Zitat von Weser-Kurier:
"Eine Flut von 66 Gegentoren hatte in der vergangenen Saison eine klare Botschaft hinterlassen. Das musste besser werden. Dutt nahm eine Art Paradigmenwechsel vor. Er versuchte, seinen Leuten defensives Denken einzuimpfen statt sie zu sorglos nach vorne rennen zu lassen. Die Betonung der Defensive erfuhr dann angesichts einer zunehmenden Harmlosigkeit der Offensive eine Korrektur. Die Hinwendung zur Offensive mündete wiederum in einer Flut an Gegentoren.
Dutt nahm im Winter eine erneute Neuorientierung vor, zurück zur Defensiv-Ausrichtung des Sommers. Mit mäßigem Erfolg nach der Winterpause. Gerade mal gegen das Tabellenschlusslicht Eintracht Braunschweig stand die Null, es folgten acht Gegentore in nur zwei Spielen. Von der erhofften Balance ist Werder weit entfernt, im Gegenteil:
Werder ist hinten anfällig und vorne harmlos. Und in der Mitte nicht stabil."
Dieser Auszug fasst sehr gut die bisherigen Arbeitsergebnisse des Trainers Dutt zusammen. Gut finde ich auch, dass hier mit der Mär aufgeräumt wird, Dutt habe nach den ersten Spielen irgendwann etwas offensiver spielen lassen, weil er dem "erfolgsverwöhnten" Bremer Publikum rauschende Fußballfeste bieten wollte. Nein - (auch) er hatte irgendwann verstanden, dass man kaum ein Spiel mehr wird gewinnen können, wenn man überhaupt nichts nach vorn auf die Kette bekommt.
Wir wissen nicht, auf was Dutt seinen Schwerpunkt gelegt haben wollte. Im Ergebnis ("hinten anfällig, vorne harmlos und in der Mitte nicht stabil") ist jedenfalls rein gar nichts herausgekommen außer einer Verschlechterung, wo dies noch möglich war. Das ist schlichtweg ein Desaster. Und das ist sicher nicht das, was man sich bei seinem Amtsantritt erhofft bzw. erwartet hat.
Lange darf man da jetzt nicht weiter die Augen verschließen. Ich würde es begrüßen, wenn schon gegen Gladbach zumindest ein Interimscoach auf der Bank sitzen würde (irgendeiner aus dem reichhaltigen Trainerreservoir des SV Werder). Es ist erschreckend, wie einige Spieler inzwischen sogar noch hinter den nicht eben berauschenden individuellen Leistungen aus der schlechten Phase in der letzten Rückrunde zurückfallen.
Im Moment gibt es noch immer wenigstens ein paar grüne Zweige am ausgedörrten Mannschaftsbaum. Auch der Einsatzwille ist durchaus immer noch vorhanden. Da sollte ein Übungsleiter mit Fachverstand und ein wenig Fingerspitzengefühl noch "bundesligaverlängernde Notmaßnahmen" einleiten können. Die viele Zeit und die Vorbereitungsphasen, die Robin Dutt hatte, kann man dem neuen Trainer zwar leider im Moment nicht mehr bieten (die ist ergebnislos verpufft). Aber auch mit dieser Mannschaft und in der festgefahrenen Situation muss mehr möglich sein. Perspektivisch geht es mit diesem Trainer eh nicht weiter - soviel sollte doch inzwischen klar sein.
Am besten, man schaut sich gleich nach jemandem um, dem man ggf. auch einen Neuaufbau in Liga 2 zutrauen könnte.