RD´s Arbeit zu bewerten fällt mir nach wie vor schwer, da es einfach (noch) zu viele Faktoren gibt, auf die er nicht den Einfluss hat, den es braucht, um tatsächlich von "seiner" Handschrift sprechen zu können. Er muss mit Altlasten leben, einem immer noch größtenteils vom Vorgänger zusammen gestellen und qualitativ sehr ausgedünnten Kader, bei dem er den Spagat zwischen den eigenen Vorstellungen/Ideen und dem kurzfristigen Erfolg, zumindest was die Punkteanzahl betrifft, schaffen muss.
Irritiert bin ich ehrlich gesagt über Aussagen, er würde sich mit seinem Fußball "verschanzen". Grad auch unter dem Eindruck, daß zu Beginn seiner Amtszeit latent der Wunsch im Raum stand, defensiv endlich mal wieder besser zu stehen.
Also musste er zum einen für eine def. Stabilität sorgen und gleichzeitig schauen, wie er sein eigenes Ideal vom Fußball damit in Einklang bringen kann. Ein sicher nicht leichter Akt des Abwägens, denn ich denke, und RD hat sich dazu ja schon mehrfach geäußert, daß sein Fußball über kurz oder lang schon deutlich offensiver geprägt sein soll.
Ich halte RD sogar zu Gute, daß er nicht krampfhaft an einer Art Fußball festhält, die so mit dem Personal nicht umsetzbar ist und durchaus flexibel reagiert, in dem er oftmals einen defensiveren Stil wählt.
Ich glaube schon, daß RD generell ein hohes Fachwissen besitzt und eine Vorstellung vom Fußball hat, für die man sich vermutlich durchweg erwärmen kann. Nur ist das derzeit noch Zukunftsmusik, da er aktuell, auch gezwungen durch Verletzungen, oft eine Art Flickschusterei betreiben muss. Seine Taktik in Freiburg ging in die Hose, keine Frage. Davor gegen HH und Nürnberg war es allerdings gut und auch in H war unser Auftritt durchweg positiv. Seine Wechsel trugen gegen HH und Nürnberg Früchte, waren in Freiburg und zu Hause gegen VW dagene eher fragwürdig.
Garcia von Anfang an zu bringen, war hingegen ein cleverer Schachzug. Die Schwankungen unserer Truppe haben mMn dennoch weniger mit der taktischen Vorgabe zu tun, als eher mit der individuellen Einstellung der Spieler. Denn ich glaube nicht, daß RD den Jungs bspw gegen VW verboten hat, beriets nach der ersten Min. "wach" zu sein oder in Freiburg die Zweikämpfe zu verweigern. Das führe ich eher auf eine gefährliche und latente Haltung hin, die sich spätestens nach dem Nürnberg-Spiel einsetzte, als man das Gefühl bekam, "durch" zu sein.
Prombt folgten lethargische Auftritte gegen Stuttgart, Freiburg und VW.
Als man dann wieder das Wasser am Halst steigen spürte und der Druck bzw die Gefahr wieder größer wurde, raffte man sich zu der Leistung vom Sonntag auf. Ich habe leider das Gefühl, und das nicht erst in dieser Saison, das einige Spieler viel zu schnell zufrieden sind und die Gier und Leidenschsft nur in gewissen Situationen abrufen können. Das ist äußerst bedenklich.
Bin gespannt, wie sich die kommenden Spiele gestalten werden und wie man in den nächsten Wochen auftreten wird. Für mich auch eine Charakterfrage.
Was RD angeht, so würde ich ihm persönlich auf jeden Fall noch die nächste Saison, inkl. Kaderplanung, Vorbereitung etc. gönnen, um dann zu schauen, ob und wie eine Entwicklung zu erkennen ist. Denn sich nach dieser Saison von ihm zu trennen, wäre alles andere als schlau, da auch ein neuer Coach (welcher eigentlich?) zunächst wieder bei 0 anfangen würde, was dieser Truppe in meinen Augen nicht helfen würde.
Ich erwarte in der kommenden Spielzeit schon etwas von RD und erwarte dabei vor allem, daß er ein Grundsystem findet, welches allgemein hin praktiziert werden kann. Das steht und fällt natürlich mit dem Personal, keine Frage. Ich könnte bspw sehr gut mit einem System leben, welches auf einer stabilen Defensive basiert und je nach Gegner offensiver ausgerichtet wird. Evtl. auch mit dem Hauptaugenmerk auf Konter.