. Jeder, der Interviews mit ihm gehört hat, weiß, dass das totaler Irrsinn ist, auch nur eine Sekunde daran zu glauben. Der Mann hat das Charisma eines nassen Lappens und strahlt den Esprit einer Klobürste aus. Bereits auf seiner Begrüßungspressekonferenz bin ich vom Glauben abgefallen. Mogn Mogn sag ich nur, damit ist die Ära Dutt zusammengefasst.
Warst du zu dem Zeitpunkt der Verpflichtung Dutts auch schon so kritisch?
Die Frage, wann Eichin hätte reagieren müssen, stellt sich natürlich und ich glaube auch, dass dieser Zeitpunkt lange zurückliegt. Klar, Dutt hat in der letzten Saison immerhin genug Punkte zusammengeklaubt (bis heute weiß keiner wie) um nicht abzusteigen.
Besonders in der zweiten Hälfte der RR war das teilweise sehr ansehnlicher Fußball und da weiß ich schon, wo diese Punkte herkamen. Dass man besonders zu Anfang der Saison unglaublich Glück hatte, schnell so gut da zu stehen, ist keine Frage. Aber zumindest die Entwicklung zum Ende der letzten Saison hat durchaus Hoffnung gemacht, dass RD jetzt den richtigen Weg gefunden hat. Und auch die Vorbereitung fing unerwartet gut an. Ich weiß nicht, wo da realistisch der Zeitpunkt hätte liegen sollen, Dutt rauszuschmeißen. Entweder man hätte das spätestens zum Anfang der RR 2014 gemacht oder aber jetzt nach den Spielen gegen Freiburg oder Bayern.
Aber eine Weiterentwicklung des Teams oder individueller Spieler ist ausgeblieben, die Perspektive war von vornherein dünn. Am besten wäre es gewesen, die neue Saison von vornherein ohne Dutt anzugehen oder ihn spätestens nach dem Sturz auf Platz 18 oder dem Debakel in München vor die Tür zu setzen. Aber was solls, die Zeit hat eichin verschenkt. Sein Sanierertum beschränkt sich wohl auf Personen, die KATS verbockt haben. Seine Fehler zu beseitigen, wäre nochmal eine Arbeit für sich.
Wenn Dutt direkt mit dem Absturz auf Platz 18 entlassen worden wäre, hätte man sich schon denken können wie hier die Kommentare ausgesehen hätten: "Das ist nicht werderlike", "Eichin führt eine Hire-and-Fire-Mentalität bei Werder ein", etc.
Ich teile immerhin die Ansicht, dass man nicht alle Hoffnung bei neuen Spielern aufgeben sollte. Hajrovic zum Beispiel hat doch durchaus technische Anlagen.
Es gibt zwei Punkte, die ich jedoch sehr kritisch sehe in Eichins Transferpolitik: Wir laufen sehenden Auges in diverse ablösefreie Abgänge hinein. Es ging mit Hunt los und jetzt geht es mit Prödl und Junuzovic weiter. Selbst wenn die Ablösen gering sind, aber man muss in Zeiten klammer Kassen Einnahmen generieren. Leuten wie Elia wurde erst noch eine Chance gegeben und dann wurde gesagt, man will ihn dringend halten. Bei dem stimmt aber das Preis-Leistungsverhältnis hinten und vorne nicht. Da hätte man mal auf einen Wechsel drängen müssen, eine geringe Ablöse plus Gehaltseinsparung wäre noch drin gewesen.
Das ist richtig, allerdings hätte ein Verkauf von Prödl und Juno nur dann Sinn ergeben, wenn man von der erzielten Ablöse auch adäquaten Ersatz hätte verpflichten können. Insofern wissen wir nicht, was da überhaupt möglich war und ob die beiden überhaupt hätten wechseln wollen. Bei sowas gehören immer mehrere dazu, nicht nur der GF Sport.
Bei Elia gebe ich zu bedenken, dass er zum Schluss in der RR zusammen mit Di Santo durchaus ein gutes Stürmerpaar abgeben hat. Insofern kann ich verstehen, dass man Eli zumindest nicht unter Wert verkaufen wollte. Und auch hier wissen wir nicht, ob da überhaupt adäquate Angebote gekommen sind.
Der zweite ist: Es fehlt ein Gesamtkonzept. Die Schwachstellen, die jetzt jeder sieht (Tor und defensives Mittelfeld) hätte man im Sommer allerspätestens angehen müssen, bevor man andere Dinge angeht. Jetzt soll der IV Galvez im DM rumlaufen und Wolf lässt mehr Bälle rein als er hält. Da wurde fahrlässig gehandelt, der ganze Quark ging schon los, als Dutt Mielitz demontiert hat, um Wolf zu installieren, wobei sein eigener Torwarttrainer Mielitz für besser hielt. Dutt hat offenkundig vom Torwartspiel keine Ahnung und Eichin folgt ihm mit der Konsequenz, dass wir jetzt einen Torwart haben, dessen Qualität irgendwo zwischen zweiter und dritter Liga anzusiedeln ist und der uns zur Schießbude verkommen lässt. Unser Mittelfeld ist ein Hühnerhaufen, der nur dann einigermaßen funktioniert, wenn alle gegen den Ball pressen. Wenn es gilt, Positionen zu halten, einen Gegenspieler aufzunehmen, im Raum zu verteidigen, richtig zu verschieben etc., dann ist oft alles aus. Hier fehlt es eklatant an Qualität, insbesondere vor der Abwehr, was sich auch negativ auf die Spielentwicklung auswirkt. Geholt hat Eichin aber einen IV und zwei Außenbahndribbler, die defensiv vollkommen bundesligauntauglich sind. Die haben ihre Qualitäten, ganz klar, aber das waren nicht die Leute, die Werder Bremen gefehlt haben. Als er nochmal Geld in die Hand nehmen wollte, ging es um Ruiz, einen alternden Stürmer, der in England den Ruf hat, auch nur hin und wieder Lust zu haben. Auch das wäre ein fatales Signal gewesen, ein Obraniak 2.0, der auch alles vermissen lässt. Da frage ich mich, was unser neues Scouting bringt, wenn man nicht sieht, dass dem das Läuferische und das Tempo für die Bundesliga in jeder Hinsicht fehlen. Das kann ich nur als Inkompetenz bezeichnen, von Obraniaks Einstellung mal ganz abgesehen.
Die Frage ist aber, welchen Anteil der Trainer hat, dem dieses Konzept anscheinend fehlt und der Spieler auf falschen Positionen einzusetzen meint. Die Frage ist auch, in wie weit die Verpflichtungen mit RD abgesprochen oder gerade auf Wünschen von RD fußten. Dass uns seit Jahren ein guter Sechser fehlt und immer wieder Spieler fürs OM verpflichtet werden, aber - außer Makiadi - keine fürs DM ist allerdings wirklich nicht zu verstehen.
Es fehlt Eichin meiner Ansicht nach komplett an dem analytischen Blick, der notwendig wäre, um dieser Mannschaft durch eine gezielte Transferpolitik Impulse zu setzen. Und da gibt es durchaus Sportdirektoren, die in der Lage sind, dies mit geringen Mitteln zu tun, da kann man Reuter erwähnen oder Schmadtke oder auch Heidel. Eichin jedenfalls hat mit seiner Transferpolitik keinerlei Akzente setzen können und mein Glaube, dass er es schafft, die Mannschaft trotz Sparzwangs zu verstärken, ist nicht mehr vorhanden.
Schmadke und Heidel haben (bzw. hatten) aber auch die entsprechenden Trainer an ihrer Seite, mit denen sie zusammen eine konsistente Transferpolitik umsetzen können/konnten.
Hier muss man unterscheiden: Die falsche Zusammenstellung des Kaders sowie die Qualitätsprobleme auf zentralen Positionen, insbesondere Tor und DM, sind nicht dem Trainer anzulasten. Ihm ist aber anzulasten, dass er die Spieler, die er hat, falsch einsetzt oder durch zu offensive Spielweise überfordert. Dutt haderte ja nach dem Bayern-Spiel, dass er eine forsche, offensive Spielweise vorgegeben habe, das Team ihm aber nicht gefolgt sei. Mit dieser Spielweise hätten wir schon in Berlin und erst Recht in Leverkusen leicht untergehen können und in München sind ihm die Spieler auf seinem falschen Weg einfach nicht mehr gefolgt.
Danach sieht es zumindest aus
Nicht den Fehler, sondern zu viele, die in der summe zu Platz 18 geführt haben.
Ich kann diese Meinung aus deiner Sicht nachvollziehen, teile sie aber nicht.