Wenn nur die letzte Saison mit der „Rookie-Truppe“ schlecht gelaufen wäre, würde ich das auf ihre Unerfahrenheit begründete Argument gelten lassen.[...]
Dann lass es auch gelten und missbrauch es nicht als Türöffner.
[...]RD das Ruder übernahm. Dieser hat, wie du richtig erkannt hast, andere Ansätze gewählt; aber nicht um den gleichen Weg wie TS zur Rückrunde einzuschlagen, sondern um das gleiche Ziel zu erreichen. Gewählt hat RD einen anderen Weg und das aus guten Gründen: 1.) weil es nach einer langen Mißerfolgsserie wenig Sinn macht, den eingeschlagenen, fatalen Weg (der bekanntermaßen zu einem Trainerwechsel führt) beizubehalten 2.) gerade nach dem Weggang eines langjährigen Coaches ein gesundes Maß an Veränderungen erforderlich sind, denn jeder Trainer sollte vom Grundsatz her seinen eigenen Weg gehen, statt den Vorgänger ausschließlich zu kopieren.
Mich interessiert, welchen anderen Weg Dutt einschlug im Gegensatz zu Schaaf, der in der Rückrunde verstärkt die defensive Arbeit ins Auge fasste. Jetzt einfach zu sagen, er geht einen anderen Weg, ohne die Veränderung zu kennzeichnen? Mich interessiert, was Du als Veränderung ausgemacht hast.
Denn was passieren kann, wenn man etwas von der Vorgehensweise seines Vorgänger kopiert, hat man ja in der abgelaufenen Hinrunde gesehen, wo RD plötzlich anfing, offensiv agieren zu lassen und uns somit wie in den Jahren zuvor die Gegentore nur so um die Ohren flogen.
Du meinst Robin Dutt hat die offensive Spielweise von Thomas Schaaf kopiert? Wirklich? Kann ich Dir zwar nicht wirklich glauben, aber die offensivere Ausrichtung war wichtig. Ohne eine Belebung der Offensive wäre Werder harmlos gewesen und hätte noch weniger Tore erzielt, wie ohnehin schon und die Tore gegen Frankfurt hat man sich mit einer defensiven Ausrichtung eingefangen ohne selber die Gelegenheit zu bekommen eines zu erzielen. Es war sehr sehr wichtig für Dutt da eine Veränderung vorzunehmen, aber damit wandelte er nicht auf den Pfaden von Thomas Schaaf.
Demzufolge stimme ich dir auch vorbehalt los zu, daß nicht alle Entscheidungen der Hinrunde Gold gewesen sind. Denn z.B. dieser überflüssige Wechsel zur offensiven Ausrichtung hat den talwärts fahrenden Zug wieder beschleunigt, obwohl er sich bereits im Bremsweg befand; damit wurde die Entwicklung zum Guten unnötig verlängert und somit wertvolle Zeit verschenkt.
Diese Ansicht teile ich nicht. Werder hat bis zu diesem Zeitpunkt mit zwei Viererketten agiert und war nicht im Stande sich eigene Torchancen zu erarbeiten. Des Weiteren gab es keinerlei Anzeichen, dass Werder über ein funktionierendes Konzept für eigene Konter verfügte. Da standen sich bisweilen bei aussichtsreichen Gelegenheiten die eigenen Spieler im Weg, kreuzten den eigenen Ballführenden Mann etc.
Das erste Spiel, was halbwegs souverän über die Bühne gebracht wurde, war das gegen den HSV, wobei man auch da von Glück sprechen muss, weil Werder Jansen in HZ 2 nicht in den Griff bekam, immer stärker unter Druck geriet und sich aus dieser Drucksituation nicht befreien konnte. Aber gegen den HSV hat man noch gezielt hinten rausgespielt und nahm am Spiel teil, im weiteren Verlauf wurde immer stärker auf langen Hafer gesetzt, der Ball ging am laufenden Band verloren, Werder musste sich immer wieder neu positionieren, lief dem Ball hinterher ohne eigene Akzente setzen zu können.
Dutt wollte kontrolliertes Spiel, wenn ich das damals richtig verstanden habe, gespielt wurde auf dem Platz allerdings ganz anders. Der Ball wurde im Verlauf der Saison glaube ich noch nie so unkontrolliert hinten rausgeholzt wie in dieser. Eigenes Spiel fand nur selten statt. Mit Fehlentscheidungen meine ich eher Spielausrichtung und Gespür für den Gegner, um im richtigen Moment eine Veränderung vorzunehmen, andere Spieler aufs Feld zu schicken etc. Sachen, die man bspw. gegen Bayer 04 teilweise sah und weshalb dieses Spiel auch mit Glück zugunsten von Werder ausging.
Du meinst doch nicht allen Ernstes, dass man mit diesem Defensivkonzept, wie es zu Beginn der Saison spielte weiter gekommen wäre. Der Gegner braucht nur eine glückliche Situation, der Ball ist drin und Werder am Ups, ich muss meine Wortwahl ändern

. Das ist mMn ein zu großes Verbanquespiel. Man muss zumindest über ein geeignetes Mittelmaß verfügen und eigene Konter stringent zu Ende spielen können. All das war dem Team zu Beginn der Saison nicht möglich und entwickelte sich erst, als man auch offensiv mehr Akzente setze.
Da ist nicht alles fehlerfrei gelaufen, aber ich mag mir den Ausgang nicht vorstellen, wenn wir mit der anfänglichen Grundausrichtung die gesamte Saison angegangen wären.
Dennoch müssen wir uns in Geduld üben, denn wenn wir in den kommenden Jahren nicht in jeder Saison in Abstiegsgefahr geraten möchten, dann muß man auch ein wenig Zeit aufbringen und Rückschläge in Kauf nehmen, denn eine Entwicklung nach oben (wie weit man es auch immer definiert) läuft i.d.R. nicht linear.
Eines der großen Stärken von Werder Bremen war/ist ein behutsamer, kontinuierlicher und geduldiger Aufbau, statt so wie an vielen anderen Bundesligastandorten wie z.B. beim HSV das Umfeld mit kurzfristigem Aktionismus zu beruhigen, welcher sich meistens als Strohfeuer erweist. Auf sie diese Werder-Stärke der Geduld sollten, auch wenn es schwer fällt, auch wir Werder-Fans uns besinnen. Daher in diesem Sinne (und des Themas): statt "Nur der HSV" lieber "Lebenslang Grün-Weiß"

:svw_applaus:
Warum ist ein Trainer derart verunsichert, dass er auf Zuruf von Aussen seine Marschrichtung ändert. Ich würde sagen, weil man vom eigenen Konzept und dem eigenen Entwurf nicht überzeugt ist und selbst eine Veränderung vornehmen möchte und ich glaube auch nicht, dass Dutt auf Zuruf von Aussen handelte. Es war geboten, offensiver zu spielen um langfristig nicht ohne Torerfolg unterzugehen.
Wir werden sehen, welche Lehren Robin Dutt gezogen hat nach der Hinrunde und werden erleben, wie sich das Team unter seiner Feder in der Wintervorbereitung entwickelt hat. Vielleicht reiben wir uns nach Sonntag ja alle verwundert die Augen.